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Zitat-Veröffentlichung belastet FIFA-Boss Infantino

Fußball Zitat-Veröffentlichung belastet FIFA-Boss Infantino

Was passierte bei der Council-Sitzung der FIFA in Mexiko-Stadt? Mit der Veröffentlichung angeblicher Zitate von Gianni Infantino in der "FAZ" steigt der Druck auf den Weltverbandsboss. Demnach wollte der FIFA-Chef seinen Chefaufseher Scala offenbar elegant loswerden.

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Gianni Infantino steht unter Druck.

Quelle: Maxim Schipenkow

Frankfurt/Main. Kurz vor seinem 100. Tag im Amt als FIFA-Präsident wird Gianni Infantino mit gravierenden Vorwürfen konfrontiert.

In der Komplott-Affäre um den Rücktritt von Chefaufseher Domenico Scala veröffentlichte die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" in ihrer Online-Ausgabe auf Englisch dem Chef des Fußball-Weltverbandes zugeschriebene Zitate aus einer Sitzung des FIFA-Council. Die Aussagen sind brisant, denn sie würden praktisch einen von Infantino betriebenen Sturz Scalas belegen und müssten die Ethikkommission auf den Plan rufen.

"Wir schauen, ob es möglich ist, dass er zurücktritt. Wenn er dies nicht tut, werden wir die Delegierten fragen, dass diese Angelegenheit durch den Kongress bewilligt wird", lautet ein angebliches Infantino-Zitat aus der Sitzung des FIFA-Rates am 13. Mai in Mexiko-Stadt wenige Stunden vor der letzten Vollversammlung der Nationalverbände. Auch eine Entlassung Scalas durch das Council wurde offenbar erwogen, aber nicht für ratsam erachtet. "Ich denke, es ist besser, wenn es aus dem Kongress kommt, als wenn es in einer oder zwei Wochen aus dem Council kommt. Weil es dann eine persönliche Sache ist, was es nicht ist", wird Infantino zitiert.

Die FIFA wollte sich zu der Veröffentlichung vorerst nicht äußern. Am Wochenende hatte der Weltverband Berichte über einen Komplott gegen Scala als haltlos zurückgewiesen. Der ehemalige Chef der Audit- und Compliance-Kommission war von seinem Amt am 14. Mai zurückgetreten. Einen Tag zuvor hatte der FIFA-Kongress einen Passus verabschiedet, der die Autonomie der Kontrollgremien massiv schwächt, da ihre Mitglieder für ein Jahr vom Council ernannt und entlassen werden können - und damit eben auch Scala aus dem Amt hätte geworfen werden können. Der Schweizer Wirtschaftsexperte gilt als der Architekt des FIFA-Reformprozesses.

Auch die Beschwerde Infantinos über sein Gehalt von zwei Millionen Schweizer Franken, das durch eine von Scala damals geführte Kommission festgelegt wurde, wird durch die "FAZ" festgehalten: "Ich habe diesen Vorschlag nicht akzeptiert. Es war ein Vorschlag, den ich beleidigend fand." Faktisch hat Infantino kein Recht, die Höhe seines Salärs abzulehnen. Mit einem saloppen Kommentar soll er im Council Stimmung gemacht haben. "Vielleicht muss ich zu einem Zeitpunkt einen von Euch um einen Kredit bitten", heißt es in der "FAZ"-Veröffentlichung.

Laut Statuten ist der FIFA-Präsident nicht mehr für das operative Geschäft des Weltverbandes verantwortlich. Diese Pflichten obliegen der neuen Generalsekretärin Fatma Samoura, die nach bisherigen Plänen auch finanziell besser vergütet werden soll. Infantino - zuvor als UEFA-Generalsekretär ein Top-Manager im europäischen Fußball - versteht sein Amt bislang aber durchaus als gestaltender und nicht als repräsentativer Präsident.

Offenbar wurde der angebliche Vorstoß Infantinos im Council auch skeptisch beurteilt. Kritisch äußerte sich offenbar besonders das englische Mitglied David Gill, der das Geschehen als "unglaubliche Situation", beschrieben haben soll. Der amerikanische Verbandschef Sunil Gulati wird zitiert: "Wir können so nicht vorgehen. Wir können Personen nicht entlassen ohne eine schriftliche Grundlage oder Fakten." Offenbar verhandelte Gulati vor der Sitzung noch erfolglos über eine einvernehmliche Lösung.

Infantino informierte demnach das Council auch über eine Beschwerde Scalas bei der Ethikkommission. Grundlage dafür soll ein geplanter Hauskauf der Familie Infantino in Zürich für 25 Millionen Franken gewesen sein. Laut Infantino landete die Eingabe Scalas bei den Ethikhütern "direkt im Papierkorb".

Die Ethikkommision wollte sich wie in solchen Fällen üblich nicht zu möglichen Verfahren gegen Infantino oder Council-Mitglieder äußern. Nach dpa-Informationen werden derzeit alle Unterlagen in der Komplott-Causa gesichtet. Kommt es zu einem Verfahren wäre Infantino, der am Sonntag 100 Tage im Amt ist, massiv geschwächt.

dpa

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