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Taxigenossenschaft: „Wir wünschen uns mehr Geschäftsreisende!“

Interview Taxigenossenschaft: „Wir wünschen uns mehr Geschäftsreisende!“

Der Mindestlohn hat grundlegende Veränderungen im Dresdner Taxigewerbe mit sich gebracht. Fahrgäste haben die vor allem als eine saftige Tariferhöhung wahrgenommen. Die wird es in nächster Zeit nicht noch einmal geben, auch wenn der Mindestlohn seit Anfang des Jahrs auf 8,84 Euro erhöht wurde, sagt Henry Roßberg.

Der Mindestlohn hat 2015 grundlegende Veränderungen im Dresdner Taxigewerbe mit sich gebracht.

Quelle: Anja Schneider

Dresden. Der Mindestlohn hat 2015 grundlegende Veränderungen im Dresdner Taxigewerbe mit sich gebracht. Fahrgäste haben die vor allem als eine saftige Tariferhöhung wahrgenommen. Die wird es in nächster Zeit nicht noch einmal geben, auch wenn der Mindestlohn seit Anfang des Jahrs auf 8,84 Euro erhöht wurde, sagt Henry Roßberg (61), Vorstandsvorsitzender der Dresdner Taxigenossenschaft.

Frage: Wie hat sich der 2015 eingeführte und Anfang diesen Jahres um 34 Cent pro Stunde erhöhte Mindestlohn auf das Taxigewerbe ausgewirkt?

Henry Roßberg: Wir haben vor Einführung des Mindestlohns gesagt, dass es teurer und die Dienstleistung schlechter wird. Und so ist es auch gekommen. Die Tarife wurden nach einer ganz schwierigen Kalkulation um 20 Prozent angehoben.

Vor allem, weil sie von einer provisionsorientierten Bezahlung der Fahrer auf einen festen Stundensatz umstellen mussten.

Genau. Es ist ja kein Geheimnis, dass unsere Fahrzeuge nur zu 30 Prozent ausgelastet waren, wir aber 100 Prozent Arbeitszeit bezahlen müssen. Von zehn Stunden Einsatzzeit steht das Fahrzeug sieben Stunden. In den übrigen drei Stunden muss der Umsatz von zehn Stunden gemacht werden. Das war zu den Bedingungen, wie wir sie 2014 hatten, nicht möglich. Aus dem Grund kam dann Ende 2014 eine sehr schmerzhafte Tariferhöhung, die ab 2015 gewirkt hat.

Rund 200 Taxiunternehmen mit rund 480 Taxen in Dresden beschäftigen etwa 1000 Taxifahrer.

250 bis 300 Taxen sind im Schnitt gleichzeitig in Dresden unterwegs.

Durchschnittlich 3500 Anrufe in der Dresdner Taxizentrale (Rufnummer: 211 211) am Tag, etwa 50 Prozent aller Fahrten werden über die Zentrale vermittelt. Nur etwa drei bis vier Prozent aller Bestellungen kommen über die App „Taxi Dresden“.

Die wichtigsten Kunden sind, in dieser Reihenfolge, Krankentransporte vor allem am Vormittag, Individualkunden, Geschäftsreisende.

Die größte Nachfrage nach Taxen gibt es an den Wochenenden und Freitag- und Sonnabendnacht. Anders als früher, als bis Mitternacht die meisten Fahrten erledigt waren, hat sich das Geschehen in die frühen Morgenstunden verlagert.

Quelle: Taxigenossenschaft Dresden

Inwiefern? Gab es Umsatzeinbrüche?

Wir hatten 2015 etwa 15 Prozent Einbrüche bei den Aufträgen. Das ist schon ein ganz schönes Stück, hat sich aber bis jetzt weitestgehend erholt. Die Leute rechnen nach, das kann ich ihnen nicht übel nehmen.

Und wie hat das Taxigewerbe die Erhöhung des Mindestlohns Anfang des Jahres verkraftet?

Sie bedeutet eine Lohnerhöhung von vier Prozent. Das müssen die Betriebe schultern. Aber wenn die nächste Erhöhung kommt, und dass kann 2019 so weit sein, wird es ohne eine Tarifveränderung nicht gehen. Natürlich nicht wieder in der Höhe wie 2014. Man muss dazu sagen, dass wir das einzige Personenbeförderungsgewerbe sind, das keine Subventionen bekommt. Wir müssen uns über die Tarife finanzieren.

Sie sprachen davon, dass sich seit 2014 die Dienstleistung verschlechtert haben. Inwiefern?

Die Angebotskapazität musste zurückgefahren werden. Die Anzahl der Taxen ist unverändert, sie sind aber nicht mehr ausschließlich doppelt besetzt.

Das bedeutet, dass die Autos nicht mehr in mehreren Schichten durch die Stadt fahren?

Genau. Jetzt ist es eben oft nur noch eine Schicht. Aus dem Grund kann es heute Mal passieren, dass der Kunde bei einer Sofortbestellung mal zehn Minuten warten muss. Besonders wenn es Sonderwünsche gibt, etwa nach einem Großraumtaxi, kann das schon mal ein paar Minuten dauern.

Und um die Kapazitäten herunterzufahren gab es eine Entlassungswelle im Taxigewerbe?

Nein, absolut nicht. Wir haben 480 Taxen in Dresden. Da nicht alle Taxifahrer Vollzeit arbeiten, kann man schon von reichlich 1000 Taxifahrern ausgehen. Vor Einführung des Mindestlohns waren es 1500. Es ist aber keiner gekündigt worden. Einige sind von sich aus gegangen, weil sie gesagt haben: 8,50 Euro in der Stunde bekomme ich woanders auch. Arbeitskräfte werden ja zurzeit überall gesucht.

Sie sprachen von 30 Prozent Auslastung im Jahr 2014. Wie hoch ist sie jetzt?

Grundsätzlich kann man von 45 Prozent ausgehen. Aber das ist auch abhängig vom Saisonverlauf. Zur Zeit ist es eher mau. In der zweiten Aprilhälfte geht es dann so langsam wieder los.

Dresden : 3,90 Euro Grundpreis und 2,20 Euro je Kilometer, ab 4. Km 1,80 Euro/nachts 2 Euro

Leipzig : 3,50 Euro + 2,50 (22-6 Uhr: 2,70) Euro/Km, ab 3. Km 1,80/2 Euro)

Berlin : 3,90 Euro + 2 Euro/Km, ab 8. Km 1,50 Euro

Hamburg : 3,20 Euro + 2,35 Euro/Km, ab 5. Km 2,10 Euro/ab 10. Km 1,45 Euro

München 3,50 Euro + 1,80 Euro/Km, ab 11. Km 1,50 Euro

Köln : 3,50 Euro + 1,90 Euro/Km, ab 8. Km 1,70 Euro

Frankfurt /M.: 2,80 (22-6 Uhr: 3,30) Euro + 1,75 (22-6 Uhr: 1,85) Euro/Km, ab 21. Km 1,55/1,70 Euro

Stuttgart : 3,10 Euro + 2,40 Euro/Km, ab 5. Km 1,90 Euro

Düsseldorf : 4,50 Euro + 2,20 Euro/Km

Dortmund : 3,50 (22-6 Uhr: 4) Euro + 2,10 (22-6 Uhr: 2,25) Euro/Km

Quelle: dpa

Hat der Mindestlohn vielleicht auch einen Vorteil, wenn es um die Nachwuchsgewinnung geht?

Nein. Überall werden Arbeitskräfte gesucht und den Mindestlohn müssen alle zahlen. Wir können über das Level Mindestlohn nicht hinausgehen.

Gibt es deswegen Probleme, Mitarbeiter zu finden?

Ja. Im Moment tut sich da gar nichts. Wir erwarten aber auch von einem Taxifahrer mehr als nur Autofahren und Geldwechseln. Er muss mit den Kunden ein Gespräch führen können und sich auskennen in der Stadt. Und damit ist nicht das Navi gemeint.

Aber es gibt keine Probleme, die Schichten zu besetzen?

Nein, so weit ist es noch nicht. Aber wir müssen auch beachten, dass unser Personal altert und wir es irgendwann ersetzen müssen. Das wird langsam schwierig. Wir könnten schon noch Taxifahrer gebrauchen.

Macht Ihnen eigentlich die Konkurrenz von 8 mal 8 Sorgen?

Nein. Das ist ein Mietwagendienst mit Limousinen, kein Taxiunternehmen. Anfangs gab es da Irritationen, aber das hat sich eingespielt. Es gibt im Übrigen mehr als 200 Mietwagen in der Stadt. Mit keinem haben wir Probleme.

Und der ÖPNV?

Das ist keine Konkurrenz. Das ist eine Bereicherung für die Stadt. In Dresden haben wir ja das bestausgebaute ÖPNV-Netz Deutschlands. Das erkennen wir neidlos an, wir arbeiten ja auch gut mit den Dresdner Verkehrsbetrieben beim Alita-Taxi zusammen.

Nehmen ihnen Busse und Bahnen nicht die Touristen als Fahrgäste weg?

Außenstehende meinen immer, dass wir Dresdner Taxifahrer so ein einfaches Leben wegen der vielen Touristen haben. Wenn man sich aber ansieht, wie die Touristen in die Stadt kommen, nämlich zu 90 Prozent oder mehr mit dem Bus, dann bleibt für uns nicht mehr viel. Die sind gut fürs Gastgewerbe, nicht fürs Taxigeschäft. Zumal auch viele der Sehenswürdigkeiten im engen Kreis um die Altstadt liegen. Klar profitieren wir vom Tourismus, aber nicht einmal annähernd in dem Maße, wie das allgemein immer angenommen wird.

Also ist ihnen mit einer Tourismusförderung nicht geholfen. Was wünschen Sie sich stattdessen?

Das Taxigeschäft profitiert von Kongressen, Parteitagen und Messen. Das sind Dienstreisende, die kommen mit dem Flieger und wollen schnell zum Veranstaltungsort oder dem Hotel und wieder zurück. Aber auf unserem Messegelände ist leider zu wenig los. Ein paar Tausend Besucher bringen für unser Gewerbe nichts. Wir wünschen uns mehr Geschäftsreisende!

Ist das der einzige Wunsch oder gibt es noch andere Sorgen?

Nein, ansonsten geht es uns in Dresden eigentlich ganz gut.

Das ist gut zu hören, bei manchen Ihrer Äußerungen kann einem ja schon um die Zukunft des Taxigewerbes bange werden. Wie blicken sie in die Zukunft?

Mobilität ist derzeit überall im Umbruch. Die jungen Leute sind nicht mehr so scharf auf einen Führerschein, für die ist auch das Auto kein Statussymbol mehr. Ein Auto ist heutzutage ein Gebrauchsgegenstand, auf den man auch verzichten kann, wenn man ihn nicht jeden Tag braucht. Viele Leute fahren mit den Öffentlichen. Wer etwas schweres transportieren will, greift auf Carsharing zurück. Und zwischendurch nimmt er dann ein Taxi. Dorthin geht der Wandel, zumal es in einigen Stadtteilen schwieriger wird, Parkplätze zu finden und im Stadtzentrum mehr und mehr Parkgebühren verlangt werden.

Sie begreifen das als Chance?

Auf jeden Fall. Auch das Zugriffsverhalten ändert sich. Sie können bei uns mit einer App bestellen, auch wenn die Jugend nicht unser Hauptkundenkreis ist. Derzeit haben wir vielleicht drei bis vier Prozent Bestellungen über die App. Aber das Umdenken findet statt.

Von uh

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