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Zwölf Minuten Schweigen bei Dynamo Dresden – Trainer Loose sieht Fan-Aktion kritisch

Zwölf Minuten Schweigen bei Dynamo Dresden – Trainer Loose sieht Fan-Aktion kritisch

Man fühlte sich schon an diverse „Geisterspiele“ erinnert, als Dynamos Partie gegen den VfR Aalen begann. Statt lautstarker Gesänge von den Rängen war nur ein Murmeln zu hören, lediglich bei einem Foul wurde es für Sekunden laut, ansonsten herrschte gespenstische Stille im weiten Rund.

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Keine Banner - dafür Protest

Quelle: Stephan Lohse

Auch sämtliche Zaunsfahnen im Stadion waren eingerollt oder überhängt.

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Dynamo Dresden sichert gegen den VfR Aalen in Unterzahl ein Remis.

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Vor dem sonst so sangesfreudigen K-Block und auch im Gästebereich, wo rund 50 Aalener Fans standen, waren stattdessen Spruchbänder mit eindeutiger Botschaft zu lesen: „Ohne Stimme keine Stimmung – DFL-Paper ablehnen!“ Mit Losungen wie dieser und einem Schweigen bis Minute 12.12 protestierten die Fans beider Lager gegen das von der Deutschen Fußball-Liga (DFL) aufgesetzte Diskussionspapier zum Thema Stadionsicherheit, das am 12. Dezember auf einer Vollversammlung des Ligaverbandes verabschiedet werden soll.

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Auch die Fans aus Aalen beteiligten sich an dem Stimmungsboykott.

Quelle: Stephan Lohse

Unter dem Motto „12:12“ wurde deshalb bereits am Wochenende in der dritten Liga via Stimmungsboykott protestiert, am Dienstag beteiligten sich die Fans bei allen Partien der ersten und zweiten Liga, von Dortmund bis Dresden. Auch bei den Mittwochsspielen soll es anfangs leise bleiben.

Derzeit enthält der von den Fans kritisierte Katalog mit dem Arbeitsnamen „Sicheres Stadionerlebnis“ noch viele Maßnahmen, die viele Zuschauer strikt ablehnen. Ein Teil von ihnen hält nicht nur das generelle Verbot von Pyrotechnik in den Arenen für Schikane, ein Großteil wendet sich auch gegen Paragraphen, die Ganzkörperkontrollen erlauben. Viele Stadiongänger fürchten zudem, dass Tickets für Auswärtsfans noch stärker limitiert und Stehplätze abgeschafft werden könnten. Beides ist in der aktuellen Version des Papiers enthalten.

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Bis zur 13. Minute blieben alle Zaunfanhnen bei Dynamo eingerollt.

Quelle: Stephan Lohse

Für die Dynamo-Profis war es derweil schwierig, eine richtige Anfangsoffensive zu entfachen. Das stimmliche Feuerwerk von den Rängen fehlte der Mannschaft, die sich trotzdem in den ersten Minuten zwei, drei gefährliche Szenen erarbeitete. „Es war komisch, obwohl wir wussten, dass es so sein wird“, gestand Verteidiger Florian Jungwirth nach Abpfiff. „Na klar wollten wir am Anfang Druck machen, wo wir die Fans dazu brauchen. Es war nicht so leicht.“

Trainer Ralf Loose sah die Aktion der Fans kritisch. Der Dortmunder hätte sich von Beginn an die Unterstützung der sonst so leidenschaftlichen Anhänger gewünscht. „Wir haben heute, wo wir gerade eine gute Phase in der Meisterschaft haben, natürlich zu Hause nachlegen wollen – und dann war zwölf Minuten Ruhe“, stellte der Coach ernüchtert fest. Er fand nicht nur Brégeries Aussetzer „alles andere als erfreulich“, sondern nannte die Atmosphäre im Stadion zu Spielbeginn „grausam, schlimmer als ein ,Geisterspiel‘“.

Dass es diese Aktion bis zum 12. Dezember noch zweimal geben soll, schmeckt ihm nicht und er überlegt sich: „Vielleicht bleibe ich die ersten zwölf Minuten in der Kabine.“ Fußball ohne Emotionen auf den Rängen mache ihm keinen Spaß. Aber da ist er nicht allein – als die zwölf Minuten und zwölf Sekunden um waren, wurde es laut auf den Traversen, wirkten auch die Fans wie befreit.

JOL / sl

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