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Monarchs sind heiß auf den German Bowl - Jan Hilgenfeldt gibt sich siegessicher

Monarchs sind heiß auf den German Bowl - Jan Hilgenfeldt gibt sich siegessicher

Am Sonnabend soll das ganze große Ding gedreht werden. 21 Jahre nach ihrer Gründung wollen die Footballer der Dresden Monarchs zum erstem Mal Deutscher Meister werden.

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Jan Hilgenfeldt beim Kicken. Die 73 ersten Extrapunkt-Versuche der Saison verwandelte der 24-Jährige, erst den 74. setzte er im Halbfinale gegen Berlin daneben.

Quelle: Lutz Hentschel

Gegner im German Bowl, der ab 18 Uhr (im TV live bei Eurosport) im Berliner Ludwig-Jahn-Sportpark ausgetragen wird, sind die Braunschweig Lions, die schon sieben Titel eingesammelt haben. Jan Hilgenfeldt ist dennoch siegessicher. Der 24-Jährige läuft für die Monarchs als Kicker und Receiver auf, hat in dieser Saison insgesamt schon 153 Punkte zum königlichen Höhenflug beigetragen. Die DNN sprachen vor der Reise zum Finale mit dem gebürtigen Leipziger.

Frage: Die meisten Jungs spielen Fußball, du spielst American Football. Wie kommt das?

Jan Hilgenfeldt: Ich war auch elf Jahre lang beim SSV Markranstädt als Fußballer unterwegs, es mit den Junioren bis in die Regionalliga geschafft. Ich habe zudem Tischtennis und Tennis gespielt, war Judoka mit orangenem Gürtel. Und ein wirklich sehr guter Skateboarder. Ich brauchte immerzu Sport. Mein Vater war Handballer, meine Mutter Turnerin, da bin ich wohl vorbelastet. Meine Liebe zum Football habe ich aber erst mit 17 während meines Auslands-Schuljahres in den USA entdeckt.

In einer Football-Hochburg wie San Francisco oder Seattle?

Nein in einem 700-Einwohner-Nest namens Olin in Iowa. Mehr Dorf geht nicht: Zwei Straßen auf denen man am Tag drei Leute trifft. Ich habe auf einer Farm gewohnt, ringsherum nur Maisfelder. In der Schule waren wir rund 150 Schüler, Sport gehört in den USA immer dazu. Ich bin ins Footballteam gekommen, habe in der Defense Line angefangen. Ich bin schnell und wendig, ein Vorteil auch auf dieser Position. Ich denke, die Trainer haben mich dahin gestellt, weil man als D-Liner nicht viel wissen muss: Immer nur Vollgas an der Offense Line des Gegners vorbei und den Quarterback oder den Runningback erwischen. Es hat wirklich großen Spaß gemacht.

Den Spaß hast du dann aus Olin mit zurück nach Markranstädt gebracht?

Seitdem bin ich Footballer. Ich habe bei den Leipzig Lions in der 3. Liga angefangen, dann haben mich Robert Cruse und Radko Zoller, der ja auch einst in Leipzig gespielt hat, 2010 zu den Monarchs geholt. In diesem Jahr sind Radko und ich dann mit der deutschen Nationalmannschaft Europameister geworden, im Finale in Frankfurt haben wir die Franzosen besiegt. Das Angebot aus der GFL hat mich geehrt, ich bin gern gekommen. Am Anfang bin ich noch fast jeden Tag zwischen Schule in Leipzig und Training in Dresden gependelt.

Du spielst als Receiver und als Kicker - was macht mehr Spaß?

Zum Kicker bin ich erst in Dresden geworden. Ich spiele derzeit alles außer Defense. Und selbst das würde ich nächstes Jahr gern mal probieren - ab und zu einen umhauen ist einfach auch eine tolle Sache. Den richtigen Spaß bringt für mich die Mischung aus allem. Zuletzt beim Halbfinale gegen Berlin war ich nach meinem Schlüsselbeinbruch das erste Mal nur als Kicker im Einsatz - das ist wirklich anstrengend. Da hat man ewig Zeit, sich nur auf diesen einen Schuss zu konzentrieren. Und prompt habe ich zum ersten Mal in diesem Jahr einen Extrapunkt vorbei gesemmelt.

Das Schlüsselbein hast du dir aber nicht beim Sport gebrochen...

Nein, auf der Straße. Ein Auto hat mich samt meinem Motoroller über den Haufen gefahren. Das ist vier Wochen her, inzwischen bin ich wieder komplett hergestellt.

Du bist der Allrounder bei den Monarchs - musst du mehr trainieren als deine Teamkollegen?

Ich bin beim Training sicher öfter gefragt als andere, zudem gibt es für Eric Seidel und mich eine extra Einheit, in der wir nur Kicks trainieren. Und an den trainingsfreien Tagen Montag und Mittwoch gehe ich ins Fitnessstudio. Das machen viele andere aber auch.

Zehn Touchdowns, dazu 75 Extrapunkte und sechs Fieldgoals - mit insgesamt 153 Punkten bist du die Nummer zwei in der gesamten Liga hinter deinem Teamkollegen Trevar Deed. Geht es noch besser?

Es ist definitiv meine bisher beste Saison. Ich habe vor allem noch nie so viele Extrapunkte verwandelt, die ersten 73 Versuche waren alle gut. Deswegen haben mich manche auch schon Mr. Perfect genannt. Zehn Touchdowns sind auch okay, 2011 hatte ich aber schon einmal elf auf dem Konto. Aber das kann ja vielleicht noch werden.

Wenn eine ganz leise Kritik erlaubt ist: sechs erfolgreiche Fieldgoal-Versuche bei zwölf Chancen - das ist ausbaufähig...

Gewiss. Damit bin ich überhaupt nicht zufrieden, auch wenn einige der Versuche von ziemlich weit hinten daneben gingen.

Sind die Fans bei den Monarchs ein wichtiger Faktor für den Erfolg?

Ja. Die Unterstützung von außen spielt eine sehr große Rolle. Wichtig ist das vor allem für die Defense. Wenn es richtig laut ist, hat es der gegnerische Angriff schwerer sich zu verständigen. Toll ist die Atmosphäre vor allem im Glücksgas-Stadion. Wir würden gern öfter da spielen, aber das ist wegen der hohen Mietkosten und wegen Dynamo wohl kaum drin. Im Steyer-Stadion fehlt wegen der gesperrten Geraden etwas das Flair, aber das wird ja nun ab Herbst umgebaut.

Du bist reiner Amateur, zahlst wie alle deutschen Monarchs-Spieler einen Mitgliedsbeitrag an die Verein anstatt bezahlt zu werden. Bist du neidisch auf die US-Spieler in der Mannschaft, die als Profis Geld für ihren Sport bekommen?

Ich bin nicht neidisch. So fett ist die Kohle, die die Jungs bekommen, nun wirklich nicht. Football in Deutschland ist eben nicht Football in Amerika. Hier kommen viel weniger Zuschauer, es gibt fast keine Fernsehpräsenz, deswegen ist es schwerer Sponsoren zu finden. Monstergehälter sind da nicht drin. Aber natürlich fragt man sich als Leistungsträger einer Mannschaft, ob man nicht in einem anderen Team Geld für seine Dienste bekommen könnte. Auf der anderen Seite ist Geld nicht alles. So gute Bedingungen, so ein gutes Coaching, so ein erstklassiges Trainingsgelände wie in Dresden gibt es sonst nirgends in Deutschland. Aber ich gebe zu: Neben meinem Bauingenieur-Studium so intensiv Football spielen kann ich nur, weil mich meine Eltern finanziell unterstützen. Wäre das nicht so, müsste ich in der Freizeit jobben, könnte viel weniger trainieren.

Träumst du manchmal von der NFL?

Natürlich. Das muss man doch. Auch wenn ich mir ziemlich sicher bin, dass ich es nicht dahin schaffen werde. Ich habe ziemlich spät angefangen, müsste an ein College in die USA gehen; die GFL wird in Amerika nicht wahrgenommen. Ich habe schon einmal daran gedacht, so einen Schritt zu wagen. Weil die GFL aber als Profiliga zählt - auch wenn ich kein Geld bekomme - darf ich in den USA nicht mehr als Amateur auflaufen - so ist die Regel. In der NFL könnte ich ohnehin höchstens als Kicker oder Punter ankommen, alles andere ist bei der riesigen Konkurrenz unrealistisch.

Was macht die Monarchs in dieser Saison so erfolgreich?

Wir haben ganz starke US-Boys auf den Schlüsselpositionen, zudem hat sich das komplette Team über die Jahre kontinuierlich verbessert. Die Defense war schon in den letzten Jahre sehr gut, der Unterschied liegt in der Offense - speziell in der Offense Line. Die ist 2013 eine Wucht. Wir hatten auch Glück, dass sich in dieser Saison niemand ernsthaft verletzt hat, die Reserven sind gerade in diesem Mannschaftsteil dünn.

Wie wichtig ist die Rolle von Gary Spielbuehler für den Höhenflug?

Der Trainer ist die wichtigste Person - ganz klar. Alle im Team profitieren von seiner Erfahrung. Dreimal hat er Braunschweig in den German Bowl geführt, dreimal hat er gewonnen. Das Vertrauen in so einen Mann muss einfach groß sein. Er weiß, wie man mit Spielern umgehen muss, er lebt Football.

Braunschweig steht nach fünf Jahren mal wieder im Endspiel. Für euch ist es eine Premiere. Was ist am Sonnabend zu erwarten?

Braunschweig ist Favorit, schließlich haben die Lions fast die komplette deutsche Nationalmannschaft zusammengekauft, sind im Vergleich zu uns mit dem doppelten Etat am Start. Aber verstecken müssen wir uns wahrlich nicht, dafür sind wir einfach zu gut. Und wenn man in einem Endspiel steht, will man das natürlich gewinnen.

In der regulären Saison habt ihr zweimal gegen Braunschweig verloren...

Es war zweimal knapp, wir konnten in beiden Matches nicht in Bestbesetzung antreten. Im Hinspiel hat uns Quarterback Jeff Welsh verletzt gefehlt, das Rückspiel habe ich wegen meinem lädierten Schlüsselbein verpasst. Zudem ging es da um so gut wie nichts mehr, beide Teams waren bereits für die Playoffs qualifiziert. Die Vorzeichen für den Sonnabend sind andere.

Jeff Welsh war mit Kiel auch schon zweimal im German Bowl, ist einmal Meister geworden...

Auch seine Erfahrung ist unersetzbar, zudem besticht er durch sein Auftreten. Er strahlt im Huddle - der Besprechung vor den Spielzügen - ein Vertrauen aus wie kein Quarterback vor ihm. Und es ist auch enorm stark, wie er mit dem Ball umgeht. Jeff trifft fast immer die richtigen Entscheidungen, das verhilft uns zum Sieg.

Runningback Trevar Deed hat 324 Punkte auf dem Konto - ist eine absolute Granate. Alle, auch die Braunschweiger - kennen seine Qualitäten. Kommt nun am Sonnabend der große Tag eurer Geheimwaffe Emmanuel Moody?

Trevar ist mit großem Abstand der beste Runningback der Liga. Das ist auch ein Lob für unsere Offense Line, die ihm wunderbar die Räume freiblockt. Von Emmanuel - das denke ich auch - hat man noch längst nicht alles gesehen, er hat noch Trümpfe in der Hinterhand. Vielleicht zieht er sie in Berlin.

Wenn die Monarchs den German Bowl gewinnen, wer darf die Schale am Sonnabend mit ins Bett nehmen?

Es gibt einen Henkelpott. Der wird dann erst einmal mit Sekt oder Schampus gefüllt, da passen viele Liter rein. Mit in die Wohnung nehmen werden den Pokal - vermute ich - erst einmal unsere Amerikaner, weil sie am Dienstag schon zurück in ihre Heimat fliegen. Wir können den Pott dann noch das ganze Jahr angucken, ich würde ihn gern auch das ein oder andere mal in meiner Bude begrüßen.

Was ändert sich in deinem Leben, wenn du dich in drei Tagen deutscher Meister nennen darfst?

Ich habe dann nach dem für die Europameisterschaft einen zweiten Ring an der Hand. Bezahlen müssen wir den alle selbst, 150 Euro das Stück. Angefertigt werden 80 Ringe, für jeden aus dem kompletten Monarchs-Team ein. Das Budget des Vereins würde das überfordern. Erst einmal müssen wir die Lions schlagen. Das Geld ist es mir wert - und ich bin ziemlich zuversichtlich: wir holen uns den Ring.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 10.10.2013

Thomas Scholze

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