Volltextsuche über das Angebot:

14 ° / 0 ° heiter
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland RND

Navigation:
Google+
Wettstreit zweier Philosophien - Dynamo Dresden reist nach Braunschweig

Wettstreit zweier Philosophien - Dynamo Dresden reist nach Braunschweig

(DNN). Im Stadion an der Hamburger Straße im Norden von Braunschweig geht es am Sonnabend (13 Uhr) hoch her: Mit Eintracht Braunschweig und Dynamo Dresden treffen in der 2. Fußball-Bundesliga zwei frühere Meister mit vielen Fans aufeinander, die im Frühjahr jeweils aus der 3. Liga aufstiegen.

Von Jochen Leimert

Dresden

An Gemeinsamkeiten mangelt es auf den ersten Blick nicht, doch auf den zweiten ist klar, dass bei diesem Duell zwei verschiedene Konzepte aufeinander prallen: Eine über Jahre gewachsene und gut eingespielte Mannschaft empfängt ein neuformiertes Team, das erst seit siebeneinhalb Wochen komplett ist.

Bis auf Flügelsprinter Karim Bellarabi (zu Bayer Leverkusen) konnten oder wollten Eintracht-Manager Marc Arnold und Trainer Torsten Lieberknecht alle Leistungsträger halten. Nur fünf Abgängen stehen sieben Neuzugänge gegenüber, von denen mit Innenverteidiger Marcel Correia (22/zuletzt 1. FC Kaiserslautern II) und Nico Zimmermann (26/kam vom 1. FC Saarbrücken) zwei den Sprung in die Zweitliga-Stammelf schafften.

Beim letzten Punktspiel der Blau-Gelben am vergangenen Sonnabend standen beim 0:1 (0:1) in Paderborn noch sieben Spieler in der Startelf, die beim letzten Vergleich mit Dynamo Dresden im Januar dieses Jahres eine Liga tiefer von Beginn an gespielt hatten: Dominick Kumbela, Mirko Boland, Dennis Kruppke, Damir Vrancic, Norman Theuerkauf, Benjamin Kessel und Matthias Henn. Mathias Fetsch wurde in Paderborn wie in Dresden eingewechselt, mit Marian Petkovic und Benjamin Fuchs saßen jetzt in Ostwestfalen noch zwei aus der Januar-Startelf von Dresden auf der Bank.

Kontinuität ist Trumpf bei Trainer Lieberknecht, dessen aktuelle Mannschaft auch längst nicht überaltert ist, sondern mit einem Durchschnittsalter von 25,2 Jahren sogar noch einen Tick jünger als der kommende Gegner Dynamo (25,8). Zeit, die Mannschaft großzügiger umzubauen, hätte der 38-Jährige gehabt, denn schon sechs Runden vor dem Saisonende stand der vierte Aufstieg in die 2. Bundesliga nach 1988, 2002 und 2005 fest. Doch die beeindruckende Serie (85 Punkte/am Ende sieben Vorsprung auf den Zweiten Rostock) dürfte seinen Glauben an die stolzen "Löwen" noch gestärkt haben, die seit Jahren auf dieses Ziel vorbereitet worden und als Aufstiegsfavorit gestartet waren. Sicher dürften sich etliche Verträge mit dem Sprung in die 2. Liga automatisch verlängert haben, doch auch so war der Wunsch, auf Bewährtes zu setzen, da. "Ich träume davon, hier etwas richtig Großes zu erreichen", sagte Lieberknecht vor der Saison und visierte voller Zuversicht den Klassenerhalt an.

Dass der ehemalige Lauterer Bundesliga-Profi (1994 Vizemeister am "Betze") derzeit im Plan liegt, davon legt die Tabelle Zeugnis ab: Platz sechs nach elf Spieltagen, 19 Punkte und 15:10 Tore sind aller Ehren wert. Erst zweimal hat die nur geringfügig veränderte Mannschaft verloren, aber fünfmal gewonnen, darunter gegen solch ambitionierte Teams wie St. Pauli (1:0) und Cottbus (3:1). Nur drei Zähler liegt die Überraschungself hinter dem Relegationsplatz, der Fahrstuhl in die Eliteliga sein kann.

Teils aus der Not heraus, teils ganz bewusst folgte Mitaufsteiger Dynamo einer anderen Philosophie: der des Wandels. Sportchef Steffen Menze und Trainer Ralf Loose, beide erst im März bzw. April nach Dresden gekommen, mussten nach dem überraschenden Last-Minute-Aufstieg am 24. Mai (3:1 n.V. in Osnabrück) mehr Stammspieler ziehen lassen, als ihnen lieb war. Die Abgänge von Jonas Strifler (Aachen) und Alexander Esswein (Nürnberg) standen längst fest, bei Dani Schahin (Leihgabe aus Fürth) deutete sich bereits an, dass er nach Franken zurück musste. Timo Röttger hatte sich wohl auch schon mit RB Leipzig auf einen Wechsel verständigt wie Thomas Hübener Kontakte zu Arminia Bielefeld geknüpft hatte. Bei der Mehrheit der 14 Abgänge aber war man sich sicher, dass die Klasse für die höhere Liga nicht ausreicht. Mit Sascha Pfeffer hätte das Duo Loose/Menze sogar gern noch einen Mann mehr abgegeben, wenn sich dessen Vertrag aufgrund einer Klausel nicht verlängert hätte. "Wir sind nun in der 2. Liga angekommen. Und hier sind die Ansprüche und die individuelle Qualität eben eine ganz andere, als dies noch in der vergangenen Saison der Fall war", ist Loose bis heute überzeugt.

Von seinen 16 Neuzugängen spielten zuletzt sieben in der Dynamo-Startelf, die am vergangenen Sonntag ein 1:1 (0:1) gegen Aachen erkämpfte, auch die drei Einwechsler gehören erst seit Sommer zum Team. Wie groß der Umbruch im Vergleich zum letzten Aufeinandertreffen der Schwarz-Gelben mit den Braunschweigern war, wird noch deutlicher mit Blick auf das 1:1 beider Klubs im Januar: Von der damals noch von Matthias Maucksch ausgewählten Startelf sind aktuell nur noch Florian Jungwirth und Robert Koch übrig. Sebastian Schuppan hat immerhin Chancen, wieder Stammspieler zu werden, der im Januar noch verletzte Cristian Fiel ist es längst.

Wenngleich der Braunschweiger Weg bislang weiter nach oben führte, kann sich Dynamos schnell und preiswert zusammengekaufte Multikulti-Truppe mit Platz 11 (11 Punkte/17:21 Tore) durchaus sehen lassen. Und Loose ergänzte jüngst im "Kreisel": "Wir waren in nahezu allen Spielen zumindest bis hinein in die Endphase der jeweiligen Partie auf Augenhöhe mit unseren Gegnern." Ob das auch in Braunschweig so sein wird, bleibt abzuwarten. Die Formkurve der Eintracht zeigt nach zwei Punkten aus den letzten drei Spielen nach unten, die der Dresdner nach vier Zählern im gleichen Zeitraum eher nach oben. Und mit jedem Spieltag sollte eine völlig neuformierte Truppe eigentlich zulegen. Im Hinspiel der vergangenen Saison verlor Dynamo in Braunschweig noch mit 1:2 (1:1). Auch damals hatten die Ober- einen größeren Schnitt hinter sich als die Niedersachsen, denen so das frühe Aufeinandertreffen gleich am 1. Spieltag entgegen kam. Die Konstellation ist diesmal aber etwas anders.

Beide Klubs trafen sich zuletzt am 22. Januar 2011 vor 18 700 Zuschauern im Glücksgas-Stadion und trennten sich am 21. Spieltag der 3. Liga nach Toren von Dani Schahin (74./Foulelfmeter) und Mathias Fetsch (83.) 1:1 (0:0).

Dynamo: Keller - Strifler, Jungwirth, Herzig, Bührer - Jungnickel, Kegel - Koch, Schuppan (86. T. Franke) - Esswein, Schahin.

Braunschweig: Petkovic - Fuchs, Henn, Dogan, Kessel - Theuerkauf - Boland (70. Calamita), Kruppke, Vrancic (81. Fetsch), Bellarabi - Kumbela (86. Unger)

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 20.10.2011

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Regionalsport
  • Semperopernball
    Semperopernball

    Alle Infos, alle Highlights, die schönsten Bilder - der Semperopernball in Dresden. mehr

  • 13. Februar

    Ob Gedenken, Täterspuren oder Menschenkette: Alle Infos finden sie in unserem Special zum 13. Februar in Dresden mehr