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Seidnitzer vergaloppierten sich: Rennverein kämpft mit hohem Schuldenstand

Seidnitzer vergaloppierten sich: Rennverein kämpft mit hohem Schuldenstand

Der Rennverein stand offensichtlich in den letzten Wochen vor einer Zerreißprobe. Nach dem Rücktritt des Präsidiums um Rechtsanwalt Matthias Stier wurde am späten Dienstagabend auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung Ehrenpräsident Christoph Winkler, der schon 1990 bis 2005 an der Spitze des Vereins stand, erneut ins Amt gewählt.

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Von 65 Mitgliedern votierten 46 für den 69-Jährigen und seine sechs Vorstände, elf enthielten sich. "Eigentlich wird bei uns das Gremium für drei Jahre gewählt, aber wir sehen uns nur als Übergangs-Präsidium und stehen nur bis Dezember 2013 bereit. Bis dahin wollen wir jüngere Leute aus Wirtschaft und Politik gewinnen, die unsere Arbeit dann weiterführen", erklärte der alte und neue Präsident und gab zu: "Das war die aufregendste und schwierigste Versammlung, die ich je erlebt habe." Dabei ging es hoch her.

Indirekt kam heraus, dass der Rücktritt von Stier und seinem Vorstand einen anderen als den angegebenen Grund hatte. Offiziell hieß es vor drei Wochen, dass der Vorstand wegen der Tribünenproblematik - Sanierungskosten würden im sechsstelligen Bereich liegen und das will man nicht allein verantworten (DNN berichtete) - zurückgetreten sei. Doch am Dienstag zeigte sich, dass Stier wohl der Rücktritt nahegelegt wurde. Winkler sprach nach der Wahl Klartext: "Zuletzt sind Dinge geschehen, die ich mit großer Sorge verfolgt habe. Das erste Zerwürfnis in den eigenen Reihen entstand, als finanzielle Unregelmäßigkeiten auftauchten, schon im Februar vergangenen Jahres 70000 Euro vom Konto des Rennvereins abgebucht wurden", so Winkler empört. Dabei geht es um Transaktionen zu Firmen, die zur Errichtung der Solaranlage auf der Rennbahn gegründet wurden. Zwar ging das Geld zuerst an die "Solarzentrum KG", doch wie Winkler erläutert, wurde es anschließend weiter aufs Konto der Rechtsanwalt Stier GmbH überwiesen, ein Teil sei sogar bar abgehoben worden. Die damalige Schatzmeisterin Kathrin Westendorf habe dies aufgedeckt, danach sei das Geld an den Verein zurückgeflossen.

Was Winkler an der Transaktion vor allem ärgert: "Es gab zwischen dem Rennverein und der Solarzentrum AG keinerlei Vertrag und ohne einen solchen kann man kein Geld einfach überweisen." Der Bauunternehmer führt weiter aus: "Es gab eine weitere Transaktion von 22000 Euro, die angeblich für die Finanzierung eines neuen Geschäftsführers benötigt wurde. Man wollte Uwe Tschirch kaltstellen. Außerdem ist die Behauptung, dass der Schuldenstand des Rennvereins nie so niedrig wie jetzt gewesen sei, eine glatte Lüge. Im letzten Jahr hat sich der Schuldenstand um 160000 Euro auf 405000 Euro erhöht. Allein 40000 Euro wurden für Anwaltskosten ausgegeben", schimpft er.

Auch der Umgang mit der Tribünenproblematik bringt ihn auf die Palme: "Die Stadt hat ein neues Konzept für Brandschutz und Statik verlangt. Dem hat der vorhergehende Vorstand nur zögerlich Rechnung getragen, es wurden ungenehmigte Einbauten vorgenommen und dann sofort eine Klage angestrengt. Damit hat man das Verhältnis zur Stadt nicht verbessert. Mich hat man nie angesprochen, dabei hätte ich als Experte im Baugeschehen sicher den einen oder anderen Hinweis geben können", sagt Winkler, der aber ebenfalls meint: "Ich achte Herrn Stier als Mensch. Die Gelder sind wieder auf dem Vereinskonto. Ich will niemanden belasten und sehe im Moment keinen Grund, eine Strafanzeige zu stellen, auch wenn es in mehrfacher Hinsicht ein Vertrauensbruch war."

Winkler hat die Präsidentschaft nur unter der Bedingung übernommen, dass er mit einer "Mannschaft" antritt, der er vertraut. So gehören zum siebenköpfigen Gremium Ex-Präsident Horst Metz, Rainer Naseband, Kathrin Westendorf und Michael Lohnherr. Als wichtigste Aufgabe sieht Winkler "die Zukunftsfähigkeit des Vereins sicherzustellen". Man habe nicht das Geld in der Schublade liegen, um Tribünensanierung und die Absicherung aller Renntage zu versprechen, werde aber schnell Lösungen suchen.

Der gestürzte Matthias Stier wollte sich nach der Versammlung nicht weiter äußern, verwies auf den Ehrenpräsidenten. Auf die Frage, ob er die Vorwürfe entkräften konnte, meinte er nur: "Die standen gar nicht zur Debatte."

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 31.01.2013

Astrid Hofmann

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