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Sensation in München: Dynamo kontert die Sechziger aus und siegt 4:2

Sensation in München: Dynamo kontert die Sechziger aus und siegt 4:2

Kaum zu glauben, aber wahr: Mit einer Glanzleistung hat Dynamo Dresden am Sonntagnachmittag in der "Löwengrube" Allianz-Arena mit 4:2 (2:0) gewonnen und gegen den TSV 1860 München den ersten Auswärtssieg der Saison gefeiert.

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Dynamo Dresden gewinnt auswärts gegen 1860 München. Über 10.000 Fans reisten mit nach Bayern und sahen den Sieg der Schwarz-Gelben.

Quelle: dpa

Vor 39 500 Zuschauern, darunter ein knappes Viertel in schwarz-gelben Trikots, avancierte Stürmer Mickael Poté mit drei Toren zum Mann des Tages.

"Er war überragend", hob Trainer Ralf Loose den Nationalspieler des Benin aus einer bestens aufgelegten Truppe noch heraus. Den vierten Treffer steuerte Innenverteidiger Romain Brégerie zur zwischenzeitlichen 4:0-Führung bei. Mit ihrem Paukenschlag verdarben die Sachsen den Bayern den geplanten Besuch auf dem Oktoberfest gründlich: "Ich glaube nicht, dass die Spieler Lust haben, heute Abend auf die Wies´n zu gehen", sagte Trainer Reiner Maurer. Trotz ihres Triumphes blieben auch die Dynamo-Profis dem Spektakel in der Innenstadt fern und fuhren heim. Schon während des Spiels war aus den Stadion-Lautsprechern zu hören: Die Wies´n-Zelte seien wegen Überfüllung geschlossen.

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Große Freude bei den Spielern von Dynamo Dresden. Torschütze Romain Bregerie (r-l), Mickael Pote und Muhamed Subasic von Dresden freuen sich über das Tor zum 0:3.

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An eine große Fete dort hatte vor dem Spiel bei der Mannschaft ohnehin kaum einer gedacht. Nach der 1:4-Heimschlappe gegen Eintracht Frankfurt baute Loose seine Startelf grundlegend um und ging somit ein höheres Risiko ein. Dennis Eilhoff musste nach neun Spielen als Nummer 1 Ersatzkeeper Wolfgang Hesl weichen, aus der Vierer-Abwehrkette wurde eine Fünferkette. Wenn der Gegner in Ballbesitz war, rückten Cheikh Gueye und Muhamed Subasic zurück und verschmolzen mit Brégerie, Florian Jungwirth und dem neu eingebauten Martin Stoll zu einer festen Abwehrmauer. Ganz vorn wirbelte allein Poté, der erst am Dienstag im Gesicht operierte Zlatko Dedic blieb auf der Bank.

 

Die Münchner "Löwen" begannen nur mit einer Änderung: Sandro Kaiser kam als Linksverteidiger für Christopher Schindler in die Mannschaft. Nach vier Heimsiegen in der Allianz-Arena starteten die Blauen gewohnt schwungvoll: Kapitän Benjamin Lauth prüfte Hesl mit einem Kopfball (8.). Erneut durchatmen musste Dynamo zwei Minuten später, als der Ex-Münchner Jungwirth bei einem gegnerischen Konter Lauth attackierte und von Glück sagen konnte, dass Schiedsrichter Tobias Christ aus Münchweiler die Notbremse nur mit Gelb bestrafte.

Während der Münchner Freistoß nichts einbrachte, nutzten die Dresdner ihren nächsten Standard: Cristian Fiel zirkelte die Kugel in den Strafraum, Potés Kopfball flog ins Eck. Sechzig-Keeper Gabor Kiraly war noch mit der Hand am Ball, konnte dessen Einschlag aber nicht mehr verhindern (13.). Der Jubel im Dynamo-Block war ohrenbetäubend. Von so einem Einstand hatte Loose nicht einmal zu träumen gewagt. Er lobte seine Mannschaft später: "Ich muss meiner Mannschaft ein Kompliment machen - von Anfang an war sie mal wach, hat die taktischen Vorgaben sehr gut umgesetzt. Wir waren im Zweikampf sehr präsent, haben versucht, schon im Mittelfeld zu stören und den Gegner unter Druck zu setzen."

 

Die Fans hatten noch gar nicht aufgehört zu singen, da ging der nächste Orkan durch die Arena. Über Robert Koch, David Solga und Fiel landete der Ball bei Filip Trojan, der ihn kurz stoppte und Poté schießen ließ. Mit Glück zischte die Kugel in die Maschen, der Münchner Stefan Buck hatte sie noch abgefälscht (16.). Ein Schock für die "Löwen", ein gewaltiger Glücksmoment für die Schwarz-Gelben, die sich nun anschickten, den sensationellen 2:1-Auswärtssieg vom September 2005 noch zu toppen. "Sie stehen gut in der Abwehr und nutzen ihre Chancen, die Führung ist nicht unverdient", sparte Dynamo-Idol Ulf Kirsten auf der Tribüne nicht mit Lob, noch ohne wirklich daran glauben zu können, dass es am Ende auch zu drei Punkten reichen würde.

 

Denn nach dem 0:2 versuchten die Sechziger vehement, das Spiel zu drehen. Lauth und Kevin Volland hatten Schusschancen, scheiterten aber am souveränen Hesl (17., 19.). Der Ex-Hamburger wirkte abgeklärt und reaktionsschnell, parierte auch Stefan Aigners Kopfball (27.). Selbst im Eins-gegen-eins präsentierte er sich stark, kaufte Volland den Schneid ab (36.). Zuvor hatte Poté auf der anderen Seite mal wieder für Gefahr gesorgt, sein Kopfball nach Vorarbeit von Fiel war aber neben das Tor gegangen (32.). Der Neuzugang aus Nizza war kaum zu stoppen, wenn er den Turbo anwarf.

 

So war es auch nach der Pause, als der Afrikaner mit französischem Pass seinem Bewacher Buck davonzulaufen drohte. Buck griff nach dem Trikot, riss den Dresdner um und holte sich von Christ folgerichtig die Rote Karte ab (55.). Und es lief für die Gäste weiter ganz nach Wunsch: Potés Kopfball sorgte erneut für Gefahr (gehalten/56.), dann stand es plötzlich 3:0 für Dynamo. Einen Eckball Fiels drückte Brégerie mit der vollen Wucht seines Schädels in die Ecke. Da konnte der Ungar Kiraly nichts machen, nur entnervt hinterherschauen (59.). Es kam sogar noch schlimmer für den ehemaligen Herthaner: Als sein Verteidiger Antonio Rukavina einen verunglückten Rückpass an den Pfosten setzte, sprintete Poté in der 60. Minute wie eine Gazelle dazwischen und drückte den Abpraller ins lange Eck - 4:0 für den Aufsteiger, ein unglaubliches Ergebnis!

 

Dynamo hatte danach noch mehrere gute Chancen, das Resultat auszubauen, doch David Solga, zweimal Koch und Trojan scheiterten. Dagegen verkürzten die "Löwen" noch auf 2:4. Erst war Volland per Kopfball erfolgreich (66.), dann gelang Daniel Bierofka mit einem Weitschuss sein erster Treffer nach zwei Jahren (90.). Viele Fans der Münchner bekamen das schon gar nicht mehr mit, zehn Minuten vor Schluss machten sich die ersten auf den Heimweg.

Die Dresdner Fans mussten noch 25 Minuten warten, bis sie aus der Arena durften. Sie riefen euphorisiert: "Hier regiert die SGD!" und sangen: "Oh, wie ist das schön!" Unten auf dem Platz tanzten die Spieler. "Das ist für uns ein sehr, sehr gutes Ergebnis", strahlte Florian Jungwirth, der wie Robert Koch anschließend bei Freunden und Verwandten in München bleiben und dort den Abend genießen durfte.

Jochen Leimert

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