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Neues Glück an der Oberelbe - Wolfgang Hesl ist zu Dynamos Nummer eins aufgestiegen

Neues Glück an der Oberelbe - Wolfgang Hesl ist zu Dynamos Nummer eins aufgestiegen

Die neue Wohnung in der Altstadt hat er frisch bezogen, nun möchte sich Wolfgang Hesl auch im Dynamo-Tor einrichten. Die Chancen dafür stehen blendend für den Oberpfälzer, sein Pflichtspieldebüt beim umjubelten 4:2-Sieg in München war ein Einstand nach Maß.

Doch mühsam erobertes Terrain will verteidigt sein - auch am Samstag in einem Testspiel beim Landesligisten FC Grimma (Anstoß 14 Uhr). Obwohl ihm im Stadion der Freundschaft Langeweile droht, geht er die Partie professionell an: "Es kann dir auch in einem Pflichtspiel passieren, dass du 80 oder 88 Minuten nicht gefordert wirst. Dann musst du trotzdem für den einen Ball da sein."

Voll da ist Hesl, seit er Mitte August bei Dynamo einen Zweijahresvertrag unterschrieb. "Er hat von der ersten Sekunde an bewiesen, dass er ein Top-Profi ist. Er hat sehr hart trainiert, sich voll reingekniet und den Konkurrenzkampf angenommen", bescheinigt Trainer Ralf Loose dem 25-Jährigen Ehrgeiz und Fleiß. Und so hielt der Coach auch Wort und gab ihm eine Chance, als der zunächst gesetzte Dennis Eilhoff in neun Spielen 18 Gegentore kassiert hatte.

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Steffen Menze ist der Sportliche Leiter von Dynamo Dresden.

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Bei Vertragsunterzeichnung hatte man Hesl versichert, dass der ältere Ex-Bielefelder kein Abo auf den Platz im Tor beanspruchen dürfe, obwohl er mehr Profi-Einsätze vorweisen kann und als Nummer eins geholt worden war. Es werde allein nach Leistung aufgestellt, hätten ihm Loose und Sportchef Steffen Menze versprochen, blickt Hesl zurück: "Das klang alles sehr überzeugend, und ich habe mir gesagt: Ich nehme diesen Zweikampf an."

Vor hochklassiger Konkurrenz fürchtete sich der in Nabburg geborene Hesl nicht, die ist er gewohnt. Mit Manuel Neuer und Florian Fromlowitz gehörte er der deutschen U18-Auswahl an. Beim Hamburger SV hielt der 2004 vom FC Amberg als A-Jugendlicher gekommene Torwart - er hatte zuvor mit der Bayern-Auswahl den Länderpokal gewonnen - über Jahre so gut, dass ihn Trainer Huub Stevens zu den Profis holte. In der "Zweiten" unter Karsten Bäron hatte er überzeugt, im Dezember 2006 auch beim 1:0 gegen Dynamo seinen Kasten sauber gehalten. Ab der Saison 2007/08 machte ihn Stevens zum Stellvertreter von Frank Rost. "Ihm habe ich den festen Sprung in den großen Kader zu verdanken", erinnert sich Hesl gern an diese Zeit, in der er sich gegen Stefan Wächter und Sascha Kirschstein durchsetzte.

Am 17. Mai 2008 feierte er beim 7:0 gegen Karlsruhe als Einwechsler sein Bundesliga-Debüt. Dass sein 45-minütiger Einsatz am 28. Februar 2010 beim 0:1 bei den Bayern, als er Rost zur Pause ersetzte und nur durch Franck Ribéry bezwungen wurde, sein zweites und vorerst letztes Spiel in Deutschlands Eliteliga bleiben würde, ahnte niemand. Wenig später unterschrieb Hesl noch unter Trainer Bruno Labbadia für weitere zwei Jahre, sein Weg zur Nummer eins schien vorgezeichnet. "Die Abmachung war, dass ich mich mit Frank Rost abwechsle, um meine Spiele zu bekommen und zu sehen, ob ich das kann", erinnert sich Hesl, "doch die war nach zwei Monaten hinfällig."

Armin Veh, inzwischen auf dem Trainerstuhl, holte den erfahrenen Jaroslaw Drobny - und der junge Hesl war weg vom Fenster. "Da war die Enttäuschung groß", gesteht er. Dass er kurzfristig zum SV Ried ausgeliehen wurde, erwies sich als Glück im Unglück. "Das Jahr in Österreich hat mir sehr gut getan", so Hesl heute. Als Stammkeeper Thomas Gebauer (Kreuzbandriss) ausfiel, packte der Bayer, den alle für einen "Fischkopp" hielten, seine Chance beim Schopfe. 20 Punktspiele machte er, und Ried wurde mit der Leihgabe von der Elbmündung Herbstmeister und Pokalsieger: "Mein größter Erfolg bislang."

In Oberösterreich wurde Ralf Loose nicht zum ersten Mal auf Hesl aufmerksam, er hatte ihn schon einmal bei der U23 des HSV gesehen. Als Benjamin Kirsten langfristig ausfiel, holte der Dortmunder Erkundigungen bei Rieds Trainer Paul Gludovatz und Journalisten ein, dann fragte Dynamo in Hamburg an. Hesl, der auch bei RB Leipzig hoch gehandelt wurde, überlegte nicht lange: "Ich habe innerhalb von zwei, drei Tagen zugesagt." Die Vergangenheit des Klubs, die große Fanschar und die Stadt hätten ihn beeindruckt.

Enttäuscht wurde er bislang nicht. "Ich bin von den Leuten, die zum Training kommen, herzlich empfangen worden. In der Mannschaft gibt es auch keine Grüppchen", sagt er. Seit seinem Dynamo-Debüt in München, wo seine Frau Stephanie Spanisch, Deutsch und Geschichte auf Lehramt studiert und ihn nach dem Sensationssieg über die "Löwen" in die Arme schloss, stimmt es auch sportlich. Noch halten sich Autogrammwünsche in Grenzen, doch das wird sich ändern. "Wenn ich darum gebeten werde, erfülle ich sie aber gern. Das gehört dazu und ist ja auch eine Bestätigung für gute Arbeit", meint Hesl.

Seinem Ex-Kollegen Drobny geht es derzeit nicht so gut, er wird wüst von einigen HSV-Fans beschimpft. "Das wünscht man niemandem", fühlt Hesl mit dem Tschechen. "Auch wenn die Leistung noch so schlecht ist, gehört sich das nicht, den eigenen Spieler zu vernichten", ist er empört. Er hofft, dass ihm bei Dynamo nicht irgendwann Ähnliches widerfährt. Doch danach sieht es derzeit nicht aus.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 08.10.2011.

Jochen Leimert

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