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Russland droht Rauswurf: IAAF berät über Doping-Skandal

Sportpolitik Russland droht Rauswurf: IAAF berät über Doping-Skandal

Das Council des Leichtathletik-Weltverbandes hält am Freitag eine Krisensitzung zu dem gigantischen Doping-Skandal in Russland ab. Der einst so großen Sport-Nation droht der Ausschluss aus der IAAF. Vorher sollen sich die Russen aber erst einmal offiziell erklären.

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Die Russen sollen sich offiziell erklären.

Quelle: Maxim Schipenkow

Frankfurt/Main. Im größten Doping-Skandal der Leichtathletik- Geschichte hat die Führung des Weltverbandes IAAF für den 13. November eine erste Krisensitzung angesetzt.

Möglicherweise fällt schon dann eine Entscheidung über den Ausschluss der russischen Athleten aus der IAAF und von den Olympischen Spielen 2016. Möglicherweise bleibt die aber noch aus, da der neue IAAF-Präsident Sebastian Coe ebenfalls bis zu diesem Freitag eine Stellungnahme des russischen Verbandes zu den gravierenden Vorwürfen angefordert hat.

Seine eigene Tendenz hat der frühere Weltklasse-Läufer in dieser Woche schon einmal anklingen lassen. Er halte die Einbeziehung der Russen im Zweifel für besser als ihre Ausgrenzung, sagte Coe. Der öffentliche Druck auf den 27-köpfigen Council der IAAF ist aber gewaltig, da nicht zuletzt die Ermittlungskommission der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA in ihrem Bericht empfohlen hat, die Russen vorerst aus dem Weltverband auszuschließen.

Stabhochsprung-Legende Sergej Bubka sprach sich gegen eine Kollektivstrafe für die russischen Leichtathleten und zugleich für den Schutz der unbescholtenen Sportler aus. "Sie sollten nicht darunter leiden. Es ist unsere Pflicht, die sauberen Athleten zu schützen", sagte der IAAF-Vizepräsident. "Wir müssen harte Entscheidungen treffen, ohne Zweifel", sagte der 51 Jahre alte Ukrainer. "Es könnte eine provisorische Suspendierung sein." Man werde den russischen Verband rigoros zum Handeln drängen, kündigte Bubka an. "Wenn sie den richtigen Weg beschreiten, dann können sie möglicherweise vor Rio zurückkommen."

Für einen Ausschluss hatte sich dagegen der Chef der amerikanischen Anti-Doping-Agentur ausgesprochen. "Russischen Athleten sollte nicht mehr erlaubt werden, auf der großen Bühne zu starten. Denn das, was jetzt herausgekommen ist, verletzt die Rechte aller sauberen Athleten", sagte USADA-Chef Travis Tygart.

Der Mann, dessen Organisation 2012 in einem Bericht das systematische Doping der Radsport-Legende Lance Armstrong aufgedeckt hat, forderte außerdem: "Die betroffenen Athleten und ihre Trainer müssen bestraft und ihre Preisgelder sowie Medaillen zurückgegeben werden. Der russische Verband, die Kontroll-Labore und die Nationale Anti-Doping-Agentur müssen zur Verantwortung gezogen werden."

WADA-Chef Craig Reedie formuliert das etwas zurückhaltender. Aber auch er sagte dem Londoner "Evening Standard": "Der Ball liegt jetzt weit in der russischen Spielhälfte. Ich denke, dass es einen Willen gibt, den Russen zu helfen. Aber sie müssen auch zeigen, dass sie reformieren wollen, was über Jahre in ihrem Land passiert ist."

Die Ethikkommission des russischen NOK empfahl Valentin Balachnitschew, dem früheren Präsidenten des Leichtathletikverbandes, den Rat zu verlassen. Die Kommission begründete dies auf einer Sondersitzung mit internationalen Regeln, wonach niemand eine olympische Funktion ausüben darf, "der einen Schatten auf die Reputation der olympischen Bewegung werfen könnte".

Von Reform- oder nur Aufklärungsbereitschaft ist man in der einst so großen Sportnation aber nach wie vor weit entfernt. Am Mittwochabend schaltete sich auch Russlands Präsident Wladimir Putin in die Affäre um Korruption und systematisches Doping in seinem Land ein und wehrte sich gegen eine mögliche "Kollektivstrafe" für die russischen Leichtathleten. "Sportler, die nie etwas mit Doping zu tun hatten, sollten nicht die Verantwortung übernehmen müssen für andere, die die Regeln verletzten", sagte er bei einem Treffen mit Sportfunktionären in der Olympiastadt Sotschi.

Putin forderte eine weitere Untersuchung des Skandals ausgerechnet durch einheimische Behörden. "Wenn unsere ausländischen Kollegen Zweifel haben, ist es notwendig, dass keine Fragen offen bleiben", sagte er laut einem Bericht der Agentur Interfax.

Im Vergleich zu seinem Sportminister Witali Mutko klang der Präsident aber noch zurückhaltend. Russland werde "die Ehre der Athleten" verteidigen, sagte Mutko in Sotschi. "Wer nicht des Dopings überführt wurde, sollte an Wettbewerben teilnehmen. Anders kann es nicht sein." Multifunktionär Mutko wird in dem WADA-Report beschuldigt, selbst eine zentrale Figur des Dopingsystems zu sein. Er solle persönlich angeordnet haben, "bestimmte Dopingproben zu manipulieren", heißt es. Immerhin kündigte Mutko an, dass der russische Leichtathletik-Verband die geforderte Stellungnahme bis zum Freitag abgeben werde.

Es passt zum aktuellen Klima im Land, dass die zweitgrößte russische Bank VTB am Donnerstag verkündete, ihren 2016 auslaufenden Sponsorenvertrag mit der IAAF nicht zu verlängern. Das hänge aber nicht mit den Doping-Vorwürfen zusammen, betonte VTB-Vizechef Wassili Titow in Moskau. "Der Vertrag ist nach fünf Jahren ausgelaufen und hat seinen Zweck erfüllt", sagte er der Agentur R-Sport zufolge.

Deren Chef Dick Pound hatte von einer "Sabotage" der Olympischen Spiele 2012 gesprochen, weil sich nachweislich gedopte Athleten bei Funktionären der IAAF freikaufen und anschließend in London starten konnten. "Ich denke nicht, dass Sabotage das richtige Wort ist", meinte Reedie nun. "Russland hatte ein sehr gutes Leichtathletik- Team. Die Londoner Spiele waren in jeder Hinsicht großartig."

dpa

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