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Wir sind keine Puschelweiber! - Beim Training mit den Cheerleadern von United Cheer X-Plosion aus Dresden

Wir sind keine Puschelweiber! - Beim Training mit den Cheerleadern von United Cheer X-Plosion aus Dresden

Kurze Röcke, bunte Puschel, sexy Rumgehopse. Eine Assoziation, die sicherlich die meisten beim Gedanken an Cheerleading überkommt. Nicht so bei den Mädels vom Verein United Cheer X-Plosion in Dresden.

"Wir sind keine Puschelweiber. Wir machen Wettkampf-Cheerleading", gibt Romy Deutschmann gleich zu Beginn des Trainings zu verstehen. Die 29-Jährige ist Trainerin der ganz Kleinen und der ganz Großen des Vereins.

Im Reich der Pyramiden

Das Training findet in einer normalen Turnhalle statt. Feste Turnschuhe, bequeme Sachen. Alle Mädels um mich herum haben ihr Bein am Kopf - beeindruckend! Es geht los mit Sprüngen. Rein koordinativ sind die nicht für mich zu schaffen. Aus dem Stand heraus soll ich im Sprung beide Beine gleichzeitig nach vorne parallel zum Boden bringen. Völlig unmöglich! Es folgen Dehnungsübungen mit einem Gummiband, mädchenfreundliche Liegestütze und Bauchmuskelanstrengungen. Danach kommt die Königsdisziplin: das Pyramidenbauen. Meine Position ist die Front. Das heißt, ich bin dafür zuständig, dass der Flyer - also das Menschlein, das auf der Spitze der Pyramide steht - auch wirklich fliegt, allerdings möglichst nicht runter. Die Aufgabe besteht nun darin, mit meiner Armkraft zwei Mädchen mit noch mehr Armkraft zu unterstützen und anschließend die Beine des Flyers aufzufangen.

Eine Pyramide besteht aus mehreren Stuntteams. Die zwei Base-Mädels tragen die Hauptlast und stemmen den Flyer in die Höhe. Der Gegensatz zur Front ist der Backspot, der für das Zählen und Abfangen zuständig ist. Für den Flyer geht es hoch hinaus. Erschwerend hinzu kommen meist noch hübsche Standposen. Einmal schaffen wir es sogar bis kurz unter die Hallendecke. Ein bisschen mulmig ist mir schon zumute. Denn aufgepasst! Die Beine der Fliegerin landen dicht an meinem Kopf. Deswegen ist es auch so wichtig, dass jemand zählt. Das Mädchen auf der hinteren Seite unseres kleinen Türmchens gibt die Anweisung. "Ready. One, two." Und dann geht es auch schon los.

Nichts für schwache Nerven

Alle Stunts traue ich mir nicht mitzumachen. Zu groß ist die Angst, das zierliche Mädchen, das von oben geflogen kommt, fallen zu lassen. Die grundlegenden Elemente lasse ich mir aber erklären und wirke mit. So mache ich Bekanntschaft mit dem "Elevator", der "Extension" und dem "Liberty" sowie mit den verschiedenen Abgängen. Beim "Elevator" springt der Flyer oder auch die Top in die offenen Hände der Base. Danach geht es wie mit dem Fahrstuhl eine Etage höher. Die Erweiterung des Elevators ist die Extension: Noch eine Etage höher mit nun gestreckten Armen der Base. Die Spitze des Teams macht dabei einen "Liberty". Das heißt, sie steht auf nur einem Bein in den Händen der Base und winkelt das andere an. Die Arme sind in die Höhe gestreckt und die Hände zu Fäusten geballt. Spannung ist das A und O. Manchmal geht das auch schief. Einmal ist die Fliegerin noch nicht bereit und schafft es mit dem "Elevator" nicht in den ersten Stock. Aber Matten und Backspot erfüllen ihre Pflichten. Und was müssen wir beachten, wenn wir zum Wettkampf antreten? "Die Füße dürfen den Boden nicht berühren. Die Ausführung und die Übergänge sind sehr wichtig. Synchronität, Choreografie und Ausstrahlung fließen ebenso in die Bewertung mit ein", erzählt Thomas Pretschner, der heute Tumbling Coach des Senior Coed Cheer-Teams des Vereins ist. Und unter Senior zählen nicht etwa unsere Omis. Mädchen und Jungs ab 15 Jahren trainieren in dieser Riege zweimal wöchentlich.

70 Mitglieder hat der UCX zurzeit. Auch fünf Jungs sind mit dabei. Drei verschiedene Teams gibt es im Verein. Die jüngsten sind die Peewee Cheers, bei denen Sechs- bis Zwölfjährige trainieren. Gefolgt vom Junior Allgirl Team mit den Elf- bis 18-Jährigen bis hin zum Senior-Team. Das Training schlaucht für Ungeübte wie mich. Tanzen und Bodenturnen bleiben mir heute erspart. "Mittwoch ist bei uns meist Bodenturntag und freitags machen wir Stunts", erklärt Romy. Sprünge, Kraft und Dehnungen sind dagegen fester Bestandteil jedes Trainings. Vier verschiedene Sportarten vereint das Wettkampf-Cheerleading. Turnen, Artistik, Tanzen und Kampfsport, in dem manche Sprünge ihren Ursprung haben. Dabei Prioritäten zu setzen sei sehr schwierig, deswegen käme es auf Abwechslung an. "Auch wenn wir kaum tanzen", fügt Romy noch hinzu.

Cheerleading ist Teamsport

Und welche Eigenschaften muss ich als Cheerleader mitbringen? "Die Hauptsache ist, dass man mit dem Herzen dabei ist und große Lust mitbringt, mit anderen ein Team zu bilden", erzählt Thomas. Denn besonders bei Wettkämpfen müsse man auf jeden zählen können.

Pompons sehe ich in der Halle nirgends. Kein Wunder. "Puschel nehmen wir nur wenn es gewünscht ist", berichtet Romy. Bei Meisterschaften kämen diese dagegen kaum zum Einsatz. Die Jungs und Mädels des UCX lassen sich auch für besondere Veranstaltungen buchen. Zu ihren größten Auftritten zählen sie das Sommerskispringen in der Vogtlandarena. Und neben dem immer größer werdenen Publikum wächst auch die Popularität dieses Leistungssportes.

"Inzwischen gibt es genügend Leute, die zu wissen, dass Cheerleading nicht zwingend etwas mit diesen Puscheln zu tun hat", sagt Romy. Dresden zählt inzwischen vier große Wettkampf-Vereine, die sich dem Cheerleading verschrieben haben. Ein paar Glitzer-Puschel habe ich mir als Andenken trotzdem zugelegt.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 08.06.2012

Laura Thiele

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