Volltextsuche über das Angebot:

16 ° / 5 ° wolkig
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland RND

Navigation:
Google+
Unruhige Nacht mit EM-Gold für Martin Wolfram aus Dresden

Unruhige Nacht mit EM-Gold für Martin Wolfram aus Dresden

Nach Stunden wie im Rausch zeigte Martin Wolfram nur bei der abendlichen Doping-Kontrolle Schwächen. Mit Siegersekt und Kaffee musste der Europameister nach seinem fabelhaften Comeback nachhelfen, bis auch diese Pflicht erledigt war.

Voriger Artikel
Klein und Hausding bleiben cool: Duo aus Dresden und Berlin holt EM-Gold vom Turm
Nächster Artikel
Dresdner Footballer verlieren in der GFL auswärts mit 17:21

Bundestrainer Lutz Buschkow (l.) ist ganz aus dem Häuschen, als er Martin Wolfram zu dessen sensationellem Titelgewinn gratuliert.

Quelle: Jens Büttner, dpa

Rostock/Dresden. Stunden zuvor war das Rostocker Wassersprung-Publikum Zeuge seines größten Karriere-Moments gewesen: EM-Gold im ersten wichtigen Turm-Wettkampf nach fast drei Jahren und einer fast ebenso langen Leidenszeit aufgrund von zwei Schulteroperationen.

"Ich habe nach dem Aufwachen erst einmal geschaut, ob die Medaille noch da ist oder ob ich nur geträumt hatte", erzählte der DSC-Springer einen Tag nach seinem Triumph. Seine Verletzungsgeschichte und die Dramatik des Wettkampfverlaufs ließen kaum einen in der schwül-heißen Neptunhalle kalt. Der 23-jährige Dresdner weinte in den Armen seiner Freundin Tina Leuchte und selbst der nach außen eher hartgesottene Chefbundestrainer Lutz Buschkow hatte seine Rührung nur schwer unter Kontrolle. "Dem Druck im letzten Sprung standzuhalten... Das ist schon unheimlich emotional", sagte Buschkow mit bebender Stimme. Topfavorit und Titelverteidiger Victor Minibajew (Russland) war Wolfram in seinem letzten Sprung mit vier Traumnoten Zehn wieder gefährlich nahe gekommen.

Der Sportsoldat durfte nicht patzen - und behielt die Nerven. "Innendrin habe ich gebebt, habe gedacht: Boah, das kann doch nicht wahr sein", berichtete Wolfram. Für seinen viereinhalbfachen Salto gaben die Kampfrichter dann sogar sechsmal die Traumnote zehn. Vielleicht half ja auch Tracy Chapman, deren Musik Wolfram in der Mittagspause nach seinem Vorkampf-Sieg zur Beruhigung gehört hatte. 575,30 Punkte sind nicht nur Weltklasse, sondern auch persönliche Bestleistung. Damit wäre er 2012 Olympiasieger geworden.

"Ich wollte mich einfach nur international wieder vorstellen", sagte Wolfram, der nur mit einer Medaille geliebäugelt hatte. Als aber sein "Knacksprung", der dreieinhalbfache gehechtete Salto rückwärts klappte, war Gold möglich. Bei diesem Sprung war 2012 im olympischen Finale von London seine Schulter raus- und wieder reingesprungen. Trotzdem reichte es zu Platz acht. Es folgte erst die OP an der rechten Schulter und im Oktober 2013 an der linken Schulter.

Zwischendurch konnte der Sportsoldat nur vom Brett springen, war im Juni 2013 überraschend Vizeeuropameister vom Einmeterbrett - übrigens auch in Rostock - geworden. Und nun endlich das Comeback vom Turm, das nicht spektakulärer hätte ausfallen können. "Ich habe von Gold geträumt, hielt es aber für unerreichbar", gab der Schützling von Boris Rozenberg gestern zu. Er fügte an: "Es wird wohl noch ein Weilchen dauern, bis ich das richtig verdaut habe. Es war auf jeden Fall der Wettkampf meines Lebens. Ich habe noch nie in einem Finale alle sechs Sprünge so gut gemeistert", jubelte Wolfram, der damit nicht nur einen Quotenplatz für Olympia sicherte, sondern seinem Trainingsgefährten Sascha Klein auch den bisherigen Punkterekord, den dieser mit 263 Zählern hielt, entriss. "Das hat ihn schon ein wenig gewurmt", meinte Wolfram schmunzelnd und gestand, dass er seinen Titel gar nicht richtig feiern konnte: "Ich war so platt vom Tag, hatte weiche Knie und mir war nach einem Glas Sekt schon schwummrig. Aber das wird zu Hause nachgeholt", versprach der Dresdner, der heute in die Heimat zurückkehrt.

Lutz Buschkow lobt den frischgebackenen Europameister in höchsten Tönen: "Er ist eines unserer größten Talente, die wir in Deutschland haben, davon gibt es in der Welt nicht so viele. Die muss man hüten und pflegen."

Marc Zeilhofer und Astrid Hofm

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Regionalsport
  • Semperopernball
    Semperopernball

    Alle Infos, alle Highlights, die schönsten Bilder - der Semperopernball in Dresden. mehr

  • 13. Februar

    Ob Gedenken, Täterspuren oder Menschenkette: Alle Infos finden sie in unserem Special zum 13. Februar in Dresden mehr