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Shorttrack: 15-jährige Dresdnerin mischt schon jetzt im Konzert der Großen mit

Shorttrack: 15-jährige Dresdnerin mischt schon jetzt im Konzert der Großen mit

Anna Seidel kommt es so vor, als ob ihr Leben gerade im Zeitraffer abläuft. Erst in diesem Sommer rückte die 15-jährige Shorttrackerin vom EV Dresden ins Trainingsteam der "Großen" auf, durfte täglich mit Tina Grassow, Bianca Walter, Robert Seifert und den anderen Läuferinnen und Läufern der deutschen Auswahl ihre Runden auf dem Eis drehen.

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Leichtathletik war ihr zu langweilig, jetzt ist Anna Seidel als Shorttrackerin auf dem Weg in die Weltspitze.

Quelle: Holm Helis

Beim Deutschland Cup vor zwei Wochen schockte das Talent dann schon die nationale Konkurrenz, lief sich als Gesamt-Zweite auf Anhieb ins Weltcup-Aufgebot. Und wenn alles gut geht, darf die Schülerin des Sportgymnasiums jetzt sogar von Olympia in Sotschi träumen. Seit Donnerstag flitzt der nur 43 Kilogramm leichte Teenager beim ersten Saison-Weltcup in Schanghai (China) übers Eis, wo sie sich über 1500 Meter schon für das Viertelfinale qualifizierte, über 1000 Meter und mit der Staffel allerdings gestern in den Vorläufen ausschied.

Die jüngste deutsche Läuferin, die gerade alt genug für ein Weltcup-Debüt (Startrecht ab 15 Jahre) ist, kann das alles noch gar nicht realisieren: "Für mich ist das nicht zu fassen. Eigentlich waren die Junioren-Weltmeisterschaften im Februar in der Türkei mein großes Saisonziel. Dass ich jetzt mit den Großen in Asien um Weltcup-Punkte und vielleicht eine Olympia-Qualifikation laufe, erscheint mir wie ein Wunder", gibt die aufgeweckte Eisflitzerin zu.

Erst vor sechs Jahren kam Anna zum Shorttrack, weil es ihr bei der Leichtathletik zu langweilig war und der Eissport in der Familie liegt: Papa Frank spielt hobbymäßig Eishockey und auch der 12-jährige Bruder Anton jagt bei den Junglöwen dem Puck hinterher. "Ich konnte schon etwas Schlittschuh laufen und habe mich auch schnell auf den langen Kufen zurechtgefunden. Deshalb ging es auch ziemlich flott bergauf", verrät Anna Seidel, die ihren ersten internationalen Erfolg im vergangenen Winter bei der Junioren-EM in Italien feierte, wo sie im Mehrkampf die Bronzemedaille gewann. "Ich versuche immer, mit Köpfchen zu laufen, ein Rennen zu lesen und in entscheidenden Momenten die Lücken zu finden", beschreibt sie ihre Strategie, mit der sie beim Deutschland-Cup zumindest den nationalen Konkurrentinnen und Trainingsgefährtinnen ganz schön einheizte.

"Vielleicht lag es auch daran, dass ich keinerlei Druck verspürte, überhaupt nicht nachgedacht habe und völlig unbekümmert losgelaufen bin", mutmaßt die Dresdnerin, die sich etwas schüchtern fast für ihren Erfolg entschuldigt: "Ich habe die Großen sicher geärgert, ihre Gruppe gesprengt."

Doch das sehen die Trainer ganz anders. "Sie hat ein gutes Schlittschuhgefühl und sie kann Dinge, die man ihr erklärt, sehr schnell umsetzen. Für ihr Alter verhält sie sich auch unheimlich professionell", lobt Co-Bundestrainer Miroslav Boyadziev den Shooting-Star, sagt aber zugleich: "Sie muss noch mehr den Respekt vor den Großen ablegen." Auf keinen Fall soll der Youngster aber verheizt werden: "Wir wollen sie behutsam aufbauen. Immerhin kann sie noch vier Jahre bei den Junioren antreten. In diesem Winter traue ich ihr zu, dass sie bei der JEM um Gold kämpft", so Boyadziev.

Bei den Weltcups in Asien will Anna jetzt vor allem "lernen, lernen und nochmals lernen". Während sie im Training von den Älteren, besonders von ihren Vorbild Robert Seifert, viele Tipps bekommt, trifft sie jetzt in Asien auch auf ihre ausländischen Idole. "Ich bewundere vor allem die Kanadierin Marianne St-Gelais, weil sie an ihre Rennen mit unheimlich viel Spaß rangeht und auch mit Köpfchen läuft. Und ich mag die Britin Elise Christie, die die 1000 Meter von vorn läuft und als einzige Europäerin damit den Asiatinnen Paroli bietet", erläutert Anna, die in der Schule vor allem Englisch mag, dafür Mathe und Physik eher weniger.

Wenn Schule und Sport ihr doch einmal ein paar freie Stunden lassen, dann liebt sie es reiten zu gehen oder zu fotografieren. "Die Fotografie interessiert mich besonders, das würde ich später gern zu meinem Beruf machen", hat die Neuntklässlerin schon klare Bilder von ihrer Zukunft. Vorher aber will sie sich einen großen Traum erfüllen: "Ich möchte einmal eine Olympiamedaille gewinnen, am liebsten Gold", so die ehrgeizige Überfliegerin, die ein kleines Kuschelschweinchen als Glücksbringer immer im Gepäck hat.

"Ich bin unheimlich abergläubisch", gesteht sie und verrät lachend: "Vor jedem Rennen sage ich immer drei Sätze zu mir selbst. Die heißen: Ich schaffe das. Ich packe das. Das ist mein Ding." Bisher scheinen die Rituale geholfen zu haben.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 28.09.2013

Astrid Hofmann

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