Volltextsuche über das Angebot:

8 ° / 2 ° Regen

Navigation:
Google+
Uwe Rösler: "Es ist eine Ehre, gegen ManCity zu spielen"

Uwe Rösler: "Es ist eine Ehre, gegen ManCity zu spielen"

Als Uwe Rösler 1994 Dynamo Dresden zum zweiten Mal verließ, hatte er für die Schwarz-Gelben 13 DDR-Oberliga- und 40 Bundesliga-Spiele absolviert.

London/Dresden .

Seine beste Zeit sollte noch kommen - sie erlebte der gebürtige Altenburger in den folgenden vier Jahren bei Manchester City. Mit 65 Toren in 177 Pflichtspielen avancierte der erste Deutsche bei den Citizens seit dem legendären Bert Trautmann zum Publikumsliebling und schaffte es 2009 in die Hall of Fame des aktuellen Premier-League-Siegers. Seit 2011 trainiert der 43-Jährige den FC Brentford, einen Drittligisten aus London. Bevor Manchester City und Dynamo am 17. Juli in Österreich gegeneinander testen, telefonierten die DNN mit dem fünffachen DDR-Auswahlspieler.

Frage: Zwei Ihrer Ex-Klubs spielen am 17. Juli in Innsbruck gegeneinander. Hatten Sie da als Vermittler Ihre Finger im Spiel?

Uwe Rösler: Nein, dem ist nicht so. Aber es ist schön, dass es zu diesem Duell kommt.

Haben Sie noch Kontakt zum neuen englischen Meister, wohnen Sie noch in Manchester?

Ja klar, ich wohne in Manchester, meine Familie wohnt dort. Mein Sohn Colin ist zwölf Jahre alt und spielt bei City in der Academy, wo meine Frau arbeitet. Wenn ich Zeit habe, bin ich auch bei Heim- oder Auswärtsspielen dabei. Ich habe noch einen sehr guten Draht zum Verein.

Waren Sie auch beim Herzschlagfinale gegen die Queens Park Rangers dabei, als Agüero in der Nachspielzeit mit dem 3:2 die erste Meisterschaft seit 44 Jahren klar machte?

Natürlich, ich war schon letztes Jahr dabei, wo wir in Wembley den FA-Cup gewonnen haben. Das war riesig, sehr emotional, denn das war der erste Titel seit 34, 35 Jahren. Was dieses Jahr passiert ist, hat das alles noch getoppt. Jetzt die Premier League zu gewinnen, war verdient, denn Manchester City war das ganze Jahr unter den ersten Zwei. Wie die Mannschaft nach der ersten vergebenen Chance den zweiten Matchball genutzt hat, war fantastisch. Viele Leute hatten das Stadion schon verlassen, die Mannschaft ist aber zurückgekommen. Mit den Angestellten, die vor Jahren schon da waren, zu feiern, war gigantisch. Der Weg, der mit dem Gewinn des FA-Cups begann, wurde fortgesetzt. Und es soll so weitergehen, man hat das Ziel, Manchester United abzulösen, das die letzten Jahrzehnte mit Chelsea zusammen dominiert hat.

Haben Sie vor der Übernahme des Klubs durch die Araber aus Abu Dhabi geglaubt, dass es möglich ist, den Nachbar ManU vom Thron zu stoßen?

Ja, ich habe an die Meisterschaft geglaubt. Die Frage ist nun, ob es gelingt, sie auch auf Dauer zu gewinnen. Der Verein ist zum Erfolg verdammt, Titel müssen her. Der erste Schritt ist getan, der zweite wird schwerer. Es ist viel härter, sich über Jahre an der Spitze zu etablieren.

620 Millionen Euro haben die Araber angeblich in den letzten Jahren investiert. Geht das so weiter und wird nach der EM noch kräftig zugekauft?

Nein. Manchester City musste in relativ kurzer Zeit viel investieren. Jetzt ist der Kader sehr gut besetzt, altersmäßig haben viele Spieler die besten Jahre noch vor sich. Die Akademie wird jetzt ausgeweitet, die Einsicht ist da, dass man auch eigene Spieler entwickeln muss. Bei den Verpflichtungen muss man auch Uefa-Richtlinien nach finanziellem Fairplay beachten. Auf Dauer wird man nicht in der Lage sein, immer neue Weltstars zu holen. Dass man in einem Jahr neun, zehn Spieler für Unsummen holt, wird es nicht mehr geben.

Mit dem FC Brentfort betreuen Sie einen Drittligisten. Wie zufrieden sind Sie mit Platz neun der "Bees" im ersten Jahr?

Das ist ein Erfolg in allen Belangen, wir haben bis drei Tage vor Spielschluss auch noch die Chance gehabt, in die Playoffs zu kommen. Es war nicht vorgesehen, dass wir es unter die ersten Sechs schaffen. Das wäre eine Sensation gewesen, die Zielsetzung hieß, unter die ersten Zehn zu kommen. Wir haben begrenzte finanzielle Möglichkeiten. Ich bin sehr stolz darauf, dass wir 21 Siege geschafft, Mehreinnahmen erzielt und mehr Saisontickets verkauft haben. Wir sind auch mehr in den Medien vertreten. Ich habe jetzt auch die Nachricht bekommen, dass der Clubbesitzer Land gekauft hat, was in London sehr teuer ist. Aber er will ein Stadion bauen. Der Verein geht offensiv nach vorn, das Budget ist begrenzt, aber solide. Ich freue mich auf die nächste Saison, wir trainieren seit letzter Woche. Vielleicht können wir den nächsten Schritt machen und unter die ersten Sechs kommen.

Welchen Zuschauerschnitt hat Ihre Mannschaft?

5000 bis 6000, das ist im Vergleich zu Mannschaften wie Sheffield nicht so viel. Die spielen vor 25 000 Leuten. Die Unterschiede in der 3. Liga zwischen Traditionsvereinen, die abgestiegen sind, und kleineren Klubs sind sehr groß. Da muss man ein paar Tricks anwenden, etwas smarter sein, um den Abstand nicht allzu groß werden zu lassen.

Haben Sie mit den Engländern und City-Torwart Joe Hart gelitten, als sie im EM-Viertelfinale im Elfmeterschießen gescheitert sind? Hart ist mit Zuversicht in das Duell mit seinem Klubkamerad Mario Balotelli gegangen, aber es hat nicht gereicht...

Mit der Überzeugung, dass die Premier League die stärkste weltweit ist, sind die Engländer mit viel Selbstvertrauen ins Turnier gegangen. Es ist unheimlich hart, aufgrund der Vielzahl an Weltstars und an Pokalspielen diese Liga zu gewinnen, die auch für mich die stärkste und einzigartig ist. Aber die Nationalmannschaft ist derzeit nicht in der Lage, mit Topteams wie Spanien, Deutschland und Italien mitzuhalten. Es war schon glücklich, dass Eng-land das Elfmeterschießen gegen Italien erreicht hat. Trainer Roy Hodgson hat in seiner kurzen Amtszeit mit seiner taktischen Reife, seiner Erfahrung noch das Beste aus der Situation gemacht.

Haben Sie Zeit, den Fußball in der 2. Bundesliga zu verfolgen?

Na klar, Deutschland ist für mich ein Markt, wo ich als Trainer arbeiten kann. Ich verfolge den Fußball in Deutschland generell, aber auch speziell den im Osten und den lokalen Fußball in Dresden, in Leipzig oder Magdeburg. Da bin ich auf einem relativ guten Stand. Dass die Dresdner dieser Tage gegen Manchester City spielen können, das kommt nicht so oft vor. Es ist natürlich eine Ehre, gegen ManCity zu spielen. Ich glaube, die Jungs werden sich da richtig reinknien. Das ist eine Chance, sich gegen Weltstars beweisen zu können.

Wie oft sind Sie in der Heimat?

Leider habe ich momentan wenig Zeit dazu, pendle zwischen London und Manchester. Jede freie Minute gehört der Familie.

Am 27. Juli spielt Dynamo gegen West Ham, am 31. August erstmals seit Bundesliga-Zeiten wieder gegen einen anderen Ihrer Ex-Klubs: den 1. FC Kaiserslautern. Schauen Sie an so einem Tag per Satelliten-Fernseher zu?

Ich habe leider kein deutsches Fernsehen, nutze aber das Internet und persönliche Kontakte. Ich kann mir gut vorstellen, noch einmal in Deutschland zu arbeiten. Zunächst einmal möchte ich mich aber in England durchsetzen, später könnte Deutschland durchaus noch einmal ein Thema für mich werden. Es gab schon einige Anfragen, es hat aus verschiedenen Gründen nicht gepasst - von der Familie her oder ich war gerade unter Vertrag.

Vor neun Jahren haben Sie eine Krebserkrankung überwunden. Wie geht es Ihnen seither?

Sehr gut, es sind keine Nachwehen zu bemerken. Ich habe noch Benefizspiele bestritten, war in Leipzig beim Spiel gegen die Weltmeister von 1990 dabei - ich bin noch ganz gut in Form.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 06.07.2012

Interview: Jochen Leimert

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Regionalsport
  • Semperopernball
    Semperopernball

    Alle Infos, alle Highlights, die schönsten Bilder - der Semperopernball in Dresden. mehr

  • 13. Februar

    Ob Gedenken, Täterspuren oder Menschenkette: Alle Infos finden sie in unserem Special zum 13. Februar in Dresden mehr