Volltextsuche über das Angebot:

1 ° / -7 ° Regen

Navigation:
Google+
Lars Hamann: Das war es wohl mit Olympia

Platz 20 bei der EM Lars Hamann: Das war es wohl mit Olympia

Für die von den meisten Konkurrenten hochgelobte Kulisse und Atmosphäre am Amsterdamer Museumsplatz hatte Lars Hamann keinen Blick mehr übrig. Der Speerwerfer vom Dresdner SC war einfach nur frustriert – und zwar so stark wie noch nie in seiner Karriere

Voriger Artikel
Jenny Elbe tritt Reise zur EM erleichtert an
Nächster Artikel
Ex-Dynamo Benni Kirsten schwitzt mit Lok Leipzig

Speerwerfer Lars Hamann hat gestern bei der EM nicht überzeugt. Dadurch ist er nicht nur beim Finale zum Zuschauen verdammt, sondern wohl auch bei Olympia.
 

Quelle: imago

Amsterdam.  Für die von den meisten Konkurrenten hochgelobte Kulisse und Atmosphäre am Amsterdamer Museumsplatz hatte Lars Hamann keinen Blick mehr übrig. Der Speerwerfer vom Dresdner SC war einfach nur frustriert – und zwar so stark wie noch nie in seiner Karriere. Dass er gestern bei den Leichtathletik-Europameisterschaften zum dritten Mal nach den Welttitelkämpfen 2013 in Moskau und 2015 in Peking eine wichtige Qualifikation in den Sand gesetzt hat, war schon schlimm genug. Doch die Krönung allen Übels war sein resignierender Satz: „Das war’s jetzt mit Olympia, ich kann im Prinzip in den Urlaub fahren.“ Platz 20 bei der EM ist ein unterirdisches Ergebnis – und zu allem Überfluss sorgte auch noch der Herr von der Dopingkontrolle dafür, dass der Elbestädter sich nicht sofort im Hotel verkriechen konnte.

78,00 – 76,28 – 78,07. Diese drei schwachen Weiten stehen für den 27-Jährigen im Protokoll. Hamann fand dafür nicht die Spur einer Erklärung: „Ich habe mich gut gefühlt, die Bedingungen waren okay. Und dass ich nur zwei meiner vier Speere durch die Kontrolle bekommen habe, ist auch kein Grund.“ Hamann wollte nur noch fort, war mit Mühe zu kurzen Statements zu bewegen. Dem ZDF verwehrte der Schützling von Katharina Wünsche allerdings das obligatorische Interview.

Noch vor dem Wettkampf war Hamann in Sachen Rio optimistisch, nun blickt er der Realität ins Auge: Denn Julian Weber aus Mainz war vor gut einer Woche in Finnland mit 86,83 Metern an Hamann (85,67) vorbeigezogen und liegt nun auf Position drei der starken DLV-Werfer. „Julian war auch bei den Deutschen Meisterschaften klar vor mir, damit sprechen zwei von drei Kriterien für ihn.“ Hamann hat nur den besseren Schnitt der Olympia-Qualiwürfe ins Feld zu führen. Dass der Sachse mit 3:2 Ergebnissen jenseits der Norm ein weiteres Duell momentan für sich entscheidet, gehöre nicht zu den Kriterien.

Einziger Ausweg: Hamann müsste am Sonntag die allerletzte Chance in Offenburg nutzen und noch einmal kontern. Dies schloss er gestern in einer Kurschlussreaktion aus: „Ich werfe keine 87 Meter.“ Vielleicht baut ihn sein privates Umfeld noch einmal auf. Dann müsste Hamann seinen für Sonnabend geplanten Heimflug umbuchen und am Sonntag neu motiviert bereitstehen. Doch Fakt ist eins: Auch Weber steht bereit, am Sonntag eine weitere Rio-Norm folgen zu lassen. Und die Tendenz im Saisonverlauf – laut Cheftrainer Idriss Gonschinska ebenfalls von Bedeutung – spricht für den Mainzer.

Dabei sollte die Kulisse alle Werfer anspornen. „Ich finde es gut, dass sich unsere Sportart vor einer atemberaubenden Kulisse präsentiert. Wir haben heute neue Fans dazugewonnen. Es haben
Touristen zugeschaut, die noch nie in ihrem Leben Speerwerfen gesehen haben“, sagte der derzeit weltbeste Werfer Thomas Röhler, der vor wenigen Wochen selbst in seiner Heimatstadt
Jena ein international stark besetztes Meeting außerhalb des Stadions mitorganisierte.

Der Thüringer beeindruckt derzeit mit einer grandiosen Beständigkeit und entzückte vor wenigen Tagen mit zwei 91-Meter-Würfen die Speerwurf-Nation Finnland. Gestern schrieb der heutige Final-Favorit zahlreiche Autogramme. Die EM bezeichnet Röhler als wichtiges Test-Turnier rund fünf Wochen vor den olympischen Leichtathletik-Wettbewerben in Rio. „Und die Musik im Speerwerfen spielt nun mal in Europa“, ergänzt der 24-Jährige.

In diesem Jahr könnte man forsch behaupten: Die Speerwurf-Musik spielt in Deutschland. Die Plätze eins, zwei, fünf, acht und zwölf belegen die DLV-Recken derzeit in der Welt. Um so frustrierender, dass heute (18.35 Uhr) nur Thomas Röhler im Finale steht. Neben Hamann schied auch der Ex-Dresdner Johannes Vetter aus Offenburg als 16. ohne einen 80-Meter-Wurf aus.

Von Frank Schober

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Regionalsport
  • Semperopernball
    Semperopernball

    Alle Infos, alle Highlights, die schönsten Bilder - der Semperopernball in Dresden. mehr

  • 13. Februar

    Ob Gedenken, Täterspuren oder Menschenkette: Alle Infos finden sie in unserem Special zum 13. Februar in Dresden mehr