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Koch schwimmt Weltrekord über 200 Meter Brust

Schwimmen Koch schwimmt Weltrekord über 200 Meter Brust

Weltmeister Marco Koch sorgte mit Weltrekord für den späten Glanzpunkt bei den deutschen Kurzbahn-Meisterschaften. Abseits des Beckens geht es unruhiger zu. Reformen verursachen Unmut. Bei der WM im Dezember startet ein deutsches Mini-Team auf der 25-Meter-Bahn.

Marco Koch hat den Weltrekord über 200 Meter Brust verbessert.

Quelle: Jörg Carstensen

Berlin. Einen über den Weltrekord jubelnden Marco Koch hätte der deutsche Schwimmsport bei Olympia besser brauchen können.

Drei Monate nach den Rio-Enttäuschungen verbesserte der schlankere Weltmeister Koch zum Abschluss der deutschen Kurzbahn-Meisterschaften in Berlin über 200 Meter Brust in 2:00,44 Minuten den Weltrekord.

Bei seinem zehnten Titel in Serie auf seiner Spezialdistanz war Koch vier Hundertstelsekunden schneller als der Ungar Daniel Gyurta vor zwei Jahren. "Das ist ein geiles Gefühl. Die Diät hat nicht geschadet, wie man sieht", sagte der 26-Jährige. Koch hatte nach Platz sieben bei Olympia 13 Kilogramm in sechs Wochen abgespeckt. Bei der WM in Kanada vom 6. bis 11. Dezember kann Koch nach EM-Silber sein Jahr nun noch vergolden.

Abseits von Kochs Coup kam das deutsche Schwimmen noch nicht entscheidend voran. Im Getuschel und Gemauschel über Reformideen von Chefbundestrainer Henning Lambertz gingen die wenigen anderen guten Leistungen fast unter. Außerhalb des Beckens liegen dem Verband und vielen Trainern Zukunftssorgen schwer im Magen. Dass zur WM im Dezember nur ein Mini-Team reisen wird, geriet zur Nebensache.

Der Olympia-Sechste Philip Heintz verfehlte vor Kochs Weltrekord seine deutsche Bestmarke über die 200 Meter Lagen nur um 0,25 Sekunden. Der Heidelberger hatte bei Olympia in Rio noch bittere Tränen der Enttäuschung vergossen und seine Karrierefortsetzung in Frage gestellt. "Ich denke, noch ein paar Jahre werde ich das machen", sagte er nun.

Neben Koch und Heintz schafften nur Poul Zellmann und Florian Wellbrock über 1500 Meter Freistil die WM-Normen. Lambertz hatte eigentlich mit einem zweistelligen Kader für die globalen Titelkämpfe gerechnet. Aus der zweiten Reihe kam kaum etwas nach. Ausnahmen waren die 15 Jahre alte Doppel-Meisterin Celine Rieder (Saarbrücken) mit starken Zeiten über 800 und 1500 Meter Freistil. Ebenfalls beeindrucken konnte die 14-jährige Isabel Gose (Potsdam) über 400 Meter Freistil. Die Hälfte der 27 deutschen Olympia-Starter fehlte in Berlin, etwa wegen Verletzungen, Pausen oder Bundeswehr-Lehrgängen.

Mehr Brisanz als im Becken gab es außerhalb wegen der Unzufriedenheit der Trainer. Kaum einer weiß, wie es weitergeht: Sei es die eigene Vertragssituation oder seien es die neuen Konzepte von Chefbundestrainer Lambertz, die mehr Kontrolle und weniger Eigenverantwortung vorsehen. Frank Embacher, Trainer des zurückgetretenen Weltrekordlers Paul Biedermann, fühlt sich in die zweite Reihe zurückversetzt und liebäugelt mit einer neuen Aufgabe in der Sportförderung im heimischen Halle/Saale.

Die mit der Spitzensportreform einhergehenden Änderungen wie Reduzierung der Stützpunkte oder ein neues Krafttrainingskonzept, das Lambertz für alle verbindlich vorgeben soll, sorgt auch für atmosphärische Störungen. Chefbundestrainer und Stützpunkttrainer sprachen mehr übereinander als miteinander. "Kommunikation ist keine Einbahnstraße", mahnte Lambertz und schloss einen mehrminutigen Monolog in eigener Sache mit dem Trapattoni-Satz: "Ich habe fertig."

Ein Knackpunkt ist, welcher Trainer wie lange und ob überhaupt seinen Vertrag an welchem Stützpunkt verlängert bekommt. Die erst vor zwei Wochen gewählte neue Präsidentin des Deutschen Schwimm-Verbandes, Gabi Dörries, konnte den drängenden Trainern keine definitiven Antworten bezüglich der zum Jahresende auslaufenden Verträge bieten. Zunächst stehen weitere Gespräche wie am Mittwoch beim Deutschen Olympischen Sportbund an. Dann weiß Dörries, ob es bei den avisierten 350 000 Euro an Einsparungen bleibt.

dpa

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