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Tom Liebscher liebäugelt in Rio mit Edelmetall

Dresdner bei Olympia Tom Liebscher liebäugelt in Rio mit Edelmetall

In London vor vier Jahren war er nur als Ersatzmann dabei, diesmal erlebt der Dresdner Tom Liebscher Olympia auch als Wettkampfteilnehmer. In zwei Disziplinen geht er am Zuckerhut an den Start und rechnet sich dabei einiges aus.

Tom Liebscher hatte in diesem bislang durchwachsenen Sommer nicht immer die besten Trainingsbedingungen, doch in Rio kann er auf warmes und sonniges Wetter bauen.

Quelle: Lutz Hentschel

Dresden. Wenn Tom Liebscher in einer Woche seinen 23. Geburtstag feiert, muss er natürlich „eine Runde schmeißen“. Wie immer in den letzten Jahren feiert der Kanurennfahrer vom KC Dresden im Trainingslager. Diesmal ist es das letzte Vorbereitungscamp vor den Olympischen Spielen in Rio. „Deshalb wird es kein Kasten Bier, sondern wohl eher Apfelschorle“, meint der Kajakfahrer grienend. Die große Party mit den „richtigen Getränken“ soll dann später steigen, wenn er sich das nachträgliche Geburtstagsgeschenk in der Lagune Lagoa Rodrigo de Freitas selbst bereitet hat. „Wir müssten uns schon ziemlich blöd anstellen, wenn wir nicht mit einer Medaille zurückkommen“, hat der Olympia-Debütant, der im K2 über 200 Meter und im K4 über 1000 Meter startet, fast überschwänglich einmal formuliert. Doch ohne Selbstbewusstsein kann man nicht gegen die Weltelite bestehen. Zudem hat der ehrgeizige Modellathlet in den vergangenen Jahren hart daran gearbeitet, sich seinen großen Traum erfüllen zu können.

Beinahe wäre der eigentlich schon vor vier Jahren in Erfüllung gegangen, doch nach London durfte der Youngster damals nur als Ersatzmann. „Ich konnte nicht einmal im olympischen Dorf wohnen, war eigentlich nur als normaler Zuschauer dort“, erinnert sich Tom Liebscher an jenes frustrierende Erlebnis. Es nagt noch lange an ihm. Aber den Groll setzt er schnell in positive Energie um, arbeitet noch akribischer, engagierter – ob im Kraftraum oder auf dem Wasser. Mit dem Weltmeistertitel im K1 über 500 Meter endet er schon ein Jahr später eine klare Kampfansage an die nationale und auch internationale Konkurrenz. Als im Januar 2014 Olympiasieger Tim Wieskötter seine Karriere beendet, sucht dessen Zweier-Partner Ronald Rauhe (das Duo holte 2004 Olympia-Gold und 2008 Silber) einen neuen Mann, um wieder in die Erfolgsspur zu finden. Der Weg ist frei für das aufstrebende Dresdner Talent. Im Mai sitzen beide erstmals in einem Boot. Und es passt von Beginn an, auch wenn beide zwölf Jahre Altersunterschied trennen. „Ronny war schon lange mein Vorbild, mit ihm zu paddeln war für mich perfekt. Ich habe in den letzten beiden Jahren viel von ihm gelernt, schließlich befindet er sich jetzt in seiner 18. Saison. Er hat eine unheimlich positive Ausstrahlung und er macht auch klare Ansagen. Wir sind beide ehrgeizig und ärgern uns tierisch, wenn es nicht funktioniert. Ich bin froh, dass ich ihn jetzt bei meiner Olympia-Premiere als Partner habe. Er bestreitet seine fünften Spiele. Ihn schockt weder die Atmosphäre, noch bringt ihn irgendetwas anderes aus der Ruhe. Ich kann mich total auf ihn verlassen und muss mir keinen Kopf machen“, schwärmt Liebscher von dem gebürtigen Berliner. Beide haben in diesen beiden Jahren Höhen und Tiefen durchlebt, alles ihrem großen Ziel untergeordnet.

Am 18. August wollen sie nun das „perfekte Rennen“ über 200 m abliefern. „Da muss alles sitzen. Vom Start bis ins Ziel sind es 80 Paddelschläge, pro Schlag werden 80 kg eingesetzt. Das Wichtigste dabei ist der Start. Wenn du den verschläfst, kannst du alles vergessen. Da trennt sich die Spreu vom Weizen. In dieser Disziplin geht es am Ende um wenige Zentimeter, binnen einer halben Sekunde sind alle im Ziel“, beschreibt der Schützling von Jens Kühn die Herausforderung dieses Sprintrennens. Nicht zuletzt ist es eine Kopffrage, an diesem Tag alles auf den Punkt abzurufen. Auch dem Druck standzuhalten. „Von den Kanuten wird ja immer viel erwartet“, weiß Liebscher, der sich davon aber nicht schrecken lässt: „Wir haben alles getan, unsere Wettkämpfe waren in diesem Jahr schon sehr konstant. Natürlich ist die Weltspitze inzwischen noch enger zusammengerückt. Im Finale sind nahezu alle zu beachten.“ Herausstechen werden die beiden Deutschen auf jeden Fall mit ihrem pinkfarbenen Boot, dem sie noch eine Spitze in schwarz-rot-gold verpasst haben. „Mit pinkfarbenen Booten waren die deutschen Kanuten 1992 und 1996 am erfolgreichsten. Diese Tradition wollen wir fortsetzen. Und damit auch das Quäntchen Glück nicht fehlt, tauften sie ihr Arbeitsgerät „Fortuna“.

Eltern und auch Heimcoach Jens Kühn (Liebscher: „Ohne ihn wäre nicht da, wo ich jetzt bin“) werden in Brasilien vor Ort die Daumen drücken, Freundin Julia daheim am Fernseher. Dass die Randsportarten wie Kanu oder Wasserspringen in Dresden zuletzt etwas mehr Öffentlichkeit bekommen, freut den sportinteressierten Studenten des Verkehrsingenieurwesens. „Aber die Bude rennt man uns trotzdem nicht ein. Es wächst einiges, aber recht langsam“, findet er. Umso mehr hofft der bodenständige Athlet mit „guten Argumenten für weitere Unterstützung in Dresden“ aus Rio zurückzukommen. Und da hat er am 19./20. August mit dem Start im Vierer eine zweite dicke Chance. „Bis dahin haben wir zwar nur insgesamt fünfmal gemeinsam trainiert, doch es passt und das Boot wird vor allem von den Einzelleistungen und Erfahrungen der vier Athleten leben“, ist Tom Liebscher überzeugt. Jetzt fiebert er der Reise am 10. August nach Rio entgegen, um das olympische Flair in sich aufzusaugen.

Von Astrid Hofmann

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