Volltextsuche über das Angebot:

22 ° / 14 ° Regenschauer

Navigation:
Google+
Neuer Anlauf am Tsartse - Sächsische Himalaya-Expedition startet am 12. April nach Nepal

Neuer Anlauf am Tsartse - Sächsische Himalaya-Expedition startet am 12. April nach Nepal

Seit ihrer letzten großen Achttausender-Expedition im Jahr 2003 zum Dhaulagiri (8167 Meter) sind einige Jahre vergangen, doch mit dem Bergsteigen im Himalaya haben Frank Meutzner und Götz Wiegand keineswegs abgeschlossen.

Von JOCHEN LEIMERT

Immer wieder reisen die beiden Dresdner Alpinisten nach Nepal oder ins angrenzende Tibet, um dort kleinere, weniger frequentierte Gipfel zu erkunden. Am 12. April geht es wieder los, dann startet das Duo gemeinsam mit Holger Lieberenz (Dresden) und dem Rumänen Constantin Lacatusu zum 6343 Meter hohen Tsartse. Der Berg erhebt sich zwischen dem Hidden Valley und dem Kali-Gandaki-Tal und ist noch nie bezwungen worden. "Eine Erstbesteigung hat immer ihren ganz besonderen Reiz, wenn man keiner bekannten Route folgen kann und sich seinen Weg selbst suchen muss. Du kannst nichts dazu nachlesen, musst vor Ort entscheiden, ob du links oder rechts gehst", freut sich Meutzner auf das kommende Abenteuer.

Ganz ins Unbekannte startet das Quartett freilich nicht, denn Meutzner und Wiegand kennen den Höhenzug, zu dem der Tsartse zählt, schon von früheren Expeditionen. Im Jahr 2000 erkundeten sie erstmals den Mukut Himal, zu dem damals noch vier unbestiegene Gipfel gehörten. 2003 bestiegen sie zwei davon: den Tashi Kang (6386 Meter) und einen 6199 Meter hohen, bis dato namenlosen Gipfel. 2006 war der Tsartse Ziel einer weiteren Unternehmung, bei der auch Lacatusu zum Team gehörte. Den ersten Rumänen, der auf den höchsten Bergen der Kontinente ("Seven Summits") stand, hatten Meutzner und Wiegand auf Vermittlung von Elizabeth Hawley kennen gelernt. Die legendäre US-Amerikanerin, die in Kathmandu lebt und akribisch Chronik über Himalaya-Expeditionen führt, hatte bei den Sachsen angefragt, ob der noch nach einem lohnenden Ziel suchende Lacatusu teilnehmen dürfe. "Wir waren damals drei Wochen zusammen unterwegs und es war sehr lustig mit ihm", erinnert sich Meutzner an die erste gemeinsame Tour. Vom erhofften Erfolg gekrönt war die Expedition allerdings nicht, die geplanten Aufstiegsrouten erwiesen sich als unbegehbar. "Der Grat war so stark überwächtet (Anm. d. Red.: er hatte einen Schneeüberhang), dass wir auf eine Besteigung verzichten mussten", blickt Meutzner zurück.

Dafür wandte sich das Team 2006 einem weiteren, noch namenlosen Gipfel zu, den man erfolgreich erklomm und später Peak Europe nannte. Beim Rückweg von diesem 6403 Meter hohen Giganten mussten die Alpinisten wegen eines Wettersturzes in ein unbekanntes Tal absteigen. "Dabei haben wir eine mögliche Aufstiegsroute zum Tsartse entdeckt", berichtet Meutzner.

Der letzte noch unbestiegene Gipfel dieser Vierergruppe im Mukut Himal blieb seitdem im Gedächtnis der Sachsen haften. Und als sie Lacatusu fragten, ob er wieder mit dabei sein wolle, nahm "Ticu" die Einladung aus Elbflorenz gern an. "Wir gehen davon aus, dass es in diesem Jahr passt, wenn die Bedingungen stimmen", zeigt sich Meutzner, auch bekannt als Organisator des Dresdner Bergfilmfestivals "Bergsichten", zuversichtlich. Liegt zu viel Neuschnee und wird es zu gefährlich, dann will der 47-jährige Familienvater nichts riskieren: "Dann drehen wir auf der Haxe um und gehen zurück."

Meutzner weiß aus eigener Erfahrung, wie schnell es in großen Höhen brenzlig werden kann. Am unweit des Tsartse liegenden Dhaulagiri riss ihn 2003 kurz vorm Gipfel ein abstürzender Bergsteiger einer zeitgleich aufsteigenden kommerziellen Expedition mehrere hundert Meter mit in die Tiefe. Nur knapp entging der Dresdner damals dem Tod. Daran wird er nun beim Aufstieg zum Tsartse wieder erinnert: "Der Dhaulagiri liegt gegenüber, du schaust voll auf die Aufstiegsroute." Weil es dort wie an den meisten Achttausendern von geübten Bergsteigern, aber auch untrainierten Abenteurern nur so wimmelt, nehmen Meutzner und Wiegand seit Jahren lieber weniger begehrte Ziele in Angriff und meiden die Todeszone, die bei 8000 Metern Höhe beginnt. "Weil wir am Dhaulagiri solch ein schlechtes Erlebnis hatten, sind wir nun am Tsartse", bringt es Frank Meutzner auf den Punkt. Dass das Permit viel günstiger ist, hat neben der Ruhe am Tsartse auch seinen Vorteil.

Akklimatisieren wird sich die Gruppe, die ohne Hochträger auskommen will, drei Wochen im Annapurna-Gebiet. "Dort besteigen wir schon einen kleinen Sechstausender", so Meutzner. Dann geht es ins Tsartse-Basislager, beim Zustieg zum Gipfel ist ein Hochlager geplant. Auf dem Weg nach oben und zurück verzichten Meutzner, Wiegand, Lieberenz und Lacatusu diesmal sogar auf ein Küchenteam. Wahrscheinlich greift die alte Regelung, die Wiegand und Meutzner seit Jahren praktizieren, wenn sie zu zweit unterwegs sind: "Wir teilen uns auf: Götz ist immer der Frühstückskoch und ich bin immer der Abendkoch." War die Kost letztlich nahrhaft und das Wetter milde genug, dann wollen die vier Europäer am 18. Mai als Erstbesteiger gesund und munter zurück in Europa sein.

Weitere Informationen zur Expedition und zur Grußpostkartenaktion gibt es unter: www.himalaya-saxonia.de.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 04.04.2012

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Regionalsport
  • Semperopernball
    Semperopernball

    Alle Infos, alle Highlights, die schönsten Bilder - der Semperopernball in Dresden. mehr

  • 13. Februar

    Ob Gedenken, Täterspuren oder Menschenkette: Alle Infos finden sie in unserem Special zum 13. Februar in Dresden mehr