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Früherer FIFA-Präsident Havelange mit 100 Jahren gestorben

Fußball Früherer FIFA-Präsident Havelange mit 100 Jahren gestorben

Er machte die FIFA zum Weltkonzern, die Fußball-Weltmeisterschaften wurden immer größer - aber Korruptionsvorwürfe überschatten sein Lebenswerk. Drei Monate nach seinem 100. Geburtstag ist João Havelange gestorben. Sein Ziehsohn würdigt ihn mit warmen Worten.

João Havelange ist tot.

Quelle: Arno Burgi

Rio de Janeiro. Der langjährige FIFA-Präsident und IOC-Funktionär João Havelange ist im Alter von 100 Jahren in der Olympiastadt Rio de Janeiro gestorben. Das bestätigte das Krankenhaus Samaritano.

Havelange führte den Fußball-Weltverband von 1974 bis 1998. Unter seiner Regie wuchs die FIFA zum Weltkonzern.

Havelange war von 1963 bis 2011 zudem Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). Zwar darf bei den laufenden Spielen in Rio nach einer IOC-Entscheidung die Fahne Brasiliens auf halbmast gesetzt werden, nicht aber die Fahne mit den Olympischen Ringen.

Der Brasilianer mit belgischen Wurzeln war einer der bedeutendsten Sportfunktionäre der Welt, aber auch einer der umstrittensten, vor allem massive Korruptionsvorwürfe begleiten sein Lebenswerk.

Havelange war im Juli mit einer Lungenentzündung in das Hospital eingeliefert worden, am Dienstagmorgen starb er dort. Am 8. Mai war er 100 Jahre alt geworden. Das Leichtathletikstadion der Olympischen Spiele in Rio de Janeiro trägt seinen Namen, was aber wegen der Korruptionsvorwürfe während seiner FIFA-Präsidentschaft umstritten ist. Seinen Titel als FIFA-Ehrenpräsident gab er 2013 ab.

Die Fußball-Weltmeisterschaft wurde unter seiner Führung von 16 erst auf 24, dann auf 32 Mannschaften ausgeweitet, lukrative Fernseh- und Marketingverträge ließen die Kassen der FIFA klingeln. Aber er war als autoritärer Patriarch umstritten und protegierte diktatorische Regimes. 1978 fand die WM in Argentinien statt, wo eine Militärjunta herrschte.

Vor allem aber sorgten zweifelhafte Geschäfte und Deals für Kritik. Die bankrotte Sportmarketing-Firma ISL soll rund 100 Millionen Dollar in den 1990er Jahren an hochrangige Funktionäre gezahlt haben, unter ihnen Havelange. Als Gegenleistung wurden der ISL lukrative TV- und Vermarktungsrechte vermittelt. Joseph Blatter war unter Havelange FIFA-Generalsekretär und wurde von ihm gefördert. Er wurde sein Nachfolger, bis er 2015 im Sog der Korruptionsaffäre sein Amt niederlegte und mit einer Ethiksperre belegt wurde.

"Der Fußball schuldet ihm einen großen Dank und ich verneige mich vor ihm und bedanke mich bei ihm, dass er diese Initiative ergriffen hat und mit so viel Geist und Esprit vorwärtsgegangen ist", schrieb Blatter in einem der Deutschen Presse-Agentur vorliegenden Nachruf. "Der Fußball, Deine Passion, meine Mission, entwickelt sich ständig weiter. Dank Dir ist er heute so groß und einflussreich wie noch nie", bemerkte der wegen Ethikvergehen gesperrte Blatter.

Der amtierende FIFA-Chef Gianni Infantino reagierte in einem betont nüchternen Statement auf die Nachricht von Havelanges Tod. "In seinen 24 Jahren als FIFA-Präsident wurde der Fußball zu einem wahrlich globalen Sport, erreichte neue Territorien und wurde in alle Ecken der Welt gebracht. Dafür sollte die Fußball-Gemeinschaft dankbar sein." Unter seiner Regie seien auch die Frauen-, U20- und U17-WM eingeführt worden. Brasiliens Interimspräsident Michel Temer lobte Havelange als "einen der bedeutendsten Männer des Weltsports".

Brasiliens Fußballverband, den er von 1956 bis 1974 führte, kündigte sieben Tage Trauer mit Fahnen auf Halbmast an seinen Gebäuden an. Zweimal nahm Havelange selbst an Olympia teil, als Schwimmer 1936 in Berlin und als Wasserballer 1952 in Helsinki. Havelanges Vater stammte aus Belgien, er war Anfang des 20. Jahrhunderts ausgewandert.

dpa

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