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Bildungspaten in Dresden: Betreuungslehrerin Heike Wenzel hilft Schülern mit Migrationshintergrund

Bildungspaten in Dresden: Betreuungslehrerin Heike Wenzel hilft Schülern mit Migrationshintergrund

Sie werden aus ihrem gewohnten Umfeld herausgerissen, hinterlassen Freunde und Angehörige und müssen plötzlich in einem neuen Land mit anderen Sitten und einer unbekannten Sprache klarkommen: Die Kinder von Migranten, die sich entschieden haben ihr Leben in Deutschland zu führen, hatten bei dieser Entscheidung selten Mitspracherecht.

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Heike Wenzel unterrichtet seit 14 Jahren ausländische Schüler in Deutsch, um sie auf den normalen Schulalltag vorzubereiten.

Quelle: Carola Fritzsche

Über die Bildungsagentur Regionalstelle Dresden werden sie einer bestimmten Schule sowie Klassenstufe zugewiesen und fangen ganz von vorn an.

Um den Jugendlichen und Kindern den Einstieg zu erleichtern, gibt es sogenannte Betreuungslehrer, die sich um Schüler mit Migrationshintergrund kümmern. Eine von ihnen ist Heike Wenzel, die seit 14 Jahren an der 121. Mittelschule in Prohlis an der Gamigstraße 28 unterrichtet. "Die Migrationsschüler kommen teilweise mitten im Jahr. Manche können kein Wort Deutsch", erzählt Wenzel. Ihre Aufgabe besteht darin, die Neulinge fit für den normalen Unterricht zu machen. Das geschieht in drei Etappen und kann sich je nach Schüler bis zu 18 Monate hinziehen. "Einige Schüler sind neugierig auf das Land, in dem sie jetzt leben und wollen viel lernen. Andere dagegen blockieren, weil sie sich nicht wohlfühlen", berichtet die 40-Jährige. Deswegen ist es ihre vordringlichste Aufgabe Vertrauen aufzubauen. In der Vorbereitungsklasse werden den Schülern - je nach Kenntnisstand - die wesentlichen Elemente der deutschen Sprache beigebracht, angefangen mit einfachen Verben wie "schreiben", "gehen" oder "lesen".

Außerdem werden die Schüler an die deutsche Kultur und an die hiesigen Sitten und Gebräuche herangeführt. "Kinder und Jugendliche etwa aus der Türkei oder Afghanistan haben in ihrem Land völlig andere Werte erfahren, als sie in Deutschland vermittelt werden", erklärt die Betreuungslehrerin. Auch normale Alltagssituationen wie Brötchen oder Fahrschein kaufen, vermitteln die "Bildungspaten" ihren Schützlingen. Jugendclubs, Sportvereine oder Theatereinrichtungen zeigen die Betreuungslehrer ebenfalls gern.

Sind die Schüler sprachlich so weit, dass sie das Alltagsdeutsch verstehen, werden sie in normale Klassen geschickt - allerdings nur für bestimmte Fächer. "Hier ist es wichtig, dass wir mit den Schülern sprechen. Sind sie zum Beispiel sport- und mathematikbegeistert, besuchen sie erst diese Fächer", erklärt Wenzel. Diese zweite Phase ist nicht nur schwer für die Schüler, sondern auch für die Fachlehrer. Grund: Sämtliche Fachbegriffe, vor allem in Biologie, Chemie oder Physik, müssen erklärt werden, denn sie gehören nicht zum Alltagsdeutsch. Neben dem Unterricht in der Klasse nehmen die Schüler weiterhin Deutschunterricht bei Heike Wenzel. Erst wenn sie problemlos alle Fächer absolvieren können, sind sie komplett integriert.

Insgesamt betreut Heike Wenzel circa 20 Schüler unter anderem aus Afghanistan, Polen, Thailand, Peru, Tschetschenien, Bulgarien, Portugal, Griechenland und Russland. Das ist viel Arbeit. Seit zwei Jahren hat sie Unterstützung: Das Kultusministerium hat ihr Lydia Sünderhauf als Kollegin zur Seite gestellt. Zusammen versuchen sie den Migranten einen guten Abschluss zu ermöglichen. "Im vergangenen Jahr haben vier unserer Schüler die mittlere Reife bestanden. Drei von ihnen gehen jetzt auf das berufliche Gymnasium", berichtet die Lehrerin stolz.

Leicht ist ihr Job nicht. Jeder Schüler hat seine eigene Geschichte und musste teilweise schlimme Erlebnisse bewältigen. Mit viel Engagement versucht Heike Wenzel, auch diese jungen Menschen in den Alltag zu integrieren, um ihnen eine erfolgreiche Zukunft zu ermöglichen.

Nadine Steinmann

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