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Stadt dreht Dresdner Eislöwen den Geldhahn zu - ESC Dresden lehnt Neuanfang in der Oberliga ab

Stadt dreht Dresdner Eislöwen den Geldhahn zu - ESC Dresden lehnt Neuanfang in der Oberliga ab

Den Dresdner Eislöwen geht es an den Kragen. Der Eishockey-Zweitligist bangt ums finanzielle Überleben, hängt am Tropf der Stadt. Die wird nun wahrscheinlich den Geldhahn zudrehen und das von der Eishockey-Betriebsgesellschaft eingereichte Sanierungskonzept ablehnen.

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Die Eislöwen sind in der Sommerpause - ob sie in die DEL2 zurückkehren, ist mehr als unsicher.

Quelle: Stephan Lohse

Darin wird von der Landeshauptstadt der Verzicht auf Schuldenrückzahlung und eine Reduzierung der Miete für die Eishalle (Gesamtsumme etwa eine Million Euro) verlangt. Oberbürgermeisterin Helma Orosz senkte mit ihrer Beschlussvorlage für die Stadtratssitzung kurz vor Ostern den Daumen. Zuvor berät der Sportausschuss am Montag noch einmal zu diesem Thema. Die Tendenz auch hier: keine weitere Kohle für die Eislöwen.

In der Beschlussvorlage stehen genau zwei Punkte:

1. Der Stadtrat beauftragt die Oberbürgermeisterin eine Sanierung der BG ESCD Dresden mbH nicht weiter zu unterstützen.

2. Der Stadtrat empfiehlt den Gesellschaftern der BG ESCD Dresden mbH die stille Liquidation der BG ESCD Dresden mbH zum Ende der Saison 2013/2014.

Das würde für Eishockey-Dresden das Aus in der DEL 2, einen möglichen, aber keineswegs sicheren Neuanfang in der Oberliga bedeuten.

Wie entscheiden die Räte?

Für die CDU antwortet Dietmar Haßler: „Das Thema beschäftigt uns jetzt im Sportausschuss seit über einem Jahr. Mein Eindruck ist, dass wir nicht immer vollständig informiert wurden, die Eislöwen-Geschäftsführung nicht mit offenen Karten spielte. Es geht nicht, dass wir mit Geschäftsführerin Veronika Petzold am Abend über Finanzhilfen sprechen und der Verein am nächsten Tag zwei neue Spieler vorstellt. Das Vertrauen, das am Anfang vorhanden war, ist nicht mehr da. Wir werden uns in der Fraktion noch einmal beraten. Meine Tendenz geht ganz klar dahin, der Vorlage der Oberbürgermeisterin zuzustimmen.“

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Ziemlich einig ist er sich da mit Tilo Kießling von der Linken, der auch im Namen seiner Ausschuskollegin Margot Gaitzsch erklärt: „Wir bedauern zuerst einmal die Entwicklung. Zweitens stellen wir die grundsätzliche Frage, ob Sport als Wirtschaftsunternehmen in Dresden überhaupt machbar ist. Probleme gibt es ja nicht nur beim Eishockey, sondern auch bei Dynamo und den Volleyballern. Im konkreten Fall ist das Hauptproblem das gestörte Vertrauensverhältnis zwischen der aktuellen Eislöwen-Geschäftsführung und der Stadt. Die Distanz ist in letzter Zeit größer geworden. Deswegen werden wir am kommenden Montag in der Sportausschusssitzung noch einmal folgenden Vorschlag unterbreiten: Die Stadt kauft den Gesellschaftern der BG ihre Anteile zu einem symbolischen Preis ab, setzt eine neue Geschäftsführung ein und versucht die Sanierung in Eigenregie. So könnte man die Insolvenz vermeiden und weiter in der 2. Bundesliga spielen. Auf eine Menge Geld verzichten müsste die Stadt hier erst einmal auch. Das ist aber auch bei jeder anderen Lösung der Fall.“

Barbara Lässig (FDP) sieht die Sache so: „Die OB hätte ihr Gesicht verloren, wenn die Vorlage anders ausgefallen wäre. Frau Orosz, da bin ich mir ganz sicher, wollte die Eislöwen unbedingt retten, doch jetzt musste sie die Reißleine ziehen. Die Verantwortlichen der BG haben regelrecht um dieses Gegentor gebettelt, jetzt ist es passiert.“

Keine weiteren Mittel für die Eislöwen soll es auch nach Meinung von Jan Kaboth (Freie Bürger) geben: „Es tut zwar in der Seele weh, aber ich muss der Vorlage der OB zustimmen. Bislang wurde uns kein überzeugendes Sanierungskonzept vorgelegt. Wir müssen auch in die zahlreichen Breitensportler denken, können nicht endlos Geld in ein Fass ohne Boden werfen.“ Seiner Ansicht nach sei von Seiten des Eishockeyklubs die Einstellung vor sich hergetragen worden: Die Stadträte müssen uns weiter unterstützen, die können gar nicht anders; zumal in diesem Jahr Wahlen anstehen. Das Spiel, so Kaboth, müsse ein Ende haben.

Die eigentliche Kernfrage lautet: Können die Eislöwen vernünftig wirtschaften oder können sie es nicht? Trainer Thomas Popiesch betonte erst am Montag wieder, dass er die Etatvorgaben bei der Kaderplanung stets eingehalten hat. Dazu passen die Zahlen, die Veronika Petzold dem Sportausschuss bei der letzten Sitzung am 18. März in einem (vertraulichen) Papier präsentierte, nicht. Demnach planten die Eislöwen vor der Saison 273.500 Euro an Bruttolöhnen und Gehälter sowie sonstige Zuwendungen und Prämien für die Spieler auszugeben, der Ist-Stand im Februar lag aber schon bei 374.293 Euro, die Hochrechnung auf die gesamte Spielzeit betrug 438.050 Euro. Das sind 164.550 Euro mehr als im Etat veranschlagt. Da kommen Zweifel auf.

Nicht verschweigen darf man aber: Ein wesentlich positiveres Bild malt der von der Stadt beauftragte Wirtschaftsprüfer. In der Beschlussvorlage heißt es unter Handlungsoptionen 3.1/Weitere Unterstützung der Sanierung: Nach intensiver Prüfung der eingereichten Unterlagen und zahlreicher Nachforderungen kommt der von der Stadt engagierte Wirtschaftsprüfer zu dem Schluss, dass im laufenden Wirtschaftsjahr 2013/2014 eine positive Entwicklung zu verzeichnen ist und einschließlich Mietzahlung in voller Höhe sowie ohne Forderungsverzicht der LHD ein Jahresergebnis von ca. 80.000 Euro erreicht werden kann, wenngleich die Liquidität weiter schwankt. Eine weitere Sanierung wäre danach unter bestimmten Voraussetzungen durchaus denkbar.

So ist man bei der SPD noch zurückhaltend, bevor man den Stab über die Eilsöwen bricht: „Bei uns ist die Meinungsbildung zu diesem Thema noch nicht abgeschlossen. Das ist eine schwerwiegende Entscheidung, da muss man sorgfältig prüfen“, erklärt Fraktionschef Peter Lames.

Einen möglichen Neuanfang in der Eishockey-Oberliga, wie er im Orosz-Papier vorgeschlagen wird, lehnt der ESC Dresden ab. „Mit Blick auf die derzeitigen personellen und strukturellen Voraussetzungen sehen wir uns aktuell nicht in der Lage, einen möglichen Dresdner Eishockey-Oberligaspielbetrieb zu stemmen. Nicht nur aufgrund der nur schwer kalkulierbaren Sponsoren- und Zuschauereinnahmen, sondern auch bedingt durch die am Montag angemeldete Insolvenz des ERV Chemnitz, stellt sich die Zukunft der Ost-Spielklasse derzeit äußerst ungewiss dar. Als gemeinnütziger Verein, zu dessen Schutz die BG ursprünglich gegründet wurde, ist es im Sinn der über 250 Kinder und Jugendlichen unsere vorrangige Aufgabe, derartige wirtschaftliche Risiken vorab tiefgründig zu prüfen“, sagt Vereinspräsident Peter Micksch.

Thomas Scholze und Astrid Hofmann

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