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Nach Gewaltausbrüchen in Dortmund: Dynamo Dresden distanziert sich von Pro-Pyrotechnik-Kampagne

Nach Gewaltausbrüchen in Dortmund: Dynamo Dresden distanziert sich von Pro-Pyrotechnik-Kampagne

Fußball-Zweitligist Dynamo Dresden hat sich nach den Ausrastern einiger Fans beim DFB-Pokalspiel in Dortmund von den Chaoten distanziert und erste Schritte in die Wege geleitet.

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Im Stadion zündeten die Fans von Dynamo Dresden mehrfach Pyrotechnik. Vor und nach dem Spiel hatte es vor dem Stadion massive Ausschreitungen gegeben.

Quelle: dpa

„Wir haben wieder ein enorm schlechtes Bild abgegeben. Ich habe gedacht, dass wir da schon einmal einen Schritt weiter waren. Ich bin mächtig enttäuscht darüber", so Präsident Andreas Ritter nach Spielende. Am Mittwoch kündigte der Verein an, den Umgang mit den eigenen Fans überdenken zu wollen. Von der bisher unterstützten Pro-Pyrotechnik-Kampagne „Emotionen respektieren - Pyrotechnik legalisieren" distanzierte sich der Verein am Mittwoch bereits.

„Wir sind mit der Unterstützung der Kampagne ‚Pyrotechnik legalisieren - Emotionen respektieren' in der Vergangenheit auf unsere Fans zugegangen, weil wir ein Umdenken im Umgang mit Pyrotechnik festgestellt hatten. Was nun in Dortmund passiert ist, zerstört das vertrauensvolle Miteinander", erklärte Dynamo-Geschäftsführer Volker Oppitz am Mittwoch. „Die Vorkommnisse beim Spiel in Dortmund haben jegliche Basis für ein vertrauensvolles Miteinander was die Unterstützung der Kampagne ‚Pyrotechnik legalisieren - Emotionen respektieren' betrifft, zerstört."

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Der Verein wehrt sich gegen den Pokalausschluss juristisch.

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„Wir haben oft zusammengesessen und auch klar aufgezeigt, welche Konsequenzen das für uns haben kann", hatte Oppitz bereits am Dienstagabend verkündet. Er fürchtet, dass die große Masse der wirklichen Fans das Geschehen der wenigen Gewaltbereiten toleriere. „Wir haben immer klar darauf hingewiesen, dass es für uns als Verein ein finanzielles und ein Imageproblem ist. Nach den Vorfällen müssen wir uns noch einmal intensiv hinterfragen, was wir zusätzlich tun können", so Oppitz.

„Wir befinden uns seit Ende der letzten Saison in einem noch intensiveren Dialog mit unserer aktiven Fanszene, um negative Vorkommnisse im Rahmen der Spiele zu vermeiden. Wir erwarten von den bisherigen Gesprächspartnern und Vertretern der Dresdner Fanszene zeitnah eine klare Positionierung zu den bisherigen Vorfällen in der laufenden Zweitliga-Saison und speziell zu den absolut inakzeptablen Vorkommnissen beim Pokalspiel in Dortmund", sagte der Geschäftsführer.

In Dortmund hatten sich zahlreiche Dynamo-Fans vor, während und nach dem Spiel heftige Auseinandersetzungen mit der Polizei geliefert. Westfälische Medien berichteten von "massiver Gewalt" gegen Einsatzkräfte der Polizei. In dieser Dimension sei dies noch nie vorgekommen. „So massive Angriffe gegen die Polizei habe ich in meiner Laufbahn als Polizeiführer von Fußballeinsätzen noch nicht erlebt", sagte Dortmunds Polizeidirektor Peter Andres. Im Stadion richteten die Chaoten Schäden von geschätzt 150.000 Euro an. Eine Stadiontoilette sei abgebrannt worden, andere beschädigt. Zudem hatten die Dynamo-„Fans" Waschbecken von der Wand getreten, über 200 Sitzschalen aus der Verankerung gerissen, die Werbebande vor der Kurve sowie zahlreiche Verkaufsstände demoliert. Die Dortmunder Polizei berichtet von 17 Verletzten, davon zwei Beamte, es gab 15 Festnahmen und bislang 17 Strafanzeigen.

Zudem sorgten die Dresdner Anhänger für drei Spielunterbrechungen. Zunächst hatten sie BVB-Profi Mario Götze mit einem Laserpointer irritiert, später landete eine bengalische Fackel direkt neben dem Dortmunder Torpfosten, auch bei der dritten Unterbrechung hatten die Dynamos beobachtet von sechs Millionen Fernseh-Zuschauern Böller und Bengalos gezündelt. „Da fehlt mir jegliches Verständnis", sagte Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc nach Abpfiff. „So etwas hat im deutschen Profi-Fußball nichts zu suchen." BVB-Trainer Jürgen Klopp wollte zwar die „Bengalos" nicht überbewerten, verurteilte jedoch das Zünden von Böllern und Raketen. „So macht es keinen Spaß", sagte der Meister-Trainer.

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Dortmunds Mitch Langerak dirigiert seine Mannschaft.

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Auch einige Dresdner Kicker fanden kritische Worte für das Verhalten der Fans. Die Spieler um Cristian Fíel versuchten noch, ihre Anhänger zu besänftigen. „Das hätte ich mir sparen können", so Fíel nach Abpfiff. „Die waren nicht zu beruhigen." Als „Unnötig" bezeichnete Dynamo-Keeper Wolfgang Hesl die Aktionen der Fans. „Heute schäme ich mich dafür, muss ich ehrlich sagen", urteilte Dynamo-Stürmer Robert Koch.

„Ich glaube schon, dass wir viel tun und sehr viele Maßnahmen ergreifen, umso etwas zu verhindern, aber wir werden es nie schaffen in die letzten zwei Reihen", sagte Dynamo-Geschäftsführer Oppitz. „Wir werden weiter alles tun, um solche Vorfälle zu vermeiden. Es sind dann einzelne, die diese Taten begehen und ich weiß es nicht, wie wir es schaffen sollen, diese gewaltbereiten Leute zu stoppen."

Zunächst wird er eine größere Summe für die wahrscheinlichen Strafen zurücklegen müssen. Nach verschiedenen Vorfällen in dieser Saison ist Dynamo Wiederholungstäter. Erst am Dienstag erreichte den Verein das Urteil aus den Vorfällen der Spiele in Duisburg, in Ingolstadt und daheim gegen Frankfurt. 20.000 Euro muss Dynamo wegen des Fan-einsatzes von Pyrotechnik und wegen rassistischer Gesänge zahlen, zu Saisonbeginn waren es schon einmal 7000 Euro. Zudem läuft noch ein Verfahren wegen Becherwürfen beim Heimspiel gegen Aachen. Jetzt ermittelt das DFB-Gremium erneut.

„Das Spiel stand unter Sicherheitsaufsicht. Wir erwarten jetzt den Bericht zu den detaillierten Vorkommnissen. Dazu werden Videoaufzeichnungen ausgewertet, um mögliche Straftäter zu identifizieren", sagte der DFB-Sicherheitsbeauftragte Hendrik Große Lefert am Mittwoch. „Bei den Ausschreitungen handelt es sich neben dem unerlaubten Abbrennen von Pyrotechnik um massiven Vandalismus und gewaltsames Vorgehen gegen Polizeibeamte und Ordnungskräfte", so Große Lefert.

Dem Verein droht zumindest eine saftige Geldstrafe, im schlimmsten Fall eine Platzsperre oder ein Spiel ohne Zuschauer.

dpa / sl

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