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Rosberg feiert WM-Triumph im Zitter-Finale

Motorsport Rosberg feiert WM-Triumph im Zitter-Finale

Nico Rosberg ist am Ziel. Nach einer wechselhaften Saison darf sich der Mercedes-Pilot als dritter deutscher Formel-1-Weltmeister feiern lassen. Das Finale in Abu Dhabi war für Rosberg aber noch einmal eine echte Nervenprobe.

Nach 55 Runden ist die Saison 2017 Geschichte und die WM entschieden.

Quelle: Srdjan Suki

Abu Dhabi. Überwältigt von seinem ersten Titel-Glück herzte Nico Rosberg innig seine Frau Vivian, dann stemmte er übermütig Formel-1-Chef Bernie Ecclestone in die Höhe.

In der funkelnden Wüsten-Dämmerung von Abu Dhabi genügte Rosberg am Sonntag Platz zwei beim Zitter-Finale hinter dem nun entthronten Titelverteidiger Lewis Hamilton, um sich als dritter Deutscher nach Michael Schumacher und Sebastian Vettel zum Champion der Königsklasse zu krönen.

"

Das ist ein Kindheitstraum, der jetzt hier in Erfüllung geht. Ich will jetzt nur noch feiern und die Sau rauslassen", sagte der erschöpfte 31-Jährige, der gar nicht wusste, wohin mit seinen Emotionen. "Auf der Auslaufrunde kamen die Tränen ohne Ende", berichtete er.

Zehneinhalb Jahre nach seinem Formel-1-Debüt und 34 Jahre nach dem Titelgewinn von Papa Keke holte sich Rosberg mit kalkuliertem Risiko und letztlich fünf Punkten Vorsprung den lange ersehnten WM-Triumph. "Ich bin sehr stolz, dass ich in die Fußstapfen meines Vaters treten konnte", sagte der vom enormen Druck befreite Rosberg, nachdem er zuvor etwas gequält den geschlagenen Hamilton umarmt hatte.

Sein Vater Keke gratulierte dem Sohn später herzlich. "Ich bin natürlich sehr happy für ihn", sagte der Weltmeister von 1982, der seinen Sohn in der Garage innig umarmte. "Es ist eine lange Reise gewesen und heute ist wieder ein Meilenstein. Toll, dass es so ist", sagte der 67-Jährige weiter.

Es war nur ein winziger Schönheitsfleck, dass Hamilton das vierte Rennen hintereinander gewann und damit insgesamt mit zehn Siegen in dieser Saison sogar einen mehr feierte als Rosberg. Nie zuvor in seinen nun 206 Grand Prix machte Rosberg ein zweiter Platz so glücklich wie diesmal. In der Box drückte er mit feuchten Augen jeden Mechaniker an die Brust, auch Mutter Sina nahm ihren Sohn fest in den Arm.

Vergessen waren für den 33. Weltmeister der Formel-1-Geschichte auch die zwei bitteren Niederlagen gegen Dauerrivale Hamilton in den Titelkämpfen 2014 und 2015. "Nico war einfach besser, mehr konnte ich nicht tun", sagte Hamilton und drohte schon: "Jetzt freuen wir uns auf den Kampf im nächsten Jahr."

Ferrari-Pilot Vettel, der Dritter in Abu Dhabi wurde, freute sich sichtlich mit Landsmann Rosberg. "Das ist sein Tag heute. Ich weiß, wie er sich fühlt", sagte der viermalige Weltmeister. Im Rennen war er den beiden Silberpfeilen noch gefährlich nah gekommen - auch weil Hamilton gegen die Anweisungen der Teamspitze offenbar absichtlich langsamer fuhr, um den Verfolgern noch die Chance zu geben, Rosberg zu überholen. Nico Hülkenberg belegte im Force India Platz sieben. Manor-Pilot Pascal Wehrlein beendete sein Debütjahr auf Rang 14.

In einer wechselhaften Saison verhalf Rosberg sein Superstart mit vier Siegen in Serie und das erneute Formhoch nach der Sommerpause, als er vier von fünf Grand Prix gewann, letztlich zum Titel. Hamilton hatte zwar trotz vieler Rückschläge nie aufgegeben, doch auch seine Siegesserie in den letzten Saisonrennen reichte nicht mehr zum Gewinn seiner vierten WM-Krone. Cool und geschickt verteidigte Rosberg in der Schlussphase des Jahres seinen stetig schmelzenden Vorsprung. "Nico ist absolut verdient Weltmeister. Er ist an Lewis Hamilton gewachsen, der vielleicht der schnellste und talentierteste Fahrer der Neuzeit ist", sagte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff.

Auch in Abu Dhabi ging Rosberg kein unnötiges Risiko. Zwölf Punkte Vorsprung hatte er mit in die Emirate gebracht. Er wusste, Platz drei würde ihm selbst bei einem Hamilton-Sieg genügen. In der Qualifikation war Rosberg einmal mehr ohne Chance gegen den Briten, mit Startplatz zwei aber war die Pflicht erfüllt.

Als die Roten Ampeln dann erloschen, reihte sich Rosberg wie so oft in den gemeinsamen Mercedes-Jahren hinter Hamilton ein. Dass Red-Bull-Jüngling Max Verstappen sich nach einer Kollision mit Hülkenbergs Force India drehte, sahen die führenden Mercedes-Piloten bestenfalls im Rückspiegel.

Spannend wurde es daher erst durch die Reifenwechsel. Rosberg musste wegen des ebenfalls in die Box kommenden Vettel kurz seine Abfahrt verzögern und kam deshalb als Dritter hinter Hamilton und Verstappen zurück auf die Strecke. Der Niederländer hatte sich nach seinem verpatzten Start nach vorn gekämpft, auch weil er mit seinem ersten Reifentausch viel länger wartete als seine Konkurrenten.

Diese Situation konnte Rosberg gar nicht passen, zumal weitere Verfolger dicht hinter ihm lauerten. Nur ein Missgeschick - und der Titel wäre weg. Rundenlang hing Rosberg hinter Verstappen fest. Im 20. Umlauf dann zeigte der Deutsche seine neue Härte und den Mut, der ihn in dieser Saison ausgezeichnet hatte. Mit einem weltmeisterlichen Manöver zwängte er sich im Kurvengeschlängel an Verstappen vorbei zurück auf den zweiten Platz.

Auch den Rest der Nervenprobe bestand Rosberg mit Bravour. Der zwischenzeitlich führende Vettel musste Platz eins bei seinem zweiten Boxenstopp wieder abgeben und kam trotz eines starken Endspurts nicht mehr an das Mercedes-Duo heran. Hamiltons taktische Manöver brachten letztlich nichts, auch wenn durch seine Bummelrunden die Spitze noch einmal ganz eng zusammenrückte.

"Könnt Ihr nichts tun? Ich könnte viel schneller fahren", funkte Rosberg an die Box. "Fahr schneller", befahl Technikdirektor Paddy Lowe dem verbitterten Hamilton, der aber widersprach. Am Ende war es egal - Rosberg war am Ziel.

dpa

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