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Politiker und Ex-Profis kritisieren Pokal-Ausschluss von Dynamo Dresden

Politiker und Ex-Profis kritisieren Pokal-Ausschluss von Dynamo Dresden

Dresden. Nach dem Urteil des DFB-Sportgerichtes zum Ausschluss der SG Dynamo Dresden aus dem DFB-Pokal für die kommende Saison berät der Club über das weitere Vorgehen.

„Wir haben das Urteil des DFB-Sportgerichts am Donnerstagabend mit großer Enttäuschung zur Kenntnis genommen. Wir warten jetzt die schriftliche Urteilsbegründung ab und beraten uns dann intensiv und in aller Ruhe mit unserem Rechtsanwalt Christoph Schickhardt, wie wir darauf reagieren werden. Mehr möchte und kann ich im Moment nicht dazu sagen", teilte Geschäftsführer Volker Oppitz in einer schriftlichen Stellungnahme mit. Der Verein kann binnen einer Woche Berufung vor dem DFB-Bundesgericht einreichen.

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Hans E. Lorenz (DFB-Sportrichter): „Tote gab es noch nie in unseren Stadien. Wenn es so weitergeht, ist es nur eine Frage der Zeit, bis es Tote gibt.“

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Präsident Andreas Ritter zeigte sich am Freitag betroffen. „Ich bin zutiefst enttäuscht. Wenn man das Urteil der beiden Vereine ansieht, dann ist es in höchstem Maße befremdlich, dass bei uns an der Höchststrafe festgehalten und die Strafe für Dortmund abgemildert wird. Es ist fast schon ein Affront gegenüber Dynamo Dresden."Das Vereinsoberhaupt zeigte sich vor allem enttäuscht darüber, dass vom Club initiierten Maßnahmen nicht berücksichtigt wurden. So spielte der Verzicht auf eigene Fans in der Partie beim St. Pauli bei der Urteilsfindung keine Rolle. „Es wurde einfach mit der Höchststrafe operiert und kein gemeinsamer Lösungsweg gesucht", meinte Ritter. „Es ist nicht nur ein extremer finanzieller, sondern vor allem ideeller Schaden entstanden. Die wichtigste Botschaft, die ich rüberbringen möchte ist, dass es für unsere Fans darum geht, Besonnenheit walten zu lassen. Wir wollen zeigen, dass Gewalt im Stadion nicht dazu gehört."

Nach den Vorkommnissen beim DFB-Pokalspiel in Dortmund, bei dem Dresdner Fans randaliert hatten, sich Auseinandersetzungen mit der Polizei und Ordnern lieferten und für drei Spielunterbrechungen sorgten, hat der Deutsche Fußball-Verband DFB Dynamo für die kommende Saison aus dem Pokal ausgeschlossen. Den Dresdnern entgehen damit wichtige Einnahmen in Höhe von mehreren hunderttausend Euro. Finanziell bleibt der Pokalausschluss trotzdem die mildere Strafe. Zwei Geisterspiele in der Liga, die ebenso zur Diskussion standen, würden Dynamo vermutlich noch teurer kommen.

Dynamo hatte das Urteil im Vorfeld als unangemessen hoch bezeichnet. Viele Fans werfen dem Verband nun vor, mit zweierlei Maß zu messen. Denn das Gewalt-Problem ist keine Dresdner Besonderheit. Für Dynamo kommt allerdings erschwerend hinzu, dass der Verein einschlägig vorbestraft ist. Allein in dieser Saison musste der Club bereits 27.000 Euro Strafe für das Fehlverhalten der eigenen Anhänger zahlen. Nicht weniger als 28 Mal wurde der Club seit 2002 wegen des schlechten Benehmens seiner Anhänger durch den DFB bestraft. „Vielleicht ist das ein Zeichen des DFB. Die Fans müssen mal über den Tellerrand hinaus blicken", äußerte Bayern-Vorstand Karl-Heinz Rummenigge bei „Welt online" Verständnis für den Spruch von Frankfurt. „Der DFB wird sich diese Entscheidung gut überlegt haben."

Die Fangemeinschaft Dynamo Dresden e.V. kündigte bereits an, das Urteil nicht hinnehmen zu wollen. Alle in Fans, die in Dortmund dabei waren, wurden aufgerufen, ihre Erlebnisse zu dokumentieren. Die Sammlung aller Schilderungen soll dann dem Verband übergeben werden. „Der Verein wird sehr wahrscheinlich Rechtsmittel gegen das Urteil einlegen. Er wird auf sachlicher Ebene versuchen, Gerechtigkeit zu erlangen. Die Fangemeinschaft Dynamo will diesen Weg mit Emotionen begleiten und dafür sorgen, dass dem DFB in seinen führenden Personen bewusst wird, dass die emotionale Reaktion aus Dresden die Hilflosigkeit des Verbandes entlarven und seine Gerichtsbarkeit ad absurdum führen wird", heißt es in einer Erklärung vom Freitag.

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Der Verein wehrt sich gegen den Pokalausschluss juristisch.

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Auch von Seiten der Dresdner Politik gibt es Kritik am Strafmaß. Dresdens Sport-Bürgermeister Winfried Lehmann (CDU) meinte am Freitag: „Die Vorfälle in Dortmund sind zwar in keiner Weise zu entschuldigen, dennoch ist es eine harte, unverhältnismäßige Entscheidung. Man hätte alles in den Kontext zu den anderen Szenarien anderer Vereine setzen müssen."

„Das Urteil würdigt in keiner Weise die besonnenen aber auch konsequenten Reaktionen des Vereins auf die Ausschreitungen von Dortmund. Den schwarzen Peter im vollen Umfang dem Verein in die Schuhe zu schieben, ist auch im höchsten Maße ungerecht. Dieses Urteil ist Wasser auf die Mühlen von Scharfmachern", so der sportpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion im Dresdner Stadtrat, Thomas Trepte. Der Verein brauche jetzt die Solidarität der Politik und eine engagierte Unterstützung der Fanarbeit. „Wir hoffen, dass dieses Urteil nicht das Ende der Fahnenstange ist", sagte Trepte.

„Das ist nun tatsächlich das befürchtete Exempel, das der DFB an Dynamo Dresden statuiert", teilte Verena Meiwald, die sportpolitische Sprecherin der Linken-Fraktion im Landtag mit. Ich erwarte, dass der DFB bei anderen in Rede stehenden Vergehen in gleichem Maße reagiert. Ansonsten drängt sich der Verdacht auf, dass hier nur ein Sündenbock für das Versagen des gesamten Fußballverbandes gesucht wurde.

Dynamo-Legende Hans-Jürgen Dörner bezeichnete das Urteil als „sehr hart. Ich denke, dass eine Geldstrafe auch angemessen gewesen wäre und ich hoffe, dass die Leute, die die Ausschreitungen verursacht und mitgemacht haben, nun sehen, welchen Schaden sie anrichten."

Stephan Lohse/dpa

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