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Mit Randal Holt träumen die Dresden Titans vom Aufstieg in die Pro A

Basketball Mit Randal Holt träumen die Dresden Titans vom Aufstieg in die Pro A

Ein halbes Jahr lang wartete er daheim in Cleveland auf einen neuen Job, dann kam das Angebot aus Deutschland und Randal Holt sagte zu. Bereut hat der 24-Jährige den Schritt nach Sachsen nicht – und auch sein Arbeitgeber ist rundum zufrieden. Gemeinsam will man nun aufsteigen. Am Sonntag können die Titans im Play-off-Viertelfinale den nächsten Schritt tun.

Randal Holt hat sich im Team der Titans bestens integriert, seine Leistungen sind konstant gut.

Quelle: Matthias Rietschel

Dresden. Als dieser für einen Basketballer fast ein wenig schmächtig wirkende US-Amerikaner bei seiner Vorstellung Anfang Januar im Holiday-Hotel davon spricht, dass er mit den Dresden Titans noch die Meisterschaft gewinnen will, da wird er belächelt. Angesichts der Krise bei den Dresdner Korbjägern, die den langjährigen Trainer Thomas Krzywinski im Dezember den Job gekostet hat, wären nicht wenige Fans schon froh, wenn der Klub im zehnten Jahr seines Bestehens den Gang in die Play-downs vermeiden kann. Doch unter dem neuen Coach Steven Clauss schaffen die Titans sogar den Sprung in die Play-offs, weil ihnen nicht nur der neue Trainer Mut macht, sondern auf dem Feld einer vorangeht: Randal Holt. Eben jener Typ, den im Januar noch mancher für einen Sprücheklopfer hält.

Im April 2015 weiß in Dresden jeder Basketballfan, was dieser Holt drauf hat. Der 1,85 Meter Point Guard aus Cleveland im US-Bundesstaat Ohio spielt konstant gut, punktet nervenstark aus allen Lagen. 21,4 Punkte wirft er im Schnitt. Clauss ist voll des Lobes: „Er ist ein absoluter Qualitätsspieler und drückt unserem Spiel seinen Stempel auf. Mit ihm sind wir viel stärker. Er hat uns den Schub gegeben, den wir auch brauchten.“ Am Sonntag kann der 24-Jährige nun mit den Titans ins Play-off-Halbfinale einziehen. Der 92:87-Sieg in Karlsruhe hat dem Team um Kapitän Philipp Lieser die Möglichkeit eröffnet, sich diesen Traum schon im zweiten Viertelfinalspiel zu erfüllen. Und Holt ist sich sicher, dass es klappt. So sicher, wie er seine Worte im Januar ernst gemeint hat: „Du kannst kein Ziel erreichen, wenn du nicht daran glaubst.“ Mit seinem Einstand an der Elbe ist er sehr zufrieden: „Es ist gut gelaufen. Ich sollte dem Team helfen, ihm eine Vision geben – und wir haben uns gefunden.“

Gesucht haben sich Holt, der nach seinem ersten Deutschland-Gastspiel für Weißenhorn ein halbes Jahr arbeitslos war, und die Titans schon länger. Noch Krzywinski knüpft die ersten Kontakte nach Cleveland, wo Holt sechs Monate lang bei seiner alten High School im Coaching aushilft. In seiner 400 000 Einwohner zählenden Geburtsstadt am Eriesee wartet der Spielmacher auf einen neuen Job. Hier hält er sich fit und verfolgt nebenher, was die Cleveland Cavaliers in der NBA anstellen. Deren Superstar LeBron James ist sein Idol. Stolz erzählt Holt: „Ich habe ihn schon dreimal in der Halle getroffen. Seit vielen Jahren verfolge ich seine Entwicklung. Es ist toll, wie er sich weiterentwickelt hat.“ Die Spiele der Cavaliers kann er sich momentan nicht live ansehen: „Sie finden weit nach Mitternacht hiesiger Zeit statt. Um vier Uhr morgens aufzustehen, dafür bin ich zu müde“, gesteht Holt.

Er hat schnell gemerkt, wie anspruchsvoll das Training bei Steven Clauss ist, der ihn für den „besten Point Guard der Liga“ hält. So große Stücke Clauss auf Holt hält, so sehr nimmt er sich auch Zeit, den Dreier-Spezialisten aufzubauen, wenn den mal das Wurfglück verlässt. Als sich Holt in Karlsruhe zu sehr an den körperlich überlegenen Badenern aufreibt, reagiert der Trainer und gibt ihm Tipps: „Er hat mir gesagt, dass ich nicht durch die Karlsruher hindurchgehen, sondern mich um sie herumschlängeln soll. Ich soll meine Schnelligkeit nutzen“, erinnert sich der Profi an das erste Spiel. Am Ende kann er 18 Punkte, sieben Rebounds und zwei Vorlagen beisteuern. Nur sein Landsmann Robert Sturner ist diesmal noch besser, sonst führt er meist die Statistik an.

Von Holts Leistungen sind sie im Verein sehr angetan. Geschäftsführer Peter Krautwald sagt: „Er ist ein absoluter Glücksgriff. Randal ist eine ganz große Konstante – sowohl im Angriff als auch in der Verteidigung, wenngleich das nicht seine ganz große Stärke ist. Die liegt eindeutig in der Offensive, damit hat er uns ganz andere Möglichkeiten eröffnet. Er kann sowohl Spieler bedienen als auch selber vollstrecken, zum Korb ziehen oder von außen werfen. Das macht es für unsere Gegner sehr, sehr schwer, uns auszurechnen.“ Holt habe die Mannschaft bereichert, „er ist ein Puzzleteil, das zum Aufschwung in der zweiten Saisonhälfte beigetragen hat“.

Ob der US-Amerikaner nach Saisonende weiter für Dresden spielt, das ist freilich offen. Die Gespräche laufen zwar längst und Holt sagt: „Ich bin grundsätzlich nicht abgeneigt, denn hier ist etwas am Wachsen.“ Doch festlegen will er sich noch nicht. Krautwald, der ihn halten will, kann das gut verstehen: „Er als Spieler strebt danach, höherklassig zu spielen. Am liebsten würde er das natürlich in Dresden tun, aber momentan sind wir erst im Viertelfinale – und nur die beiden Finalisten erarbeiten sich das sportliche Aufstiegsrecht.“ Will er wirklich bei den Titans bleiben, dann kann Holt am Sonntag (16 Uhr, Margon-Arena) wieder eine Menge dafür tun. Und wenn es nicht ganz zum Meistertitel reichen sollte, sondern „nur“ zur Finalteilnahme, dann ist auch niemand böse.

Von Jochen Leimert

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