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Schock für Dynamo Dresden: DFB-Bundesgericht bestätigt Pokal-Ausschluss für die kommende Saison

Schock für Dynamo Dresden: DFB-Bundesgericht bestätigt Pokal-Ausschluss für die kommende Saison

Fußball-Zweitligist SG Dynamo Dresden darf in der kommenden Saison nicht am DFB-Pokal teilnehmen. Das DFB-Bundesgericht unter Vorsitz von Götz Eilers bestätigte am Donnerstag nach einer mehrständigen Verhandlung die Entscheidung der ersten Instanz.

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Quelle: Stephan Lohse

Im Gegensatz zum Vorjahr ließ Ehlers dieses Mal keine Milde mehr walten. Dynamo muss zudem die Kosten des Verfahrens tragen. „Die Entscheidung ist die Folge einer Kette von Fehlleistungen der Anhänger des Vereins“, sagte Eilers zur Begründung. Dynamo-Geschäftsführer Christian Müller sprach von einem Fehlurteil.

Während Dynamo-Anwalt Jörg Heyer in seinem Plädoyer das Prinzip der verschuldensunabhängigen Haftung kritisierte und noch einmal betont hatte, dass den Verein keine Schuld treffe, blieb Anton Nachreiner für den DFB-Kontrollausschuss hart. Die Aufhebung der verschuldensunabhängigen Haftung würde bedeuten, "dass sich Dynamo Dresden auf die faule Haut legen kann". Alles andere als ein hartes Urteil sei der Öffentlichkeit nicht vermittelbar.

Richter Eilers schloss sich der Argumentation Nachreiners an. Das Prinzip der verschuldensunabhängigen Haftung sei für die Verbände unverzichtbar. Eilers erklärte, dass er nicht von der gängigen Rechtssprechung abweichen kann. "Es ist das Verschulden der Anhänger, das dem Verein zugerechnet werden muss", so der Richter. Verein und Fans seien eine Einheit.

Eilers betonte, er würde die Maßnahmen des Vereins nicht übersehen, könne aber heute keine Strafmilderung gewähren. "Wir sind der Überzeugung, dass der Verein weitere Bemühungen unternehmen kann." Dynamo müsse weiter auf die Fans einwirken, sie zum Umdenken bewegen. Einen Totalausschluss vom DFB-Pokal könne es für Dynamo nicht geben, einen Ausschluss für eine Saison sei aber gerechtfertigt.

„Wir sind über das Urteil enttäuscht. Aber streng genommen sind wir nicht wirklich überrascht“, sagte Dynamo-Geschäftsführer Christian Müller anschließend. Sein Verein kann nun noch vor das Ständige Schiedsgericht des Verbandes ziehen, das für Streitigkeiten zwischen Vereinen und Verbänden zuständig ist. Ob er das auch tun wird, ließ Müller am Donnerstagabend zunächst noch offen. „Wir sind darüber enttäuscht und nehmen das jetzt mit nach Hause, um unser weiteres Vorgehen mit den Gremien und den Fans zu besprechen."

„Wir hoffen ungeachtet dessen, dass wir mit unseren Bemühungen, die heute leider nicht ausreichend berücksichtigt worden sind, Erfolg haben werden und dass Dynamo Dresden in Zukunft für Fair-Play auf dem Platz, im Stadion und außerhalb des Stadions stehen wird", so Müller weiter.

Dynamo entgehen durch den Ausschluss Prämien in sechsstelliger Höhe. Beim durchaus realistischen Erreichen der zweiten Hauptrunde hätten dem klammen Club mehr als 250.000 Euro gewunken, auf die Dynamo nun wohl definitiv verzichten muss. Hinzu kommt der wohl gewaltige Imageschaden.

Bis zuletzt war in der fast sechs Stunden dauernden Verhandlung keine klare Tendenz erkennbar, wie Eilers entscheiden würde. Nach der Zeugenbefragung, die kaum neue Erkenntnisse brachte, war die Verhandlung zeitweise hinter verschlossenen Türen fortgesetzt worden.In den Zeugenbefragungen gab es unterschiedliche Darstellungen. Während Polizei-Einsatzleiter Bernd Kirschning von aggressiven Dresdner Fans sprach und auch Bilder zeigte, in denen Ordner geschlagen wurden, bemängelten andere Zeugen die Sicherheitsvorkehrungen. Klaus-Dieter Dunkel von der Sicherheitsaufsicht des DFB kritisierte beispielsweise die falschen Gitter an der Vorkontrolle.

Dynamos Sicherheitschef Sören Klar berichtete, er habe sich von den Hannoveranern im Vorfeld nicht ernst genommen gefühlt. Er sei sich sicher, dass die Vorfälle mit einer ordentlichen Absicherung zu verhindern gewesen wären. Lob gab es für die Dresdner Ordner. "Die Zusammenarbeit war sehr gut, insbesondere im Innenraum“, so der Sicherheitschef von Hannover 96, Jürgen Niggemeier. Er kündigte an, sein Verein habe aus dem Spiel Lehren gezogen. Neue Gitter und eine neue Videoüberwachungsanlage sollen angeschafft werden.

In Hannover hatten einige der bis zu 10.000 Dynamo-Fans beim Zweitrunden-Pokalspiel die Einlasskontrollen überrannt. Im Stadion wurde Pyrotechnik gezündet, zudem rannten nach der Niederlage im Elfmeterschießen Fans in friedlicher Absicht auf den Platz.

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Dynamo Dresden unterliegt Hannover 96 im Elfmeterschießen um den Einzug ins Achtelfinale des DFB-Pokals. Am Rande des Spiels kam es zu Tumulten.

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Dynamo hatte seine Verteidigung auf zwei Punkte gestützt: Zum einen dürfe ein Verein nicht für das Fehlverhalten einzelner Fans bestraft werden. Die „verschuldensunabhängige Haftung“ verstoße gegen das geltende Rechtsprinzip. Zum anderen hätten die Gastgeber aus Hannover den Gästebereich an jenem 31. Oktober nicht ausreichend gesichert.

Der Kontrollausschuss-Vorsitzende und Ankläger Anton Nachreiner hielt den Dresdnern hingegen die besondere Schwere der Ausschreitungen und eine Wiederholung ähnlicher Vorfälle nur drei Monate später rund um das Spiel beim 1. FC Kaiserslautern vor. „Das muss strafverschärfend bewertet werden“, meinte er.

Zudem ist die Strafakte der Dresdner extrem lang. Bereits vor einem Jahr konnte Dynamo den Pokalausschluss nur mit Mühe abwenden, nachdem die eigenen Fans beim Pokalmatch in Dortmund gezündelt und randaliert hatten. Die Umwandlung damals in eine Geldstrafe, ein Geisterspiel und ein Auswärtsspiel ohne Fans hatte das Gericht als allerletzte Warnung ausgesprochen. Dieses Mal ließ er keine Milde walten.

Eilers erinnert daran, dass er bei der letzten Berufung an den Klub appelliert hatte, die Aufhebung damals als eine letzte Warnung aufzufassen. Dies habe aber nicht gefruchtet. Die Entscheidung sei eine Folge einer Kette von Fehlverhalten der Dresdner Anhänger. "Wir haben praktisch keine andere Möglichkeit gehabt", so der weißhaarige Herr.

JOL / sl / dpa

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