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Silvio Schirrmeister stößt an seine Grenzen: Der einst für den Dresdner SC startende Hürdenläufer beendet Karriere

Silvio Schirrmeister stößt an seine Grenzen: Der einst für den Dresdner SC startende Hürdenläufer beendet Karriere

Für Trainer Ulf Müller ist es traurig, aber keine große Überraschung. Sein Schützling Silvio Schirrmeister (LAC Erdgas Chemnitz), Deutscher Meister 2013 über 400 m Hürden, wirft ein Jahr vor Olympia in Rio das Handtuch und beendet seine Karriere.

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Bei den Deutschen Meisterschaften vor zwei Jahren im Donaustadion Ulm siegte Silvio Schirrmeister über 400 m Hürden.

Quelle: Felix Kästle

"Die Probleme haben sich in den letzten zwei, drei Jahren gehäuft. Das Jonglieren mit der Arbeitszeit in seinem Job brachte es mit sich, dass er sich nicht wirklich voll auf den Sport konzentrieren konnte. Bei Bundeswehr und Bundespolizei wurde er leider abgelehnt. Über das sportliche Potenzial verfügt Silvio. Er konnte trainieren wie kaum ein anderer, doch im Wettkampf vermochte er es oft nicht auf die Bahn zu bringen", berichtet Müller, der Schirrmeister seit 2003 betreute und ehrlich zugibt: "Für mich ist das jetzt schon sehr bitter."

Gestern hat der Langhürdler, der 2009 von Neubrandenburg nach Dresden wechselte, bis 2010 für den DSC startete und auch heute noch Mitglied des Vereins ist, seinen Entschluss auf seiner Homepage öffentlich gemacht. Dabei spricht er über die Schwierigkeiten, die ihn schon lange begleiten und jetzt zu dieser Entscheidung geführt haben. Der U20-Europameister von 2007 und Olympia-Teilnehmer 2012 berichtet von seinem Kampf, die sogenannte "duale Karriere" - also berufliche Ausbildung und Leistungssport - unter einen Hut zu bekommen. "Ich habe einen Aufwand von ca. 70 Stunden betrieben, um mir meine Träume zu verwirklichen. Ich habe fast keinen Urlaub gehabt, um meine Arbeitszeiten zu erfüllen. Das hat zwar mit Leistungssport viel zu tun, aber rein gar nichts mit Profisport", beschreibt er das Dilemma, das ihn schon im vergangenen Jahr an die Grenzen der Belastbarkeit geführt hatte und ihn überlegen ließ, die Spikes an den Nagel zu hängen.

Erstmals habe ihn dann der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) unterstützt, so dass er seine Arbeitszeit bei der Sparkasse verkürzen konnte. Doch geholfen hat das wenig, wie es der Sportler erklärt: "Ich begann mein alljährliches Wettkampfsystem: Arbeit, Training, Arbeit, Training, Arbeit, Wettkampf. Zeiten für Regeneration und Wettkampfvorbereitung blieben auf der Strecke. Das Schlimmste aber war, dass ich drohte mich selbst zu verlieren. Ich war im Privaten nicht mehr ich selbst." Der 26-Jährige, der im Mai seine langjährige Freundin Sara Jäpel (ehemalige DSC-Leichtathletin) heiratete, erzählt gegenüber DNN vom entscheidenden Knackpunkt im Juni in Regensburg: "Ich bin zum Wettkampf gefahren und habe gemerkt, dass ich diese Endlosspirale, die mit einer Qualifikation für die Wettkampfhöhepunkte weitergegangen wäre, nicht mehr wollte."

Er reiste noch vor dem Start ab, nahm sich erneut eine Auszeit und teilte im August seinem Trainer den endgültigen Entschluss mit. Seine Kritik äußert Schirrmeister ganz offen: "Das Land will Medaillen, aber in die zweite Reihe investieren will es nicht. Die Unterstützung vom DLV hätte beispielsweise schon viel früher einsetzen müssen", sagt er.

Seine schönsten Momente im Sport behält er dennoch im Herzen: "Das waren die Olympischen Spiele in London, letztes Jahr der zweite Platz bei der Team-EM und der Team-EM-Sieg 2013 mit Bestleistung von 49,15 Sekunden."

Astrid Hofmann

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