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Angehende Dresdner Psychotherapeuten fordern bessere Ausbildungsbedingungen

„Wir sehen rot – PiA ist in Not!“ Angehende Dresdner Psychotherapeuten fordern bessere Ausbildungsbedingungen

Ende Mai hatten sich angehende Dresdner Psychotherapeuten mit selbstgebastelten Plakaten vor der Altmarkt-Galerie positioniert. Unter dem Motto „Schluss mit der Ausbeutung“ wurden über 300 Unterschriften gesammelt, um auf Probleme in der Psychotherapeutenausbildung aufmerksam zu machen.

Unter dem Motto „Schluss mit der Ausbeutung“ protestierten Dresdner Studenten gegen die Ausbildungsbedingungen von jährlich knapp 2500 Psychotherapeuten in Ausbildung (PiA).
 

Quelle: Justine Büschel

Dresden.  Zwei mal im Jahr treffen sich die Psychologie-Fachschaftsräte der deutschen Universitäten auf der Psychologie-Fachschaften-Konferenz (PsyFaKo), um gemeinsam über Probleme zu sprechen und Aktionen zu planen. Jedes Jahr findet dann eine gemeinsam organisierte Protestaktion statt. So hatten sich auch die Dresdner Studenten aus dem Bereich Psychotherapie Ende Mai mit selbstgebastelten Plakaten und einer Unterschriftenliste im Gepäck vor der Altmarkt-Galerie positioniert. Wie in 15 weiteren deutschen Städten wurden unter dem Motto „Schluss mit der Ausbeutung“ Unterschriften gesammelt, um auf die Missstände in der Psychotherapeutenausbildung aufmerksam zu machen. „Insgesamt konnten wir 375 Unterschriften sammeln, die wir jetzt mit unseren Forderungen an das Kultusministerium weitergeleitet haben“, erklärt Carolin Kilian vom Dresdner Fachschaftsrat für Psychologie. Die Studenten erhoffen sich damit die Ausbildungsbedingungen von jährlich knapp 2500 Psychotherapeuten in Ausbildung (PiA) langfristig zu verbessern.

Wie läuft die Ausbildung eines Psychotherapeuten ab?

Zunächst müssen angehende Psychotherapeuten ein Studium im Bereich Medizin, Psychologie oder Pädagogik absolvieren. Die Ausbildung zum Psychotherapeuten ist damit die einzige Ausbildung in Deutschland, die einen Hochschulabschluss für die Zulassung voraussetzt. Nach dem fünfjährigen Studium schließt sich die Ausbildung an, die im Schnitt zwischen drei und fünf Jahre dauert. Innerhalb der Ausbildung absolvieren die angehenden Psychotherapeuten ein anderthalbjähriges Praktikum in der Psychiatrie sowie in einer Reha-Klinik, für das kaum eine Bezahlung erfolgt. In der verbleibenden Zeit sind die Auszubildenden in einer Klinik als Vollzeitkräfte eingestellt.

Welche Probleme ergeben sich während der Ausbildung?

Da die Ausbildung an private Institute gebunden ist, müssen die Auszubildenden die Kosten zwischen 20.000 und 50.000 Euro selbst tragen. Zudem entfällt der Anspruch auf staatliche Unterstützung anhand von BaföG oder in Form von Stipendien. Für Auszubildende, die keine finanzielle Unterstützung der Eltern oder durch Kredite erhalten können, ist die Ausbildung nicht selbstständig tragbar. Trotz der Anstellung als Vollzeitkraft ist die Entlohnung zu gering, um den eigenen Lebensunterhalt und die hohen Lehrgebühren zu finanzieren.

Da sich die Ausbildung in einer rechtlichen Grauzone befindet, gibt es keine Regelungen über eine Bezahlung nach Tarifbestimmungen. Somit entfällt der Anspruch auf ein rechtmäßiges, am Studienabschluss gemessenes Gehalt. „Von einer Freundin in Dresden weiß ich, dass sie monatlich knapp 600 Euro zur Verfügung hat. Das ist für städtische Verhältnisse sogar relativ hoch. Zum Vergleich: In Berlin wird teilweise nur ein Lohn von 70 Euro im Monat gezahlt., in Hamburg waren es bis vor kurzem um die 200 Euro monatlich“, erklärt Özlem Kayali, die gerade an der Technischen Universität Dresden ihren Master absolviert und sich ebenfalls für die PiAs einsetzt. Mittlerweile stellen sich immer mehr Auszubildende quer und fordern eine höhere Entlohnung. „Damit entstehen aber auch Engpässe. Wenn die Kliniken mehr zahlen, werden gleichzeitig Stellen gestrichen“, so die Studentin weiter. Die finanzielle Belastung wirkt sich auch auf den psychischen Zustand der Auszubildenden aus. „Die Auszubildenden werden als Vollzeitkraft eingestellt, erhalten aber kaum Einarbeitungszeit und werden auch nicht ausreichend entlohnt. Viele nehmen nach der Arbeit noch einen Nebenjob an, um über die Runden zu kommen. Das ist eine enorme Belastung.“ Zudem entfällt durch die fehlende rechtliche Grundlage auch der Anspruch auf Urlaubs- oder Krankengeld. „Man ist damit tatsächlich der Willkür der Kliniken ausgesetzt“, meint Kayali.

Welche Lösungsansätze gibt es bereits?

„Seid 2013 veranstalten wir jedes Jahr eine Demonstration. Die Veränderungen kommen aber leider nur langsam“, so Kayali. Im vergangenen Koalitionsvertrag wurde bereits ein Eckpunktepapier festgeschrieben, daher hoffen die PiAs nun auf die Bundestagswahlen im September. Ein aktueller Vorschlag sieht vor, Veränderungen im Aufbau und an den Inhalten des Studiums vorzunehmen. So soll es einen allgemeinen Bachelorabschluss geben, die Spezialisierung für einen Fachbereich erfolgt dann im anschließenden Master. Nach dem Ende des Studiums sollen die Absolventen dann eine Behandlungserlaubnis erteilt bekommen. „Bei den Universitäten ist der Vorschlag auf Kritik gestoßen, da es dort an allen Seiten an Ressourcen fehlt“, weiß Kayali. Auch den Dresdner PiAs geht der Entwurf nicht weit genug. „Im Übrigen verändert sich damit nichts an der finanziellen Situation. Erst wenn der rechtliche Status festgelegt wird, kann auch eine Regelung für eine bessere Bezahlung, eine zwingend erforderliche soziale Absicherung und geregelte Arbeitszeiten getroffen werden.“

Um einen besseren Kontakt mit den zuständigen Ministerien herzustellen, haben sich die PiAs deshalb nun an die Landesregierung gewandt: „Wir hoffen, dass wir auf Landesebene endlich auf Bereitschaft für Gespräche stoßen.“

Von jbü

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