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Wie Dynamo Dresden Tabellenführer Hertha BSC stoppen will

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Geht es gegen Berlin, sind Dresdner traditionell besonders motiviert. Spätestens seit dem Siebenjährigen Krieg, der vor 250 Jahren endete, ist das Verhältnis von Sachsen und Preußen kein spannungsfreies.

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Dynamos Florian Jungwirth (l.) und seine Mitspieler werden Herthas Top-Torjäger und Top-Vorbereiter Ronny keine Sekunde aus den Augen lassen.

Quelle: imago/Citypress

Krieg führt man seit 1866 zum Glück nicht mehr gegeneinander, aber die alte Rivalität ist geblieben. Im Fußball wird sie noch gern ausgelebt, wenngleich Mielkes einstiger Hätschelklub BFC kein Gegner mehr für die Dresdner Dynamos ist. Dass das Duell Dresden gegen Berlin noch immer Massen anzieht, beweist die heutige Partie zwischen Dynamo und Hertha BSC (Anstoß 13 Uhr) - erstmals seit dem 4. November, nicht zufällig dem Heimspiel gegen Union Berlin, wird das Glücksgas-Stadion ausverkauft sein.

Nicht nur für die Dresdner Fans, auch für die Spieler ist es "das Spiel des Jahres", gesteht Dynamos Rechtsverteidiger Florian Jungwirth, "wir warten alle schon auf den Anpfiff". Dass ein gebürtiger Bayer das sagt, verwundert nicht, denn die südlich des Weißwurscht-Äquators siedelnden Bajuwaren kämpften oft in einer Allianz mit den Sachsen, wenn es gegen preußische Truppen ins Feld ging. Oft waren auch die Habsburger mit von der Partie, Berlin und Wien sich selten grün. Dass hinterher meistens an der Spree und nicht an Donau und Elbe triumphiert wurde, ist bekannt. Zu übermächtig, zu zackig und oft auch zu trickreich war der Gegner aus dem Norden. Auch heute wird es für die von einem Österreicher befehligten Sachsen, die noch mit böhmischen, slawischen und französischen Fußsoldaten antreten, schwer, den Berlinern den Marsch zu blasen. General Peter Pacult, rechtzeitig nach einer Erkältung aus dem Lazarett entlassen, ahnt: "Wir brauchen eine besondere Leistung, um gegen Hertha zu bestehen."

Pacult kennt die Stärken der exzellent ausgebildeten und gut besoldeten Berliner: "Sie sind ganz klar die Mannschaft, die die 2. Bundesliga beherrscht." Die Herthaner sind sehr treffsicher, erzielten mit 45 Toren die meisten der Liga. "Dass Hertha eine übermächtige Offensive hat, ist kein Geheimnis", ist auch Jungwirth im Bilde. Speziell den Berliner Oberkanonier, einen aus Brasilien angeworbenen Legionär, und seinen Dampfhammer müsse man ausschalten: "Das ist natürlich eine Waffe von Hertha: Ronnys linker Fuß." Jungwirth weiß, dass der Torjäger damit in dieser Saison oft zugeschlagen hat: Zwölf Tore und acht Vorlagen zeugen von seiner Gefährlichkeit. Beim ersten Gefecht mit Dynamo, das im September 0:1 verloren ging, war es Ronny, der den Freistoß trat, den Romain Brégerie ins eigene Tor köpfte. Standardsituationen gilt es daher zu vermeiden, um dem Scharfschützen keine Gelegenheit zu geben, in aller Ruhe sein Ziel anzuvisieren. "Die eine oder andere Ecke wird es natürlich geben, aber da müssen wir höllisch aufpassen", warnt Jungwirth.

Sein Vorgesetzter sieht das nicht anders, Pacult will dem Kontrahenten möglichst wenig Terrain überlassen. "Angriff ist die beste Verteidigung", lautet sein Schlachtplan. "Wir werden auch unsere Möglichkeiten bekommen, wenn wir gezielt nach vorn spielen - ohne Schnörkel und Tamtam", glaubt der frühere Nationalstürmer Österreichs. Selbst nur auf eigene Standards zu hoffen, reiche nicht: "Mein Ziel ist es, dass wir aus dem Spiel heraus, Hertha Paroli bieten und fordern können." Seine Männer sollen "mit Freude, mit Spaß" auflaufen, sich was zutrauen - anders könne man kaum eine Bresche in die feindlichen Linien schlagen.

Wie schwer das bei ihnen ist, haben die Berliner oft bewiesen. Der Tabellenführer hat die wenigsten Gegentore (18) der Liga kassiert, auswärts hat der vom stillen Niederländer Jos Luhukay körperlich und taktisch bestens gedrillte Aufstiegsfavorit Nummer eins schon acht Mal gewonnen - so oft wie keine andere Mannschaft. Umso wichtiger wäre es, wenn Dresdens bester Musketier Mickaël Poté (seit 1048 Minuten torlos) mal wieder treffen würde. "Das sind die Spiele, wo du zum Helden werden kannst", macht ihm sein Kamerad Sebastian Schuppan Mut. Der Brandenburger in sächsischen Diensten glaubt: "Hertha hat schon ewig nicht mehr verloren (zuletzt am 2. Spieltag 1:3 in Frankfurt/d. Red.), aber es wird der Tag kommen, an dem sie fallen." Wie er zählt auch Pacult heute auf Rückenwind von den Rängen: "Das wird von der ganzen Atmosphäre her ein Bundesliga-Spiel." Ein Sieg würde nicht nur so ausgelassen gefeiert werden wie einst die Triumphe über den BFC, sondern er könnte vor allem den entscheidenden Schub im Kampf um die Klasse bringen.

Es pfeift Michael Weiner (43/Giesen).

2500 Hertha-Fans werden erwartet.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 02.03.2013

Jochen Leimert

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