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Weiche Landung für harte Jungs

Weiche Landung für harte Jungs

Eishockey ist kein Halma. Mit Helm und Kelle ausgestattet jagen sie dem Puck hinterher - harte Jungs (und auch Mädchen), die einiges einstecken können und trotz der reichlichen Polsterung auch müssen.

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Schmerzhafte Bekanntschaft mit der Bande macht jeder Eishockeyspieler irgendwann; hier Kölns Bryan Adams.

Quelle: Imago/Eduard Bopp

Dresden . Von Thomas scholze

Trotzdem wollen natürlich alle möglichst gesund das Eis wieder verlassen. Einen Beitrag dazu leisten Ingenieure des Instituts für Leichtbau und Kunststofftechnik (ILK) der TU Dresden, die in Zusammenarbeit mit der Leichtbau-Zentrum Sachsen GmbH (TUDAG) und der italienischen Firma "engo ice arena equipment" eine flexible Eishockeybande entwickelt haben. "Einschläge" von Spielern in die Umrandung der Eisfläche sollen so künftig weniger schmerzhaft und mit geringerem Verletzungsrisiko geschehen. Die Cracks kommen mit Geschwindigkeiten um die 20 km/h "angeflogen", haben eventuell nach einem Check eines Gegenspielers die Kontrolle über ihren Körper verloren.

Der Entwicklungsauftrag kam aus Italien, genauer gesagt aus Terenten in Südtirol. Weil Eishockeyspiele in den letzten Jahren immer härter geführt werden, bringt "engo" noch in diesem Jahr eine nachgiebige Bande auf den Markt. "Das Produkt befindet sich momentan in der Testphase", erzählt Sebastian Spitzer, der das Projekt in Dresden betreut, "die Bande muss dabei einiges einstecken." Mehrere tausend Mal donnert ein Sandsack gegen die Konstruktion. 200 Kilogramm Gewicht aus einer Pendelfallhöhe von 1,25 Metern sind der Normwert. "Die Bande ist zwar keine Leitplanke, aber dem Aufprall eines Kleinwagens würde sie damit standhalten", verrät der Dresdner Ingenieur.

Was ist das Neue? Entgegen der gängigen Stahl-Bauweise besteht das Haupttragelement jetzt aus glasfaserverstärktem Kunststoff. Durch eine geschickte Konstruktion und den Einsatz des elastischen Kunststoffes entstand eine nachgiebige Bande. "Unsere italienischen Auftraggeber ließen sich durch die Flexibilität von Bambusrohren inspirieren. Da Bambus selbst den medialen und technischen Anforderungen jedoch nicht standhalten würde, musste eine praxisgerechte Lösung gefunden werden. Wir haben unsere Konstruktion aus Kunststoff so designt, dass sie bei Beanspruchung gezielt nachgibt", erklärt Spitzer "Zusätzlich haben wir die Gestalt so optimiert, dass möglichst wenig Material eingesetzt werden muss, um das Montagegewicht und den Ressourcenverbrauch so gering wie möglich zu halten. Hergestellt wird die Bande großseriengerecht im Spritzgussverfahren. Das bedeutet neben den der Gesundheit förderlichen Eigenschaften auch eine deutliche Kostenersparnis gegenüber der konventionellen Bauweise.

Geht alles nach Plan, wird Mitte November als erstes Eishockeystadion das in Bietigheim-Bissingen mit der neuen Bande ausgerüstet. Das Premierenspiel ist für den 14. Dezember angesetzt. Dann erlebt die Entwicklung aus Dresden ihre Feuertaufe. Die harten Jungs landen weich.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 04.10.2012

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