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Hamilton im Frustloch: "Lewis braucht einen Feind"

Motorsport Hamilton im Frustloch: "Lewis braucht einen Feind"

Lewis Hamilton droht im Saison-Endspurt der Formel 1 zum Sorgenfall für Mercedes zu werden. Der Titelverteidiger kommt mit den Niederlagen gegen Nico Rosberg immer schlechter zurecht.

Weltmeister Lewis Hamilton hat derzeit keine gute Laune.

Quelle: Franck Robichon

Suzuka. Die Titelsause in der Mercedes-Rennfabrik wird für Lewis Hamilton zur nächsten Seelenprüfung.

Auf die für Dienstag angesetzte Teamparty nach dem vorzeitigen WM-Triumph bei den Konstrukteuren dürfte der schlecht gelaunte Formel-1-Titelverteidiger ebenso wenig Lust verspüren wie auf das schnelle Wiedersehen mit Überflieger Nico Rosberg. Der stetig wachsende Rückstand in der WM hat Hamilton vor den letzten vier Saisonrennen ins Frustloch stürzen lassen, der Brite wirkt instabil und reizbar. "Er muss jetzt zur Ruhe kommen und sich sammeln", mahnte Mercedes-Teamchef Toto Wolff.

Superstar Hamilton droht im Saison-Endspurt zum Sorgenfall für den Branchenführer zu werden. Der 31-Jährige spürt, dass ihm nach zwei WM-Triumphen mit den Silberpfeilen diesmal Teamkollege Rosberg auf und davon fährt - und damit kann er nur schlecht umgehen. "Während Hamilton den Selbstzerstörungsknopf drückt, schenkt er Nico Rosberg den Titel", schrieb die britische Zeitung "The Sun". "Das Wochenende hat eine Seite von Hamilton offenbart, die man zuvor selten gesehen hatte: verletzlich, die Niederlage hinnehmend und wissend, dass er diesmal am Ende nur Zweitbester sein wird", kommentierte "The Independent".

Seine unnötigen Scharmützel mit den Heimat-Medien am Rande des Rennens in Suzuka kosteten Hamilton Sympathien und offenbar auch Energie. "Lewis braucht einen Feind, manchmal auch mehr als einen", meinte Wolff.

Einsilbig und ratlos hatte sich Hamilton aus Suzuka verabschiedet. "Es gibt ja nicht viel, was ich an den Dingen ändern kann, die in diesem Jahr passiert sind", sagte der dreimalige Weltmeister. Ausgerechnet in Japan, dem Land der guten Manieren, hinterließ Hamilton bisweilen den Eindruck eines bockigen Kindes. "Alles, was ich tun kann, ist weiterzuarbeiten und auf das Beste zu hoffen", sagte Hamilton mit wenig Überzeugung in der Stimme.

Der Kontrast zwischen den beiden Mercedes-Piloten im WM-Jahrgang 2016 war noch nie offensichtlicher als in diesen Tagen. Rosberg lässt sich von keinem Nebengeräusch mehr ablenken und hat in seinem persönlichen Titeltunnel die Schwächen der Vorjahre konsequent abgestellt. "Das ist ein fortschreitender Prozess, mich immer weiter zu verbessern und ein neues Niveau zu erreichen", erklärte Rosberg.

Vier der fünf Rennen nach der Sommerpause gewann der 31-Jährige, holte in dieser Zeit insgesamt 115 der 125 möglichen Punkte. "Nico macht im Moment alles richtig. Und wenn alles normal läuft, wird Lewis den Nico nicht mehr einholen können. Das ist für mich sonnenklar", sagte Mercedes-Teamaufsichtsratschef Niki Lauda.

Bei einem Rückstand von 33 Punkten muss Hamilton von nun an darauf hoffen, dass Rosberg patzt oder ein technisches Problem hat. Ansonsten würden ihm nicht einmal vier Siege noch zum Titel reichen. Doch Rosberg ist in dieser Saison beinah fehlerlos und blieb zudem weitgehend vom Technik-Pech verschont. Beim nächsten Rennen in den USA kann der WM-Spitzenreiter einen neuen Motor einsetzen, sein alter hat nach dem Sieg in Japan seinen Renn-Dienst getan.

Rosbergs Detailarbeit scheint sich endlich auszuzahlen. Der Deutsche fühlt sich in der längsten Saison der Formel-1-Geschichte körperlich fitter denn je, auch mental zeigt er sich gestählter für die stetigen Nervenproben im Grenzbereich. Dass Hamilton anders als Rosberg weiterhin Probleme mit der komplizierten Kupplung des Mercedes hat und deshalb den Start in Japan verpatzte, dürfte den WM-Führenden in seiner Tüftel-Taktik bestätigen.

Und doch kann Rosberg sich auch nach neun Saisonsiegen noch immer nicht sicher fühlen. "Ein Ausfall und der andere holt 25 Punkte, dann ist die WM wieder offen", rechnete Teamchef Wolff auf dem gemeinsamen Heimflug dem schwermütigen Hamilton vor und meinte nur halb im Scherz: "Bernie Ecclestone würde das gefallen."

dpa

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