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Seilbahnen statt Straßenbahnen für Dresden

Verkehrskonzepte für 2050: Seilbahnen statt Straßenbahnen für Dresden

Seilbahnen gondeln durch Dresden, hoch über ehemaligen Straßen. Mit 18 Stundenkilometern gehts vom Albertplatz schräg über die Elbe zum Uniklinikum und von dort übers Käthe-Kollwitz-Ufer rauf zum Weißen Hirsch. Philip Weidner meint das ganz ernst.

Quelle: Archiv

Dresden. Seilbahnen gondeln durch Dresden, hoch über ehemaligen Straßen. Mit 18 Stundenkilometern gehts vom Albertplatz schräg über die Elbe zum Uniklinikum und von dort übers Käthe-Kollwitz-Ufer rauf zum Weißen Hirsch. Über Löbtau führt eine Seilbahnlinie nach Gorbitz und vom Postplatz direkt über den Hauptbahnhof hinauf Richtung Zschertnitz. Auch der Große Garten ist mittels Seilbahn zu erreichen. Philip Weidner meint das ganz ernst. "Es gibt dafür Beispiele in Londen und dem brasilianischen La Paz", rechtfertigt er seine Idee, die im Rahmen eines Projekts an der Technischen Universität Dresden entstanden ist. Im Rahmen der Lehrveranstaltung "Nachhaltige Unternehmensführung" durften die Studenten bei Prof. Edeltraud Günther Ideen zur "Mobilität im Jahr 2050" entwickeln. Die angehenden Wirtschaftswissenschaftler hatten dabei alle Freiheiten. Diese wirklich zu nutzen, fiel nicht allen leicht, berichtet die Professorin. Bisherige Lebenserfahrungen hätten die Zweitsemester bisweilen gebremst, so die Wissenschaftlerin, die dafür den Begriff "Pfadabhängigkeiten" benutzt. Es sei eher ihre Aufgabe gewesen, die Studenten anzuspornen als sie zu bremsen.

Das Ergebnis sind Ideen wie die von Philip Weidner und seiner Kommilitonin Leoni Walz. Ein Teil dieser Arbeiten ist zur Zeit im Foyer der Sächsischen Aufbaubank an der Pirnaischen Straße zu besichtigen. Dort hat Philip Weidner "seine" Idee bei einer Präsentation der Arbeiten unter anderem Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) erklärt. Der Minister hatte die Studenten zuvor ermutigt, schrankenlos zu denken. "Wir brauchen die 'Spinner'", sagte Dulig. Wichtig sei, sich auf neue Überlegungen einzulassen.

Bei Philip Weidner hat er damit ins Schwarze getroffen. "Die Sicherheit ist größer und es gibt weniger Lärm", nannte der angehende Wirtschaftswissenschaftler zwei Gründe, die aus seiner Sicht für die Seilbahn-Idee sprechen. Die Gondeln sollten die Hauptplätze mit wichtigen Orten wie Bildungseinrichtungen und Krankenhäuser verbinden, von den Seilbahnstationen könnte es dann zum Beispiel mit selbstfahrenden Elektroautos weiter zu anderen Zielen gehen. Und - ganz Wirtschaftler - die "wertvollen" frei werdenden Straßen könnten künftig besser genutzt werden, denkt Weidner. Zum Beispiel für Parks oder Sportanlagen, natürlich auch für neue Häuser.

Christian Micksch, Geschäftsführer der Sächsischen Energieagentur (SAENA), die das Projekt gemeinsam mit dem Verkehrsclub Deutschland (VCD) unterstützt hat, bekräftigte die "Spinnereien" der Studenten mit Blick auf den Klimawandel. "Mit den momentan bekannten Denkweisen und Instrumenten wird es nicht gelingen, die aktuellen Ziele umzusetzen", befeuerte er die Phantasie der angehenden Wissenschaftler bei der Suche nach innovativen Lösungen für aktuelle Probleme.

Die Arbeiten der Studenten, darunter auch Ideen zu einer Nahverkehrs-Schiffslinie auf der Elbe und Straßenbahnen, die Sonnenenergie nutzen, können noch bis zum 13. November in der SAB in Augenschein genommen werden. Vom 23. November bis zum 10. Dezember wird ein Teil davon im Verkehrsmuseum gezeigt. Danach präsentiert die SAENA die Arbeiten bei einer Elektrobus-Konferenz im Kongresszentrum.

Christoph Springer

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