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Nachwuchs-Bundestrainer Jens Tietböhl: „Talente brauchen Geduld“

Volleyball Nachwuchs-Bundestrainer Jens Tietböhl: „Talente brauchen Geduld“

Rund 40 junge Volleyballerinnen der Jahrgänge 2000/01 aus mehreren deutschen Bundesstützpunkten trainierten am vergangenen Wochenende gemeinsam in Dresden. Wir sprachen mit Jens Tietböhl über die Stützpunkt-Serie, die Entwicklung des Nachwuchses in Deutschland und speziell in Dresden.

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Jens Tietböhl betreut als Bundestrainer die besten deutschen Volleyball-Talente. Am Wochenende war er mit ihnen in Dresden.

Quelle: Archiv

Dresden. Rund 40 junge Volleyballerinnen der Jahrgänge 2000/01 aus mehreren deutschen Bundesstützpunkten trainierten am vergangenen Wochenende gemeinsam in Dresden. Hintergrund ist eine Sichtungsoffensive des Deutschen Volleyball-Verbandes (DVV), bei der Bundestrainer Jens Tietböhl zugleich den Kader für ein Acht-Nationen-Turnier Ende Juli in Portugal und langfristig für die U18-EM 2017 in den Niederlanden zusammenstellt. Wir sprachen mit Jens Tietböhl über die Stützpunkt-Serie, die Entwicklung des Nachwuchses in Deutschland und speziell in Dresden.

Frage: Wie kam es zur Idee diese Stützpunktserie zu installieren?

Tietböhl: Es gab schon einmal 2006 eine solche Serie. Aus dem damaligen Jahrgang von 1990 gingen solche erfolgreichen Spielerinnen wie Lenka Dürr, Lena Möllers oder Beachprofi Kira Walkenhorst hervor, die unter anderem auch Junioren-Weltmeister wurden. Diese Idee von damals wiederzubeleben und die Talente aus unseren fünf Bundesstützpunkten von Berlin, Schwerin, Stuttgart, Münster und Dresden gemeinsam trainieren zu lassen, wurde im September vergangenen Jahres von den Mitgliedern der weiblichen Trainerkommission beschlossen. Da die finanziellen Möglichkeiten des DVV begrenzt sind und die Spielerinnen im Juni kein größeres Programm haben, sind die Stützpunkte Münster, Dresden und Schwerin Gastgeber solcher Trainingstage. Dabei übernehmen sie auch die Organisation und den Hauptteil der Kosten.

Was erhoffen Sie sich von dieser Serie?

Der Vorteil ist, dass nicht nur die etwa 20 Spielerinnen, die zum Auswahlkader gehören, dabei sind, sondern dass wir viel mehr Talente der Stützpunkte sehen als bei den üblichen Lehrgängen. Sie können sich präsentieren, nicht nur sportlich. Wir sehen auch, wie ihr Sozialverhalten ist, wie sie im Team arbeiten und vieles mehr. Und natürlich können wir Trainer uns intensiv austauschen, wie wir die Ausbildung des Nachwuchses in Deutschland gestalten, über Technik und Taktik.

Wie schätzen Sie das Niveau des Nachwuchses derzeit ein?

Die Landesverbände haben in den letzten Jahren erkannt, dass sie viel mehr in die Sichtung investieren müssen. Die AOK-Schultour beim DSC ist zum Beispiel richtig gut. So gibt es inzwischen wieder deutlich mehr großgewachsene und gut ausgebildete Mädchen. In Dresden denke ich zum Beispiel an Camilla Weitzel, Elena Kömmling, Deborah Scholz, Patricia Nestler oder Lydia Stemmler, die alle zum U17-Kader gehören.

Trotzdem haben es in den letzten Jahren kaum noch Talente des Dresdner Stützpunktes ins Erstliga-Team geschafft. Wo sehen Sie Ursachen?

Zum einen gab es sicher zuletzt nicht so gute Jahrgänge und Top-Talente am Stützpunkt. Aber der Sprung einer 17- oder 18-jährigen Spielerin aus dem VCO-Team, das bestenfalls im Mittelfeld der 2. Bundesliga landet, in die Champions League Mannschaft des Dresdner SC ist einfach inzwischen utopisch groß. Die sportliche Entwicklung beim DSC ist in den letzten Jahren rasant nach vorn gegangen. Der Club gehört zu den besten Adressen im europäischen Vereinsvolleyball und Alexander Waibl ist mit Abstand der erfolgreichste Volleyballtrainer in unserem Land. Auch wirtschaftlich und von der Popularität hat sich der Verein enorm entwickelt. Es wäre aus meiner Sicht gut, wenn die Möglichkeit geschaffen würde, Top-Talente zwar schon an sich vertraglich zu binden, sie aber erst einmal zu einem anderen Erstligisten auszuleihen, ihre Entwicklung genau zu beobachten, auch fachlich zu begleiten und intensiven Kontakt zu pflegen. Bei entsprechender Reife könnte dann solch eine junge Spielerin aus dem eigenen Nachwuchs leichter einen lukrativen Vertrag im DSC-Team bekommen. Dort zu spielen, ist ein Traum aller Youngster.

Würden Sie für eine Ausländer-Quote plädieren?

Als Bundestrainer muss ich natürlich für eine solche Quote plädieren, schließlich soll langfristig unsere Nationalmannschaft einmal wieder die Teilnahme an Olympischen Spielen schaffen. Unsere Bundesligisten sollten wieder mehr Mut haben auf deutsche Talente zu setzten!

Was erwarten Sie im Gegenzug von den Talenten?

Die Nachwuchsspielerinnen brauchen Geduld und müssen flexibel sein. Eine 18-Jährige hat nicht sofort das Niveau, das ältere erfahrene Athletinnen aufweisen. Sie müssen es lernen, sich durch viel Trainingsfleiß und Motivation an das hohe Level heranzupirschen. Gutes Training mit Profis ist wichtig, erstmal die Bank zu drücken ist keine Strafe.


Von Astrid Hofmann

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