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Sachsens Ruderfunktionäre drückten von Dresden aus die Daumen

Siegreiche Doppelvierer Sachsens Ruderfunktionäre drückten von Dresden aus die Daumen

Egbert Scheibe dreht nervös an der Stoppuhr in seiner Hand. Tobias Roßberg blickt fast ungläubig auf die Leinwand, dahinter sitzen daumendrückende Sportler. Im Bootshaus Cotta knistert es förmlich vor Spannung. Trainer, Verantwortliche und junge Athleten hatten sich versammelt, um die olympischen Ruder-Finals der Doppelvierer zu schauen.

Der Präsident des Landesruderverbandes Sachsen, Tobias Roßberg, jubelt beim Ruderer-„Rudelgucken“ in Cotta gemeinsam mit Verbandsgeschäftsführer Bernd Bielig noch über den Sieg des Herren-Doppelvierers, während Philipp Wendes Heimtrainer Egbert Scheibe (v. r.) telefonisch bereits erste Glückwünsche entgegennimmt.

Quelle: Astrid Hofmann

Dresden. Egbert Scheibe dreht immer wieder nervös an der Stoppuhr in seiner Hand. Tobias Roßberg blickt fast ungläubig auf die Leinwand, dahinter sitzen Sportler und drücken ihre Daumen fest aneinander. Im Bootshaus Cotta knistert es gestern kurz nach 15 Uhr förmlich vor Spannung. Trainer, Verantwortliche und junge Athleten haben sich versammelt, um gemeinsam die olympischen Ruder-Finals der Doppelvierer zu schauen.

Als die Männer mit dem Ex-Dresdner und nunmehrigen Berliner Karl Schulze, dem Wurzener Philipp Wende sowie dem Potsdamer Schlagmann Hans Gruhne und dem Rendsburger Lauritz Schoof gestartet sind, macht sich Staunen in den Gesichtern breit. „Das war ja ein super Start“, findet Bernd Bielig, Geschäftsführer des sächsischen Landesruderverbandes. Egbert Scheibe, Heimtrainer von Philipp Wende und Ersatzmann Tim Grohmann, hält es kaum auf seinem Stuhl, er feuert die vier Jungs immer wieder an, vergisst fast seine Uhr in der Hand. Tobias Roßberg, Präsident des Landesruderverbandes, kann es kaum fassen, als das deutsche Quartett nach 1000 Metern klar in Führung liegt: „Die sind ja der Wahnsinn“, entfährt es ihm.

Als zum Schluss die Australier noch einmal an das deutsche Boot herankommen, wird es unruhig vor der Leinwand. Tobias Roßberg faltet seine Hände vorm Gesicht zusammen, Bernd Bielig stampft nervös mit den Füßen auf den Boden und Egbert Scheibe schreit: „Los jetzt, los!“ Dann ist es geschafft. Im Bootshaus springen alle auf, Bernd Bielig stehen die Tränen in den Augen und er liegt sich mit Egbert Scheibe in den Armen.

Tobias Roßberg gesteht: „Ich hätte mich über jede Medaille gefreut. Dass es Gold wird, hätte ich nach diesem Saisonverlauf nie und nimmer gedacht.“ Und auch Bernd Bielig jubelt: „Das ist doch nicht zu fassen, eine absolute Überraschung. Ich hätte auf Platz drei oder vier getippt. Damit hat Sachsen immerhin die erste Medaille bei diesen Spielen gewonnen.“ Jetzt wird erst einmal mit Bier angestoßen. Als dann auch noch der Frauen-Doppelvierer mit der Leipzigerin Annekatrin Thiele Gold gewinnt, perlt der Sekt in den Gläsern.

Tobias Roßberg atmet nach diesem Erfolg sichtbar auf: „Zuletzt wurde unser Bundesstützpunkt immer wieder einmal in Frage gestellt. Ich denke, mit diesen Erfolgen haben wir erneut bewiesen, dass wir seit vielen Jahren sehr gute Ruderinnen und Ruderer ausbilden können. Nach Olympia kommt ja alles auf den Prüfstand, da haben wir jetzt gute Argumente.“

Bernd Bielig meint: „Aus sächsischer Sicht ist das alles top gelaufen. Und da spielt es keine Rolle, für wen der eine oder andere startet. So ist zum Beispiel Philipp Wende Mitglied in seinem Heimatverein Wurzen, startet für die DHfK Leipzig und trainiert in Dresden. Auch Karl Schulze, der seit längerem in Berlin lebt und trainiert, ist noch Mitglied bei der TU Dresden und zählt zu fünfzig Prozent für unseren Stützpunkt. Mit unseren Gedanken sind wir natürlich auch bei Tim Grohmann, der in den bitteren Apfel als Ersatzmann beißen musste. Auch er hat seinen Anteil am Erfolg. Zugleich sehe ich uns aber auch im Anschlussbereich gut aufgestellt, bei den U23-Athleten und den Junioren bis hin zu den Jüngsten, die im Bundeswettbewerb gut abgeschnitten haben. Die beiden Olympiasiege sind für uns deshalb die Krönung eines insgesamt erfolgreichen Jahres.“

Egbert Scheibe, der sich vor Anrufen und Nachrichten auf seinem Handy kaum retten kann, strahlt übers ganze Gesicht: „Nach dem Olympiasieg in London war es diesmal auf jeden Fall viel schwieriger. Ich freue mich riesig für alle Vier. Sie haben nach einer wechselhaften Saison genau zum richtigen Zeitpunkt alles abgerufen, was sie können. Ich hätte mich auch über Bronze gefreut, aber Gold ist einfach überragend. Ich habe aber auch Riesenhochachtung vor Tim Grohmann, der seine Rolle als Ersatzmann die ganze Zeit über angenommen hat und sich als absoluter Teamplayer erwies. Ich hoffe, dass bei der zu erwartenden Umstrukturierung im deutschen Sport die Leistungen unserer Athleten honoriert werden. Schon die Generationen vor uns haben bewiesen, dass man auf der Elbe erfolgreiche Ruderer entwickeln kann.“

Wenn die Gold-Recken zurück in die Heimat kommen, wird es sicher noch mal eine richtige Party im Cottaer Bootshaus geben.

Von Astrid Hofmann

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