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Wo schwitzt Dynamo Dresden ab Sommer 2013

Wo schwitzt Dynamo Dresden ab Sommer 2013

Stadion, Mannschaft und Fans sind zweitligareif, Dynamos Trainingsbedingungen sind es nicht. Im Moment fällt es zwar weniger ins Auge, doch in der bald hereinbrechenden Schlechtwetterperiode muss sich Trainer Ralf Loose wieder darauf einstellen, dass die Rasenplätze im Großen Garten nur eingeschränkt nutzbar sind.

Dresden .

Von Jochen Leimert

Dresden (DNN). Stadion, Mannschaft und Fans sind zweitligareif, Dynamos Trainingsbedingungen sind es nicht. Im Moment fällt es zwar weniger ins Auge, doch in der bald hereinbrechenden Schlechtwetterperiode muss sich Trainer Ralf Loose wieder darauf einstellen, dass die Rasenplätze im Großen Garten nur eingeschränkt nutzbar sind. Zudem beschäftigt den Verein immer drängender die Frage: Wo trainiert die Mannschaft ab Sommer 2013? Dann nämlich läuft der Mietvertrag für das Gelände aus. Ob und für wie lange der Kontrakt mit dem Eigentümer, dem Staatsbetrieb Staatliche Schlösser, Burgen und Gärten, noch einmal verlängert wird, steht in den Sternen.

Während der Fußball-Zweitligist seine Profis gern noch für einige Jahre an der Lennéstraße trainieren lassen und dafür auch Investitionen vornehmen würde, steht der Staatsbetrieb dem eher zurückhaltend gegenüber. "Im Moment geht das Schlösserland Sachsen vom existierenden Mietvertrag aus, der bis Mitte nächsten Jahres gilt. Verhandlungen und Gespräche finden im Moment nicht statt. Wir hatten wohl den neuen Geschäftsführer (Christian Müller/d. Red.) bereits zu Gast. Er hat sich uns vorgestellt, es sind aber noch keine weitergehenden Angebote gemacht oder Forderungen erhoben worden. Da sind wir nicht ins Gespräch gekommen. Alles, was über den aktuellen Mietvertrag hinaus noch von Interesse ist, das muss sich noch zeigen", erklärte Pressesprecher Uli Kretzschmar vom Staatsbetrieb auf DNN-Anfrage.

Gesprächsbedarf sieht Dynamo indes sehr wohl und trug sein schon länger bekanntes Anliegen zuletzt am 28. August am Rande eines Treffens bei Innenminister Markus Ulbig (CDU) vor. Präsident Andreas Ritter, damals wie Geschäftsführer Christian Müller dabei, bekräftigte nun noch einmal die Position des Vereins: "Wir würden das Trainingsgelände gern weiter nutzen. Wichtig ist es für uns erstens deswegen, weil wir unsere gesamte Infrastruktur für die 1. Mannschaft im Stadion haben: Kabine, Material, Physiotherapie etc. Der zweite Punkt ist: Wir haben momentan keine andere Alternative. Es gibt nichts Konkretes. Und: Wir müssen die Bedingungen verbessern, denn wir haben dort kein zweitligataugliches Trainingsgelände. Ich würde sogar sagen, dass es nicht einmal drittligatauglich ist."

Ritter kennt als Vereinschef die Sorgen von Trainer Loose bestens, ist über die schwankenden Platzbedingungen im Bilde: "Im Sommer ist der Boden knochenhart, wenn es tagelang nicht geregnet hat. Und wenn es mal richtig geregnet hat, dann stehen die Spieler in einer riesigen Pfütze. In strengen Wintern - das haben wir letzte Saison erlebt - ist der Boden nach Schneefall manchmal tage- oder wochenlang vereist. Dann können wir nicht trainieren und müssen krampfhaft nach irgendwelchen Lösungen suchen, wohin wir ausweichen können." Finden sich freie Termine auf Ausweichanlagen, im letzten Winter war es oft der neue Turbine-Kunstrasen an der Pfotenhauerstraße, müsse man immer die gesamte Ausrüstung mitschleppen.

Gern würde Dynamo in eine Drainage und eine Bewässerungsanlage für die Plätze im Großen Garten investieren: Rund 100 000 Euro hat der Klub dafür zurückgestellt und nur zu gern hätte er schon nach Saisonende mit dem Bau begonnen. Doch daraus wurde nichts, denn ohne Verlängerung des Mietvertrages zumindest für einige Jahre lohnt der Aufwand nicht. Nach Ansicht von Ritter möchte der Staatsbetrieb das Mietverhältnis lieber auslaufen lassen, anstatt es auch nur für fünf bis zehn Jahre zu verlängern, bis Dynamo eine neue Heimat gefunden hat: "Von der Idee ist man dort nicht begeistert, weil man vielleicht fürchtet, dass aus einer mittelfristigen Lösung eine langfristige würde, wenn man eine Drainage einbringt." Ritter vermutet, dass der Staatsbetrieb das Gelände wieder barrierefrei in den umliegenden Gartenbereich eingliedern will. Bestätigen mochte das der Staatsbetrieb aber nicht. Zu Plänen für die künftige Nutzung der Fläche halte man sich "bedeckt", so Sprecher Kretzschmar. Was nach Ablauf des Vertrages kommt, werde man sehen.

Läuft der Vertrag tatsächlich aus, ist das Dilemma für Dynamo perfekt. Der Verein hofft deshalb, dass die Verhandlungen mit der Schlösserverwaltung, die seit 1992 Eigentümerin und seit 1994 Vermieterin des Geländes ist, noch einmal in Gang kommen und man sich doch einigen kann. Ritter weiß, dass Trainer Loose langsam ungeduldig wird und eine erneute Odyssee durch die Stadt den sportlichen Erfolg bedroht: "Der Trainer sagt: So geht es nicht weiter. Nun stehen wir in dem Kreis und drehen uns fleißig." Der Freitaler DRK-Chef hat durchaus Verständnis für die Position der Landschaftsarchitekten und Kunsthistoriker im Staatsbetrieb: "Ich weiß, dass das Gelände früher Teil des Gartens war, aber das Stadion steht nun mal da, wo es steht", so Ritter.

Zudem trainiert Dynamo seit den Tagen von Walter Fritzsch beidseits der Lennéstraße, für Generationen von "Kiebitzen" ist die umzäunte Fläche zwischen Torwirtschaft und Zoo Treffpunkt. Fakt ist auch: Einen Milliardär wie Dietrich Mateschitz, der in Leipzig für seinen Klub RB mal eben für 30 Millionen Euro ein supermodernes Trainingsgelände hochzieht, hat Dynamo nicht zu bieten. Hier wäre man schon mit einer vergleichsweise spartanisch anmutenden Übergangslösung glücklich.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 11.09.2012

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