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Kontrollausschuss schockt Dynamo

Kontrollausschuss schockt Dynamo

Mit einer saftigen Geldstrafe, einem oder zwei Auswärtsspielen in Pokal oder Liga ohne eigene Anhänger hatten sie durchaus gerechnet, doch als die Verantwortlichen von Dynamo Dresden gestern Vormittag vom Strafantrag des DFB-Kontrollausschusses erfuhren, mit dem die Krawalle rund um die Pokalpartie in Dortmund (0:2) geahndet werden sollen, traf sie ein Keulenschlag: Dass das DFB-Sportgericht den Zweitligisten kommende Spielzeit vom lukrativen Pokal ausschließen soll, will der Verein mit allen ihm zur Verfügung stehenden rechtlichen Mitteln verhindern.

Dresden .

Von Jochen Leimert

Immerhin brachte der Wettbewerb in diesem Jahr über eine Million Euro ein - viel Geld für einen hochverschuldeten Klub.

Geschäftsführer Volker Oppitz bedauerte die Vorfälle rund um den Signal-Iduna-Park auch gestern noch einmal, erklärte aber auf einer eilig anberaumten Pressekonferenz um 14 Uhr auch: "Wir halten das Strafmaß für extrem überzogen." Er habe den Eindruck, dass man an Dynamo ein Exempel statuieren wolle. Stocksauer ist Oppitz darüber, dass der Kontrollausschuss den vom Verein im Vorfeld der Pokalpartie am 25. Oktober vorgeschlagenen Sicherheitsmaßnahmen offenbar kaum Beachtung schenkte und deren unzureichende Umsetzung durch die Dortmunder auch nur mit 10 000 Euro Geldstrafe an den BVB ahnden will. Er machte teils undifferenzierte Darstellungen in den Medien mitverantwortlich für die Höhe der geforderten Strafe: "Ich denke, das hat den Druck erhöht." Sein Klub werde für ein gesellschaftliches Problem abgestraft.

Im Dynamo-Präsidium war man fassungslos. Präsident Andreas Ritter sagte: "Wir sind völlig schockiert und entsetzt über diesen Strafantrag vom Kontrollausschuss, können den überhaupt nicht nachvollziehen. Es macht mich traurig, wie da mit der SG Dynamo Dresden umgegangen wird." Weder werde Dynamos jahrelanges Bemühen um Verbesserung der Fanarbeit anerkannt, noch berücksichtigt, dass der Verein keine Handhabe besitzt, Kontrollen bei Auswärtsspielen durchzuführen. "Wenn man das Strafmaß von Borussia Dortmund betrachtet und unseres, dann ist das völlig unverhältnismäßig", ließ der Präsident Dampf ab. Er werde DFB-Präsident Theo Zwanziger in einem Brief um ein persönliches Gespräch bitten.

Dynamos Organisationsleiter Martin Börner fühlt sich vom DFB, aber auch den Dortmundern "extrem im Stich gelassen". Man habe bei einer dreistündigen Sicherheitsberatung in Dortmund eindringlich strikte Trennung der Fanlager, strenge Einlasskontrollen, Pufferblöcke und Alkoholverbot gefordert, alles schriftlich festgehalten und auch an den DFB geschickt - passiert sei wenig. Man habe vor dem Spiel zu hören bekommen: Dort spiele man Bundesliga und Champions League, kriege das wie bei einem Derby gegen Schalke schon in den Griff. "Wir können immer nur reden und bitten", ist Börner frustriert, "Handhabe, dort etwas zu unternehmen haben wir keine." Man stelle sich nach jedem Spiel die Frage: Was können wir besser machen? Vom DFB forderte er, er solle Lösungsansätze aufzeigen. Antworten aus Frankfurt habe man bisher aber nicht bekommen. Auch nicht nach der Randale beim Aufstiegsspiel in Osnabrück Ende Mai.

Oppitz kündigte an: "Wir werden uns gegen den Strafantrag zur Wehr setzen, haben einen Anwalt eingeschaltet." Christoph Schickhardt, die Koryphäe aus Ludwigsburg, soll die Dresdner raushauen. "Er sagt auch, die Strafe ist aus seiner Sicht unangemessen", so Oppitz. Schickhardt ist seit den Neunzigern Dynamo-Mitglied, vertrat die Schwarz-Gelben schon mehrfach, zuletzt im August im Fall von Stürmer Pavel Fort, der beim 0:1 in Fürth Rot gesehen hatte. Bis Montag hat Dynamo Zeit, den Strafantrag abzulehnen, wird das auch tun. Dann entscheidet das Sportgericht im Einzelrichterverfahren, wie es weitergeht, ob es zu einer mündlichen Verhandlung kommt. Danach sieht es aus.

Derweil appellierte Dynamo an seine Fans, es am Freitag (18 Uhr) in Düsseldorf nicht zur Eskalation der Situation kommen zu lassen. Jeder kleine Vorfall könne fatale Folgen haben. Börner warnte: "Am Freitag steht noch viel mehr auf dem Spiel!" Das Sicherheitskonzept werde schnellstens angepasst, um der neuen, heiklen Situation Rechnung zu tragen. Bisher habe man mit den Düsseldorfern immer gut zusammengearbeitet, sei am Rhein nie etwas passiert. Momentan rechnet Börner mit maximal 1500 Gästefans beim Kräftemessen mit dem Tabellenführer.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 03.11.2011

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