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Unparteiisch und unauffindbar? - Dresden fehlt es an Schiedsrichtern

Unparteiisch und unauffindbar? - Dresden fehlt es an Schiedsrichtern

Sachsens Kicker haben ein Problem: Die Unparteiischen machen sich rar. Standen 2009 noch 3464 Schiedsrichter auf den Fußballplätzen, waren es Ende 2012 nur noch 3232 mit weiter sinkender Tendenz.

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Schiedsrichter Falko Herzog zeigt dem Löbtauer Christian Fischer in einem Spiel der Stadtoberliga gegen Striesen die Gelbe Karte.

Quelle: Frank Dehlis

Auch in Dresden wird es langsam eng, weil viele Pfeifenmänner aus beruflichen oder Altersgründen aufhören und nicht genug junge nachkommen. Doch in der Landeshauptstadt war nach Jahren des Schwunds zuletzt erstmals wieder ein leichter Zuwachs zu verzeichnen - entgegen dem sachsen- und bundesweiten Trend. "Im Stadtverband haben wir zu wenige Schiedsrichter, aber es gibt zuletzt eine positive Entwicklung", bestätigt Heiko Petzold, Präsident des Stadtverbands Fußball Dresden (SVFD) und fürs Schiedsrichterwesen zuständiger Vizepräsident des Sächsischen Fußballverbands (SFV). Zum Stichtag Silvester 2012 gab es im Stadtverband 336 Schiedsrichter, davon 119 minderjährige und zehn Frauen. Zwei Jahre zuvor waren es 321 Unparteiische, Ende 2011 sogar nur noch 311.

Petzold hofft, dass damit die Talsohle durchschritten ist. Gründe für die positive Entwicklung sieht er in der intensiven Arbeit seines Verbands im Schiedsrichterwesen. "Man darf heute nicht immer nur fordern, sondern muss auch mal etwas zurückgeben", weiß Petzold. Man müsse sich mit Nachwuchs-Schieris genau befassen, sie gezielt fördern und Lehrgänge mit Qualität anbieten, aus denen sie auch etwas mitnehmen. Außerdem führt der SVFD regelmäßig spezielle Veranstaltungen für die Junior-Referees durch. Der Verband bietet abwechslungsreiche Dreitageslehrgänge für Schiedsrichter und alle zwei bis drei Monate Regellehrabende an, auf denen sie ihr Wissen auffrischen können. Immer gegen Jahresende holt der SVFD einen Spitzenschieri nach Dresden, so im vergangenen Dezember Fifa-Referee Wolfgang Stark.

Dennoch ist die Nachwuchssuche schwierig. Die Motivation junger Leute fehle, doch auch die Wertschätzung sei zu gering. Speziell im Jugendfußball werde der Ton immer rauer, Pöbeleien und Anfeindungen seien mitunter an der Tagesordnung. "Viele Aussteiger sagen, dass sie sich das nicht antun wollen, sich von Eltern am Spielfeldrand permanent betoffeln zu lassen", berichtet Petzold. Außerdem lassen die Aufstiegsmöglichkeiten in höhere Ligen zu wünschen übrig. Junge Schiedsrichter seien frustriert, weil sie nicht mehr weiterkommen. "Das Problem wird sich verschärfen, wenn der DFB seine Pläne umsetzt und das Schiedsrichterwesen in Profis und Amateure teilt", ist Heiko Petzold überzeugt.

Die Gewinnung neuer Unparteiischer läuft zum größten Teil über die Vereine. Manche Clubs tun für die Nachwuchssuche allerdings zu wenig. Insgesamt 18 Vereine aus dem Stadtverband mussten im vergangenen Jahr Geldstrafen in Höhe von teils einigen 100 Euro zahlen, weil sie das Schieri-Soll nicht erfüllten. Einige "Wiederholungstäter", unter ihnen Wacker Leuben und der ESV Dresden, müssen zudem sogar empfindliche Punktabzüge ihrer ersten Herrenmannschaften in der laufenden Saison hinnehmen, die sich durchaus auch auf den Verbleib in der jeweiligen Spielklasse auswirken können. Einige Vereine ködern Schieris anderer Clubs mit Geld.

Obwohl es in Dresden nicht nur die verschiedenen Ligen bei den Herren gibt, sondern auch Senioren, Freizeitsport, Damen und nicht zuletzt 7000 Juniorenfußballer, könne der SVFD derzeit noch fast alle Spiele besetzen. "Das ist auch weiterhin unser oberstes Ziel", so Petzold. Andere Kreisverbände in Sachsen setzen im Kleinfeldbereich schon keine Schiedsrichter mehr an.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 25.01.2013

Stefan Schramm

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