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SC Borea Dresden - Selten Sturm, meistens Flaute

SC Borea Dresden - Selten Sturm, meistens Flaute

Mit dem vorletzten Tabellenrang und mickrigen neun Punkte bei einem miserablen Torkonto von 14:42 fällt das Landesliga-Resümee der Hinrunde des SC Borea wahrlich holprig aus.

Dresden.

Von Günther Frank

Dresden. Mit dem vorletzten Tabellenrang und mickrigen neun Punkte bei einem miserablen Torkonto von 14:42 fällt das Landesliga-Resümee der Hinrunde des SC Borea wahrlich holprig aus. André Müller hatte im Sommer gemeinsam mit dem ebenfalls aus Bautzen heimgekehrten ehrenamtlichen Sportdirektor Thomas Baron nach bestem Wissen und Gewissen eine halbwegs landesligataugliche Kolonne zusammengewürfelt. Nach einer akzeptablen Vorbereitungsperiode mit mehreren Kantersiegen sowie zwei Auftakt-Remis (2:2 in Freiberg, 1:1 zu Hause gegen Döbeln) gelangen der selbsternannten Nummer zwei in Fußball-Dresden lediglich zwei Heimsiege gegen Radebeul (1:0) und Leutzsch (2:1). Im weiteren Verlauf folgten Klatschen wie das (verzeihliche) 0:5 gegen Oberligist Bautzen im Pokal, das 1:6 in Kamenz, das 1:5 gegen RB Leipzig II, ein 1:7 bei Chemie Leipzig und ein 0:5 in Görlitz.

Ende Oktober kündigte André Müller aus unklaren Gründen; Co-Trainer Thomas Lauke betreute das unglückliche Last-Minute-3:4 beim FSV Zwickau II. Dann übernahm auf Vermittlung von Volkmar Köster der 44-jährige Kriminalhauptkommissar im LKA Sachsen Kay Mattheß, vorher jahrelang bei Dynamo im Nachwuchs tätig und zuletzt Trainer bei Traktor Priestewitz in der Kreisoberliga Meißen. Bei seinem Debüt gegen Budissa Bautzen II kassierten die "Oranjes" den 1:1-Endstand in der 95. Minute. Danach setzte es vier Niederlagen. "Von den Ergebnissen her sieht es nicht so rosig aus; ein Punkt ist zu wenig", fasst sich Mattheß in seinem persönlichen Rückblick kurz. "Wir müssen unbedingt den Abstiegsrang verlassen." Mattheß hatte bei seinem Amtsantritt "starke konditionelle Nachteile erkannt, da müssen wir weiter dran arbeiten." In der Tat erzielten die Jungs die meisten ihrer Tore vor der Halbzeit und kassierten die Mehrzahl der Gegentreffer nach der 60. Minute.

In der Zuschauer-Resonanz verzeichnete der Nordwind (italienisch: borea) meist bessere Zahlen als zu Oberliga-Zeiten, wobei die Gäste mit oft mehreren Dutzend Schlachtenbummlern dazu ihr Scherflein beitrugen.

Der Arbeitsnachweis weist Felix Graage als Fleißigsten aus; er bestritt alle 14 Punktspiele, davon zwölf über die volle Zeit, und brachte es auf 1170 Einsatz-Minuten. Martin Schiefner und Dieter Kling führen mit je drei Treffern die interne Torjäger-Liste an, gefolgt von Maximilian Dietze mit zwei Einschlägen. Erik Talke verwandelte zwei Foulstrafstöße.

Die Rote Laterne in der Fairness-Tabelle mit zwei Roten und drei Ampelkarte lässt sich etwas relativieren. In Freiberg sahen nach dem Abpfiff Maximilian Kaboth Gelb-Rot wegen Ballwegschlagens und Nico Talke Dunkelrot wegen einer angeblichen Tätlichkeit. Erik Talke wurde gegen die Budissa-Zweite ebenfalls erst kurz vorm Kabinengang von Schiedsrichterin Daniela Illing (Limbach-Oberfrohna) mit der Ampelkarte abgestraft, weil er sich über die reichliche Extra-Zeit beschwerte. Torwart Michael Druch sah sich bei Chemie Leipzig nach einem Foul an ihm und anschließender Revanche vom Referee ungerechtfertigt behandelt und flog vorzeitig vom Feld.

Thomas Baron hat sich, "was die Männermannschaft betrifft, selbst einen Maulkorb erteilt, weil die Statistik alles aussagt", lässt sich dennoch ein paar Worte entlocken: "Wir haben die Truppe im Sommer für'n Äppel und 'n Ei zusammengestellt. André Müller, der mit der schwierigen Situation nicht klar gekommen ist, hat eine Riesenlücke, ein regelrechtes Vakuum hinterlassen. Sein Nachfolger war in einer ganz schweren Ausgangsposition, eine so komplizierte Mannschaft zu übernehmen. Jetzt muss er die verworrene Kiste retten, dabei ein Maß finden. Es ist wie bei einer Pflanze, wenn du die zu viel düngst, übersteht sie eine Dürre nicht, andererseits, wenn sie zu wenig gegossen wird, verdorrt sie. Und: Die Mannschaft muss an den Klassenerhalt und an den Trainer glauben."

Lichtblick im Borea-Lager: Die A-Junioren von Trainer Thomas Baron und die B-Junioren von Coach Thomas Klippel sind in ihren Landesligen souveräne Spitzenreiter, was den Sportdirektor begeistert: "Wir haben die Substanz ausgeschöpft. Die A-Jugend hat gute Aussichten auf den Wiederaufstieg. Die B-Junioren sollten mindestens auf dem Relegationsplatz landen."

Präsident Peter Hering, seit März im Amt, zieht seine Bilanz: "Wir sind auf einem guten Weg. Sportlich sind wir im Nachwuchsbereich ansprechend unterwegs aufgrund der lobenswerten Arbeit der Verantwortlichen unter Führung von Thomas Baron. Die derzeit laufenden Hallenturniere finden eine sehr positive Beteiligung mit einer gigantischen Zahl von Mannschaften, wie es sie nie zuvor gegeben hat. Bei den Männern müssen wir gucken. Im Rahmen eines im Sommer kurzfristig zusammengestellten Teams ist es okay. Aber mit dem Abstiegsplatz können wir nicht zufrieden sein. Die zweite Halbserie müssen wir vernünftig in den Griff kriegen und uns mit der zur Verfügung stehenden Truppe

ordentlich vorbereiten. Den Klassenerhalt kann keiner garantieren. Aber es war und ist wichtig, den Liga-Betrieb aufrechtzuerhalten."

Zur wirtschaftlichen Konsolidierung gibt der 50-jährige geschäftsführende Gesellschafter der Veaxo GmbH (Fördertechnik und Anlagenbau), dessen Firma auch den Wildschwein-Zaun zum Spielfeld spendierte, zu Protokoll: "Wir sind trotz einiger Störfeuer einen deutlichen Schritt weitergekommen. Wir sind heute in einer Situation, wo vieles geklappt hat, aber auch noch viele Engpässe bestehen. Es hat sich einiges stabilisiert, damit wir die Tür nicht zuschließen müssen. Doch das Schwert hängt immer noch über uns. Die Vereinbarungen mit den Gläubigern sind durch, vieles - wie die Grundschuld - ist erledigt, auch wenn wir es dieses Jahr noch nicht ganz schaffen. Wir haben engagierte Unterstützung durch die Stadt, die Sparkasse und den Kreissportbund erfahren."

Mitte letzter Woche fand die Weihnachtsfeier der Männermannschaft mit allen Übungsleitern und Verantwortlichen statt. Am 7. Januar bittet Kay Mattheß seine Schäfchen zum Aufgalopp; mit einigen Testspiel-Gegnern wie Post Dresden wurden bereits Vereinbarungen getroffen, andere mussten wegen anstehender Nachhol-Termine in der Liga abgesagt werden: am 2. Februar geht es gegen den BSC Freiberg und am 16. Februar gegen den VfL Hohenstein-Ernstthal

Die A-Junioren gestalteten ihren Jahresabschluss mit der Reise zur Bundesliga-Partie von Borussia Mönchengladbach gegen Mainz 05 (2:0) gemeinsam mit ihren Altersgenossen vom Hoyerswerdaer SV, trafen sich dabei mit U21-Nationalspieler Tony Jantschke. Der am 7. April 1990 geborene jetzige Gladbach-Profi lernte das Fußball-ABC bei den Lausitzern und durchlief dann von 2001 bis 2006 die Nachwuchsschule des damaligen FV Dresden-Nord, ehe er an den Niederrhein wechselte. Als Überraschungsgast tauchte Jantschke am Donnerstag dann auch bei der Internatsweihnachtsfeier zu einer Autogramm- und Fragestunde auf. Thomas Baron, der Tony Jantschke während dessen Ausbildungsjahren im Dresdner Norden unter seinen Fittichen hatte und "einen guten Draht" zu ihm hat, verriet: "Eigentlich hatten wir uns für Freitag zum Frühstück verabredet, aber gegen 21 Uhr stand Tony plötzlich in der Tür." Baron freut sich zudem auf Heiligabend: "Seit 20 Jahren treffen sich zwischen 10 und 13 Uhr die Ehemaligen zu einem Trainingsbäbbelchen."

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 24.12.2012

(DNN erfuhr, dass einige Abmeldungsanträge vorliegen)Günther Frank

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