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Schneller Sport mit Musikinstrumenten – Tamburello-Spieler kämpfen beim Europacup in Dresden

Schneller Sport mit Musikinstrumenten – Tamburello-Spieler kämpfen beim Europacup in Dresden

Wenn jede Menge Tamburins an einem Ort anzutreffen sind, muss es sich nicht zwangsläufig um eine Musiktherapiestunde oder das Schulkonzert von Erstklässlern handeln.

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Tamburello ist ein schnelles Rückschlagspiel, das aus Italien stammt.

Quelle: Tanja Tröger

Es könnte auch gerade ein Tamburello-Turnier stattfinden. Wie am Wochenende in Dresden. Die besten europäischen Teams treffen sich in der Energieverbund-Arena, um den Europacup auszutragen. Die engagierten Tamburellospieler vom SV Sachsenwerk haben es geschafft, diesen Wettkampf zum ersten Mal nach Deutschland zu holen. Zwanzig Mannschaften treten gegeneinander an, neun Damen- und elf Herrenteams. Die Italiener sind die klaren Favoriten, schließlich stammt der Sport von dort. Schon seit Jahrhunderten schlagen die „Stiefel“-Bewohner Bälle mit kleinen Rahmentrommeln hin und her. Allerdings bestehen die Sport-Tamburins inzwischen aus buntem Plastik und Nylon, nicht mehr aus einem mit Tierhaut bespannten Holzrahmen wie einst.

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Zwanzig Tamburello-Teams haben in der Dresdner Energieverbund-Arena um den Europacup gespielt.

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Das Ganze sieht aus wie eine Mischung aus Tennis und Faustball, allerdings ohne Netz oder Band in der Mitte. Mit den Tamburins, deren Nylonmembran extrem hart gespannt ist, kann man den Soft-Tennisball auch mit wenig Kraft in die gegnerische Spielfeldhälfte befördern. Mit bis zu 130 Kilometern pro Stunde pfeift der Ball durch die Luft – da ist es für die Gesundheit der Spieler gut, dass das laute Plopp-Geräusch beim Schlagen daran erinnert: Achtung und Augen auf, jetzt kommt ein scharfes Geschoss. Höchstens ein Mal darf der Ball im Spielfeld aufkommen, ehe er wieder zurückgespielt werden muss.

„Die Italiener sind sozusagen erste Bundesliga, und wir sind Dynamo Dresden.“

Da kommt es vor allem auf Präzision und Taktik an. Also beispielsweise erst mehrere lange Bälle von einem Spielfeldende zum anderen schlagen, und dann einen fiesen schrägen Ball kurz hinter die Mittellinie setzen, erklärt Sebastian Rose vom SV Sachsenwerk Tamburello. Der 29-Jährige ist in Dresden schon ein alter Tamburello-Hase, spielt seit fünf Jahren, und zwar recht professionell, wie er sagt. Die Italiener jedoch seien eine Klasse für sich: „Wir können genauso gut in die Ecken spielen wie die Italiener, aber wir sind deutlich langsamer. Die sind sozusagen erste Bundesliga, und wir sind Dynamo Dresden.“ Wegen dieser überragenden Spielqualität und Erfahrung stehen beim Europacup auch keine deutschen Schiedsrichter am Spielfeldrand, sondern Italiener und Franzosen.

Überhaupt müssen Tamburello-Spieler ein reiselustiges Völkchen sein. Weil es nur wenige Vereine gibt, stehen weite Trips zu Turnieren oder Trainingslagern auf der Tagesordnung. „Unsere Vorbereitung auf den Europacup haben wir beispielsweise in Ungarn absolviert“, sagt Rose. Ihr Status als sportliche Exoten allerdings schweißt die Tamburello-Freunde auch ungewöhnlich stark zusammen. Rose schwärmt mit leuchtenden Augen: „Was ich an dem Sport besonders liebe: dass er nicht kommerziell ist. Alle sind richtig nett, man wird überall mit offenen Armen empfangen.“

In den vergangenen zehn Jahren sei der Sport deutlich bekannter geworden, das merkt Rose deutlich. Wenn er Fremden von „seinem“ Tamburello erzählt, nickten immer mehr Leute wissend. Beim Dresdner SV Sachsenwerk spielen inzwischen 70 Mitglieder, es gibt eine eigene Jugendabteilung, die Damenmannschaft ist Deutscher Meister, und die „alten Herren“ um die 30 haben ihre Plätze in der Turniermannschaft mittlerweile für die nächste Generation freigemacht. Im vergangenen Jahr hat sich sogar eine Tamburello-Gruppe bei der Spielvereinigung Löbtau gegründet.

Am Sonntag werden beim Tamburello-Europacup die Podestplätze ausgespielt und schließlich am Nachmittag die Sieger ermittelt. Um 15 Uhr beginnt das Damen-Finale, 16.30 Uhr ist erster Aufschlag für die beiden besten Herrenteams. Zuschauer sind in der Ballspielhalle der Energieverbund-Arena herzlich willkommen. Für die Finals kostet der Eintritt 5 Euro für Erwachsene und 3 Euro ermäßigt.

ttr

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