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Trügerischer Winterschlaf für Galopprennbahn Seidnitz

Trügerischer Winterschlaf für Galopprennbahn Seidnitz

Die Galopprennbahn in Seidnitz hält Winterschlaf - auf den ersten Blick. Am frühen Morgen ziehen nur ein paar Pferde mit ihren Reitern über das leicht schneebedeckte Gelände.

Von Astrid Hofmann

Ein Handwerker hämmert an einem Holzbalken. Ansonsten herrscht Ruhe auf der 430 000 Quadratmeter großen Anlage.

Doch der erste Eindruck täuscht. "Die Vorbereitungen auf die neue Turf-Saison laufen bei uns auf Hochtouren", sagt Uwe Tschirch, Geschäftsführer des Dresdner Rennvereins. Seit die Stadt das parkähnliche Gelände dem Verein per Erbbaurechtsvertrag 1995 für 50 Jahre zur Nutzung übergeben hat, hat sich viel getan. Tribünen und Gebäude wurden saniert, seit Mitte Dezember 2010 speist eine Solaranlage, die im Innenraum steht, Strom ins Netz und beschert dem Verein zusätzliche Einnahmen.

Schon seit 120 Jahren gibt es Galopprennen in Seidnitz und auch in diesem Jahr werden die bislang geplanten sieben Renntage Tausende Besucher in die grüne Oase im Dresdner Osten locken. "In den Wintermonaten müssen wir die notwendigen Grundlagen dafür schaffen. Wir versuchen mit Hochdruck, die vorgesehenen Renntage finanziell abzusichern. Mehrere Verträge mit unseren wichtigsten Partnern haben wir schon unter Dach und Fach, weitere Gespräche laufen", erläutert Manager Volkmar Burger. Und er fügt hinzu: "Bei uns werden keine Renntage abgesagt, wie das leider immer wieder auf anderen Bahnen passiert." Im Gegenteil, die Seidnitzer sind auch 2012 bereit, vielleicht eine zusätzliche Veranstaltung zu übernehmen.

Neue Ideen bringt Matthias Stier ein, der im Dezember das Amt des Präsidenten des Rennvereins übernahm. "Wir wollen den Sport wieder mehr in den Vordergrund rücken. So haben wir für 2012 die Rennpreise angehoben. Das ist für die Pferdebesitzer und auch für die Jockeys lukrativer", erklärt Stier, der bereits 18 Jahre lang dem Vorstand angehört und damit auch für die Kontinuität in Seidnitz steht.

In den vergangenen Wochen hat Stier auch Kontakt zur Mitteldeutschen Besitzervereinigung aufgenommen und mit Gerhard Schöningh, dem Besitzer der Galopprennbahn in Berlin-Hoppegarten. "Es waren interessante Gespräche, bei denen es zum einen um den Pferdebestand auf unserer Bahn und zum anderen um neue Ideen ging, wie man die rennsportfreie Zeit besser nutzen kann", berichtete der Präsident. Anfang März hat er auch einen Termin beim Stadtplanungsamtsleiter. "Wir wollen vielleicht die Pferdeausstellungshalle auf der gegenüberliegenden Seite der Straße wieder beleben", verrät er. Denn während die Rennbahn selbst in den vergangenen 20 Jahren ein Schmuckkästchen wurde, sind die Gästestallungen an der Straße in wenig ansehnlichem Zustand.

Sobald der Frost aus dem Boden ist, werden die Arbeiten am Geläuf beginnen. Damit die Vollblüter und ihre Reiter in Zukunft bessere Bedingungen vorfinden, wird der Rennverein rund 15 000 Euro in die Sanierung des Geläufs investieren. "Es wird eingeebnet, tiefenbelüftet, eine Aussaat von Gras und eine Besandung sind vorgesehen", erläutert Uwe Tschirch, der mit seinen Mitarbeitern zuletzt eine durch die tiefen Temperaturen ausgelöste Havarie zu managen hatte: "Im Stadtbogen war ein Wasserrohrbruch an einer Hauptleitung. Dadurch wurde die Sandbahn überflutet und das Wasser gefror anschließend. Eine Notreparatur musste veranlasst werden und zudem wird natürlich jetzt das Auftauen der Sandbahn etwas länger dauern", befürchtet er.

Für die derzeit rund 55 Vollblüter, die von den Seidnitzer Trainern betreut werden, keine so gute Nachricht. "Die Pferde brauchen nach dem Winter rund sechs Wochen Zeit, um wieder Rennen bestreiten zu können. Aufgrund der extremen Witterungsverhältnisse in diesem Jahr ist es schon möglich, dass zu den ersten Renntagen deutschlandweit noch nicht so viele Pferde gemeldet werden. Doch für unseren ersten Renntag am 12. Mai sehe ich da keine Gefahr", gibt Tschirch Entwarnung.

Bis zum Saisonstart sind natürlich noch viele Kleinreparaturen notwendig. "Unser neuer Caterer baut zudem gerade den kompletten Küchentrakt um, damit am 12. Mai die Besucher mit leckeren Speisen und Getränken versorgt werden können", berichtet Tschirch, der sich nach einem Rundgang durch die Ställe in seinem Büro über Steuerunterlagen beugt. "Von Winterruhe kann bei uns wirklich keine Rede sein", meint er schmunzelnd.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 22.02.2012

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