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Borussia Dortmund feiert Musterschüler Weigl

Fußball Borussia Dortmund feiert Musterschüler Weigl

Als passsicherer Stratege ist Julian Weigl schon lange bekannt. Doch als Torschütze tritt der Dortmunder Mittelfeldspieler zum ersten Mal in Erscheinung. Das erhöht beim Revierclub die Freude über das wichtige 2:1 in Lissabon.

Julian Weigl feiert seinen Treffer gegen Sporting Lissabon.

Quelle: Miguel A. Lopes

Lissabon. Thomas Tuchel wirkte locker wie selten. Nicht nur der 2:1 (2:0)-Zittersieg seines personell gebeutelten Teams im Schlüsselspiel bei Sporting Lissabon, sondern auch der erste Profi-Treffer seines Musterschülers Julian Weigl versetzte den Dortmunder Fußball-Lehrer in Hochstimmung.

"Seit ich sein Trainer bin, hat Julian ein Tor geschossen: bei einem Trainingsspiel in Saloniki. Das war so besonders, das haben wir auf Video festgehalten", scherzte der normalerweise nicht für humoristische Einlagen bekannte Tuchel am Ende eines sehenswerten Champions-League-Abends.

Ähnlich ironische Kommentare bekam der 21 Jahre alte Weigl von seinen Mitspielern zu hören. "Man hat schon gemerkt, dass es nicht üblich ist, dass ich treffe", kommentierte er die Frotzeleien in der Kabine. Die Fragen der Journalisten zu seinem platzierten Fernschuss zur zwischenzeitlichen 2:0-Führung des BVB in der 43. Minute beantwortete der Nationalspieler mit einem Dauerlächeln: "Ich bin überglücklich, dass es endlich mal geknallt hat. Schon eine Minute später war ich in einer anderen Welt."

Zuletzt im Club-Trikot getroffen hatte Weigl im Mai 2013 in der U 19 von 1860 München. Für die U-20-Junioren des DFB steht auch ein einziger Weigl-Treffer aus der Saison 2014/15 in den Statistiken. Die Freude über sein Tordebüt brachte ihn fast um die Nachtruhe. "Ich konnte schlecht einschlafen. Außerdem hat mein Handy geglüht. Gott und die Welt haben angerufen", verriet der müde Shooting-Star am Morgen vor dem Abflug aus Lissabon.

Der Mittelfeldstratege wird für den BVB mehr und mehr zu einem Schlüsselspieler. In Lissabon glänzte Weigl nicht nur mit den meisten Ballkontakten und der besten Passquote, sondern erstmals auch als Torschütze. So trug er neben dem ebenfalls erfolgreichen Pierre-Emerick Aubameyang (9.) in tragender Rolle dazu bei, dass der BVB weiter auf sicherem Kurs Richtung Achtelfinale steuert. "Solche Siege sind wichtig für die Moral", befand Weigl.

Der Sieg im ersten der beiden Schlüsselspiele gegen Sporting Lissabon verschafft der Borussia eine glänzende Ausgangsposition. Nach drei von sechs Spielen führt sie die Tabelle der Gruppe F mit sieben Punkten vor Real Madrid (7), Lissabon (3) und Legia Warschau (0) an. Schon mit einem Heimsieg in zwei Wochen gegen die Portugiesen wäre der Einzug in das Achtelfinale sicher. Dennoch wähnt sich Tuchel noch nicht am Ziel: "Es ist erst Halbzeit in diesem direkten Vergleich mit Sporting, und wir wissen, wie schwer das Rückspiel noch wird."

Der erfolgreiche Kraftakt von Lissabon trieb die BVB-Aktie am Mittwoch auf den höchsten Stand seit mehr als 14 Jahren und erfüllte alle Dortmunder mit Stolz. Dass sein ohne neun verletzte Profis angetretenes Team nach famoser erster Halbzeit im Anschluss an Bruno Cesars Gegentor (67.) noch gehörig ins Wanken geriet, konnte die gute Laune von Tuchel nicht trüben. "Es war eine unglaubliche Energie zu spüren. Wir haben verbissen für dieses Ergebnis gefightet", sagte der Coach nach dem schwer erkämpften Erfolg sichtlich erleichtert, "das gönne ich meinen Spielern von ganzem Herzen."

Zur Freude von Tuchel schlug sich die mit einem Durchschnittsalter von knapp über 23 Jahren zweitjüngste BVB-Mannschaft, die je ein Champions-League-Spiel bestritt, beachtlich, "Wir waren wahnsinnig jung und unerfahren. Und dann spielen wir mit so einer Selbstverständlichkeit die erste Halbzeit: so dominant, so stark und effektiv", schwärmte er.

Nach zuletzt drei Spielen ohne Sieg vertrieb der BVB eine drohende Herbstdepression und rettete mit viel Einsatz und Glück die Führung. "Jeder hat heute alles rausgeholt aus seinem Körper. Und wenn ich sehe, dass wir mit zwei A-Jugendlichen starten und einen dritten nachher noch einwechseln, bin ich mit dieser Art und Weise sehr zufrieden", lobte Sportdirektor Michael Zorc. Die Youngster Felix Passlack und Christian Pulisic zeigten eine erstaunlich reife Leistung. Der ebenfalls erst 18 Jahre alte Dzenis Burnic wurde eingewechselt.

dpa

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