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Dresdner Ampelsystem bringen DVB Zeit- und Geldersparnis

Intelligente Ampelsteuerung Dresdner Ampelsystem bringen DVB Zeit- und Geldersparnis

Seit Ende 2016 ist die neue intelligente Ampelsteuerung auf Dresdens Nord-Süd-Achse in Betrieb. Nach drei Monaten Feldversuch steht fest: Das von TU Dresden, DVB und Stadt entwickelte System lohnt sich. Für die Fahrer bedeutet es ein Umstellung: Sei müssen manchmal langsamer fahren, um am Ende schneller zu sein.

Derzeit ist das System noch in 83 Bahnen per Handydisplay zu sehen.
 

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden.  Lukas Arthur Kamratzki blickt auf den Handy-Display neben seiner Fahrkonsole. Ein Countdown zählt die Zeit runter, 12, 11, 10 Sekunden noch, dann sollte er seine Straßenbahn in Bewegung setzen. 50 Stundenkilometer kann er auf der Strecke, er beschleunigt den Stadtbahnwagen aber nur auf 35 km/h– so hat es ihm eine Anzeige auf dem Smartphone empfohlen. An der nächsten Kreuzung zeigt sich, warum: Die Straßenbahn rollt einfach durch, die Ampel ist genau im richtigen Moment auf das Durchfahrtssignal umgesprungen. „Es funktioniert“, sagt TU-Wissenschaftler Christian Gassel knapp. Die Straßenbahn müsse in den meisten Fällen nur noch an den Haltestellen halten, nirgendwo sonst.

Das ist das Ziel des sehr prosaisch „Nord-Süd-Verbindung“ betitelten Gemeinschaftsprojekts der Technischen Universität Dresden (TU), der Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) und der Stadt. Bereits 2006 hat man es mit der Ansage begonnen, die Reisegeschwindigkeit zu erhöhen und Wartezeiten an Ampeln zu verringern. Und das im Idealfall auch für Dresdens Autofahrer. Seit Ende 2016 ist es auf einer Nord-Süd-Achse an 24 Kreuzungen zwischen dem Nürnberger Platz und der Karl-Marx-Straße in Betrieb. Ausgenommen davon ist die Königsbrücker Straße, die erst saniert werden muss, damit sich die neue Technik lohnt. 3,2 Millionen Euro hat die Einrichtung gekostet, 70 Prozent davon kommen aus dem EFRE-Topf der Europäischen Union, in den Rest teilen sich Stadt und DVB.

Die Vorgehensweise lässt sich vereinfacht so beschreiben: Busse und Bahnen werden von einem an ein Echtzeitüberwachungssystem angeschlossenen Rechner so durch Empfehlungen an Ampeln geleitet, dass sie genau dann eintreffen, wenn ihnen die Ampelschaltung die Durchfahrt erlaubt. Im Gegenzug konnten an den zum System gehörenden Ampeln die Freigabezeit für Busse und Bahnen auf sieben Sekunden reduziert werden. „Das waren früher mal bis zu 40 Sekunden“, sagt DVB-Vorstand Lars Seiffert. Autofahrer und Fußgänger müssten deshalb nicht mehr so lange warten , bis eine Bahn durchgefahren ist, sagt er. So ist es zumindest in der Theorie. In der Praxis hat sich ein positiver Effekt für den Individualverkehr allerdings noch nicht beweisen lassen. Nach der Analyse von Wartezeiten Dresdner Taxifahrer konnte zumindest keine Verschlechterung festgestellt werden.

Für die DVB ist die intelligente Ampelsteuerung dagegen ein klarer Erfolg. Drei Minuten weniger Fahrtzeit benötigen die Linien 3 und 7 auf der Strecke, eine Minute weniger ist es bei der Linie 8. „Ab drei bis fünf Minuten kann man schon drüber nachdenken, eine Bahn weniger einzusetzen“, sagt DVB-Vorstand Seiffert. Der Zehn-Minuten-Takt ließe sich dank der Zeitersparnis dann auch so einhalten, wenn man zusätzlich etwas Wartezeit an den Wendepunkten abzwackt. Die wird schließlich künftig weniger als Puffer in Anspruch genommen, weil keine Bahn mehr minutenlange Verspätungen anhäuft. Eine Bahn weniger auf der Strecke bedeuteten rund 350 000 Euro Ersparnis, sagt Seiffert.

Profiteure sind auch die Fahrgäste. Zum einen, weil sich durch das mitdenkende System Verspätungen abbauen lassen, indem ihren Abfahrtszeiten hinterhinkende Bahnen bevorzugt werden. Verfrühte Bahnen werden dagegen ausgebremst. Das sorge für mehr Berechenbarkeit und dafür, dass Anschlüsse gehalten werden, sagt Seiffert.

Zum anderen steigt der Fahrkomfort, weil die Bahn seltener abbremst und beschleunigt. Dass dabei auch mal ein längeres Stück mit nur 30 Stundenkilometern zurückgelegt wird, freut wieder die Buchhaltungsabteilung der DVB. Im Durchschnitt werden 21 Prozent der Energiekosten eingespart, sagt Wissenschaftler Gassel.

Deshalb soll es weiter gehen mit der intelligenten Ampelsteuerung. Man wolle 40 weitere Ampeln entlang des 26er Rings integrieren und auch in die Breite gehen, etwa bis zum Fetscherplatz, wie TU-Professor Jürgen Krimmling sagt. An einem neuen Förderantrag wird derzeit gearbeitet. Rund 100 000 Euro werden wenigstens gebraucht, um eine Ampelanlage umzurüsten, sagt Reinhard Koettnitz, Leiter des Straßen- und Tiefbauamts.

Von Uwe Hofmann

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