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Olympia: Hamburgs Woche der Wahrheit

Sportpolitik Olympia: Hamburgs Woche der Wahrheit

Auf der Zielgeraden des Olympia-Referendums wird der Gegenwind für die Befürworter stärker. FIFA-Korruptionsskandal, DFB-Affäre, zuletzt Terrorwarnungen - wie sich all dies auf das Votum der Bürger auswirkt, ist unklar. Eine Umfrage lässt die Gegner hoffen.

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Visualisierung des geplanten Olympiastadions.

Quelle: Gmp/Bloomimages

Hamburg. Noch im Frühjahr schien das Olympia-Referendum in Hamburg ein Selbstläufer zu werden. 64 Prozent der Bürger waren pro Sommerspiele 2024 - das entscheidende Faustpfand im nationalen Bewerber-Zweikampf mit Berlin.

Doch kurz vor Ablauf des Referendums wittern die Gegner Morgenluft. Nur noch 56 Prozent wollen nach einer Umfrage Spiele an der Elbe - ein Dämpfer für die Olympia-Kämpfer in Stadt und Land. Setzt jetzt das große Zittern ein?

Sportstaatsrat Christoph Holstein verneint. Er sei fast jeden Abend bei einem Olympia-Termin, berichtet er. "Die Stimmung in den Stadtteilen ist nach wie vor deutlich pro Olympia." Beim Referendum werde ein gutes Ergebnis herauskommen, sagt Holstein, ohne eine konkrete Zielzahl zu nennen. Die vergangenen Wochen hätte aber keinen Rückenwind gegeben, räumt er ein. Korruption beim Fußball-Weltverband FIFA, die Affäre um die WM 2006, flächendeckendes Doping in Russland: "Vor diesem Hintergrund sind die Hamburger Werte ausgesprochen gut."

Für alle völlig unklar ist, ob - und falls ja wie - sich die Terroranschläge beim Olympia-Mitbewerber Paris und die Absage des Länderspiels in Hannover auswirken. Holstein hofft, dass die Wähler in Hamburg und dem Segelstandort Kiel sagen: "Wir lassen uns von Gewalttätern nicht einschüchtern. Olympia - jetzt erst recht!"

Der Hamburger Politikwissenschaftler Kai-Uwe Schnapp vermag mögliche Auswirkungen ebenfalls nicht zu prognostizieren. "Das hängt sehr viel mehr von psychischen Dispositionen der Leute als von politischen Einstellungen oder einer Grundeinstellung zu Olympia ab", sagt er.

Bislang galt: Alles andere als eine Zustimmung von 60 Prozent plus X würde der Hansestadt im Wettstreit mit Los Angeles, Paris, Rom und Budapest wohl keinen Schwung verleihen. Und dieses Ziel strebt Hamburgs Sportbund-Chef Jürgen Mantell trotz "schwieriger Rahmenbedingungen" weiter an. "Ich glaube, die 64 Prozent werden wir halten - und noch mehr", sagt Mantell am Wochenende der Deutschen Presse-Agentur. Zuvor hatte er stets auf etwa 70 Prozent gehofft.

Die Gegner indes sehen sich im Aufwind. Der Zustimmungsrückgang in der Umfrage bestätige ihre Einschätzung, "dass je mehr die Bevölkerung über die Olympia-Bewerbung erfährt, umso skeptischer wird sie", sagt Florian Kasiske von der Initiative NOlympia.

Klar ist aber auch: Die Olympia-Befürworter sind in der Öffentlichkeit deutlich stärker wahrnehmbar als die Gegner. Wegen ungleich geringerer Ressourcen habe man es viel schwieriger, in der Stadt sichtbar zu sein als die Befürworter mit einem millionenschweren Werbeetat, sagt Kasiske.

Dabei gibt es mehrere Anti-Bündnisse, Aktivisten, Initiativen und Internet-Blogs. NOlympia, Jugend gegen Olympia, Nein zu Olympia, Stop Olympia, Wissenschaftler gegen Olympia, Fanclubs des FC St. Pauli gegen Olympia sind lose Gruppierungen ohne Organisationsstruktur. Aus dem Kreis der Parteien und Verbände lehnen unter anderem Die Linke, die Grüne Jugend und der BUND Olympia ab.

Anders als bei der gescheiterten Bewerbung Münchens für die Winterspiele 2018 ist die Gegenwehr keine laut vernehmbare, organisierte Bewegung mit Führungsstruktur. Dies sieht Dirk Seifert, der einst NOlympia ins Leben rief und die Initiative später an Jüngere übergab, in der Kürze der Zeit begründet. "Zuerst haben alle geglaubt, deutscher Kandidat wird ohnehin Berlin. Dann kamen Ferien, dann ließ der Finanzreport ewig auf sich warten", sagt er.

Die Gegner haben allesamt ein Grundargument: zu teuer. Die weiteren Bedenken splitten sich auf. Die einen fürchten um den Naturschutz, andere beklagen fehlende Nachhaltigkeit, Dritte warnen vor einer Kostenexplosion bei Mieten. "Olympia betrifft so viele unterschiedliche Handlungsfelder. Das hat dazu geführt, dass es keine Gegenbewegung unter einem Dach gibt", sagt Seifert.

Der Politologe warnt aber, die bunte und vielschichtige Gegenwehr zu unterschätzen. Während in den klassischen Medien eher das Pro vorherrsche, dominiere in den neuen Medien das Kontra. "In Facebook und Twitter stellt sich ein anderes Bild dar", sagt Seifert.

dpa

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