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Olympische Winterspiele in Sachsen? Für Ulbig eine „Schnapsidee“

Sportförderung Olympische Winterspiele in Sachsen? Für Ulbig eine „Schnapsidee“

Sachsens Sport- und Innenminister, Markus Ulbig (CDU), will weiter in den Spitzen- und Breitensport im Freistaat investieren. Mit Großevents soll das angekratzte Image des Landes aufpoliert werden. Olympia erteilt Ulbig aber eine Absage.

Zu den bereits feststehenden Großveranstaltungen gehört auch die Short-Track-EM in Dresden.

Quelle: dpa

Dresden. Der Freistaat Sachsen hat seit 2013 mehr als 94 Millionen Euro in Sportstätten investiert. Damit wurden bis dato 649 Baumaßnahmen im Bereich des Breiten- wie auch des Leistungssports gefördert, sagte Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU), der auch für Sport zuständig ist, am Dienstag in Dresden. „Die Gebäudesubstanz unserer Sportstätten zu vernachlässigen und einen Investitionsstau langfristig in Kauf zu nehmen, war und darf auch künftig kein Weg für Sachsen sein“, machte Ulbig mit Blick auf die laufenden Haushaltsverhandlungen klar. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten zur Sportförderung.

Wie hat sich die Sportförderung in Sachsen entwickelt?

Nach den Sparhaushalten bis 2012 hat der Freistaat seine Investitionen wieder nach oben geschraubt. In den Jahren 2013 und 2014 wurden jeweils 27 Millionen Euro in Sportstätten gesteckt, im vergangenen Jahr waren es 18 Millionen Euro, in diesem Jahr sind es 22,4 Millionen Euro. „Vernünftige Sportstätten sind die Basis, dass sich der Breiten- wie auch der Spitzensport weiterhin so gut entwickeln kann“, sagt Ulbig. So sei die Mitgliederentwicklung beim Landessportbund trotz des demografischen Wandels positiv: 641 000 Sachsen treiben in fast 4500 Vereinen Sport. Neben der Förderung von Sportanlagen stehen im Doppelhaushalt 2015/2016 knapp 20 Millionen Euro für den konsumtiven Bereich – also für die Organisation des Sports, für Vereinsleben, für Trainer – zur Verfügung.

Weshalb müssen Sportvereine dennoch auf Hallenzeiten und Platzbelegungen warten?

Der Landessportbund (LSB) spricht aktuell von etwa 500 Millionen Euro Investitionsbedarf – diese Summe sei realistisch und beruhe auf dem tatsächlichen Zustand der Sportstätten, erklärt LSB-Generalsekretär Christian Dahms. Man dürfe nicht nur auf die Vorzeigeobjekte schauen, sondern müsse gerade im Breitensport viel stärker hinsehen. Die steigenden Mitgliederzahlen bei Vereinen dürften nicht durch marode oder fehlende Sportstätten konterkariert werden. Dem stimmt der Sportminister in Teilen zu: „Es gibt einen Investitionsstau bei den Sportanlagen. Wenn wir in die Zukunft sehen, müssen die Investitionen aber maßvoll und mit dem Haushalt verträglich sein.“

Wird es in Zukunft mehr Geld für den Sport in Sachsen geben?

Wohl kaum. Momentan laufen die Verhandlungen für den Doppelhaushalt 2017/2018 – und Finanzminister Georg Unland (CDU) ist stark bemüht, die Begehrlichkeiten seiner Kabinettskollegen trotz sprudelnder Steuereinnahmen zu zügeln. Eine Steigerung des Sport-Postens sei schwierig, gibt Ulbig einen Einblick in das Tauziehen um jeden Euro. Dennoch adressiert der Sportminister eine klare Botschaft an den Kassenwart: „Wir brauchen einen Betrag, der an die aktuellen Mitgliederentwicklungen angepasst werden muss. Es darf keinen Abbruch, sondern es muss Zuverlässigkeit geben.“ Wichtig sei ihm dabei, die kleinen Vereine nicht aus dem Blick zu verlieren, so Ulbig, bei denen „schon mit Investitionen von unter 125 000 Euro, zum Beispiel in einen neuen Sanitärtrakt, viel erreicht werden kann“.

Wird es Abstriche bei den Großveranstaltungen geben, um kleine Vereine stärker unterstützen zu können?

Nein – im Gegenteil. Der Freistaat startet eine Charmeoffensive: Mit internationalen Wettkämpfen soll in der nächsten Zeit auch das im Ausland ramponierte sächsische Image aufpoliert werden, die Stichworte dafür lauten Pegida und Legida, Asylproteste und Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte. Zu den bereits feststehenden Großveranstaltungen zählen unter anderem die Handball-WM der Frauen und die Fecht-WM in Leipzig, die Short-Track-EM in Dresden sowie die Winter-Weltcups in Klingenthal, Oberwiesenthal und Altenberg. Für diese drei Standorte mit Schanzen, Loipen und Eiskanälen seien Weltcups „das Minimum“ – demnächst sollen also wieder Weltmeisterschaften in Sachsen stattfinden.

Welche Chancen haben Olympische Spiele in Sachsen?

Um es ganz klar zu sagen: Keine! Das Ansinnen, in Deutschland Olympische Spiele auszurichten, habe zwei Mal (in Bayern und Hamburg) „eine Bauchlandung erlebt“, erklärt Ulbig – deshalb sei eine abermalige deutsche Bewerbung in den kommenden Jahren „nicht vorstellbar“. Der Freistaat Sachsen werde solche Bemühungen keinesfalls unterstützen. Zuletzt hatte es eine Initiative gegeben, die das Erzgebirge und Altenberg im Besonderen als Austragungsort für Olympische Winterspiele ins Gespräch gebracht hatte. Ulbig spricht in diesem Zusammenhang von einer „Schnapsidee“. „Wir können die Welt nicht guten Gewissens nach Sachsen einladen, schon allein wenn man sich die Klimaentwicklung anschaut. Es hat schon genügend Weltcups gegeben, die deshalb andernorts abgesagt werden mussten.“

Von Andreas Debski

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