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Kanutin Steffi Kriegerstein erfüllt sich mit harter Arbeit einen Traum

Dresdner bei Olympia Kanutin Steffi Kriegerstein erfüllt sich mit harter Arbeit einen Traum

In den letzten Jahren ließ sie es im Training etwas lockerer angehen, ärgerte mitunter sogar ihren Trainer Jens Kühn, wenn sie nicht das Maximale aus sich herausholte. Doch im Olympia-Jahr zeigte Steffi Kriegerstein allen, was eine Harke ist und qualifizierte sich für ihre ersten Spiele. Jetzt freut sie sich auf den Einzug ins Olympische Dorf.

Steffi Kriegerstein hat in der olympischen Saison noch einmal alles gegeben – mit Erfolg.

Quelle: soccerfoto

Dresden. Hätte es im vergangenen Jahr eine Wette gegeben, wer die Dresdner Farben bei den Olympischen Spielen in Rio vertritt, wäre wohl bei den wenigsten Sport-Insidern der Name von Steffi Kriegerstein gefallen. Dass die 23-Jährige jetzt die Farben der sächsischen Landeshauptstadt in Brasilien vertritt, darf getrost als kleine Überraschung gewertet werden. Sogar sie selbst blieb lange Zeit skeptisch. Und das nicht ganz grundlos: „Auch wenn ich im vergangenen Sommer Weltmeisterin im Kajak-Zweier über 1000 Meter wurde, gehörte ich ja nicht zur olympischen Kernmannschaft. Und in diesem Frühjahr sah ich nur die Masse von sieben, acht Mädels, die sich Hoffnungen auf einen der vier Plätze machten. Auch wenn Rio immer mein großes Ziel war, habe ich vor der Saison nicht wirklich daran geglaubt“, gibt sie zu. Dabei hat am Talent der aufgeschlossenen Sportlerin wohl nie jemand gezweifelt.

Schon mit sieben Jahren folgt das bewegungsfreudige Mädchen ihrem Bruder zum Kanu, meldet sich bald beim WSV „Am Blauen Wunder“ an. Die Erfolge lassen nicht lange auf sich warten, 2005 feiert sie bereits ihren ersten deutschen Meistertitel, bei den Olympic Hope Games 2008 erlebt sie ihre internationale Feuertaufe. Als sie ein Jahr später den Sprung in die Juniorenauswahl schafft, wechselt sie an den Stützpunkt auf der gegenüberliegenden Elbseite und zu Trainer Jens Kühn. Auch er unterstreicht damals schon: „Steffi ist ein Riesentalent. Sie verfügt über eine gute Armlänge und kann ihre Kraft perfekt aufs Wasser bringen, was vielen anderen nicht gelingt.“

Jetzt, sieben Jahre und mehrere tausend gemeinsamer Trainingseinheiten später, fügt er hinzu: „Sie ist schnell und unheimlich nervenstark. Ich habe keine Sorge, dass sie in Rio zu aufgeregt sein wird.“ Dennoch ist auch in der so erfolgsträchtigen Partnerschaft zwischen Trainer und Sportlerin nicht immer alles eitel Sonnenschein. „Manchmal hat es mich schon geärgert, dass sie nicht immer das Maximale aus sich herausgeholt, sondern oft nur das Nötigste getan hat. In den vergangenen beiden Jahren ist sie immer auf der letzten Rille gefahren“, bekennt Kühn. Im Nachhinein wäre das aber vielleicht gar nicht so schlecht gewesen: „Da konnte sie sich im Olympia-Jahr noch einmal richtig steigern.“

Und sie habe wirklich die A….backen zusammengekniffen und sich durchgebissen, wie es Kühn formuliert. „Zuvor war beispielsweise das Training mit Gewichthebertrainer Harald Herberg, das Tom Liebscher schon länger praktiziert, nicht ihr Ding. Doch in diesem Winter hat sie sich überwunden und sich richtig reingekniet. Und sie achtet viel mehr auf die Ernährung und ihre Gesundheit. Um alle notwendigen Trainingslager bestreiten zu können, hat sie auch privates Geld eingesetzt. Man konnte sehen, dass sie wirklich was erreichen will“, lobt Kühn. Das Kompliment gibt Steffi Kriegerstein gern zurück: „Herr Kühn ist ein Trainer, mit dem man reden kann, der unsere Hinweise und Anregungen ernst nimmt und der uns organisatorisch oft den Rücken frei hält. Deshalb bin ich auch froh, dass er privat in Rio und damit zumindest in meiner Nähe ist.“

Dass der Kampf um ein Rio-Ticket mehr als nervenaufreibend gewesen sei, will Steffi Kriegerstein nicht verheimlichen. „Zwischendurch flossen da manchmal auch ein paar Tränchen“, gesteht sie. So zum Beispiel, als trotz aller guten Ergebnisse der Verband Ende Mai ein letztes Stechen über 300 Meter anberaumt. Als sie das gemeinsam mit ihrer langjährigen Zweier-Partnerin Sabrina Hering (Hannover) erfolgreich besteht, sind es höchstens noch Freudentränen. Immerhin kann sich die Elbestädterin damit auch gegen Sportlerinnen aus der olympischen Kernmannschaft durchsetzen und sich mit Hering, mit der sie schon 2009 Junioren-Weltmeisterin war, auf den Einsatz im K4 mit den beiden Olympiasiegerinnen Tina Dietze (Leipzig) und Franziska Weber (Potsdam) freuen.

Früher galten Kriegerstein und Hering gern als die beiden lockeren Youngster, die für so manche Blödelei zu haben waren. Spätestens in diesem Jahr haben sie sich aber auch den Respekt und die Achtung im Nationalteam erarbeitet. „Die Olympia-Teilnahme sehe ich als Belohnung dafür, dass ich mich in den letzten Jahren extrem durchgequält habe“, sagt die Sportsoldatin, die ihr Studium des Medienmanagements in Mittweida in diesem Winter und Sommer weitestgehend ruhen ließ. Auch ihre geliebten Freizeitaktivitäten wie Inlineskaten oder auf der Slackline rumbalancieren fielen aus Angst vor Verletzungen und auch aus Zeitmangel flach. Sie hat alles ihrer Olympia-Premiere und dem großen Ziel, eine Medaille zu gewinnen, untergeordnet. „Noch mehr als je zuvor haben wir an jedem Detail gefeilt, viel mit Video gearbeitet, denn am 20. August soll es das perfekte Rennen werden“, betont sie. Ein bisschen Druck sei schon da, schließlich war der Vierer schon immer ein Flaggschiff des Verbandes. Seit der Wende holte der K4 der Frauen bei allen sechs olympischen Spielen Edelmetall (viermal Gold, zweimal Silber).

Jetzt, während der abschließenden Trainingseinheiten in Duisburg, wo am Feinschliff gearbeitet wird, steigt bei Steffi langsam das Kribbeln im Bauch: „Ich freue mich auf das olympische Dorf, auf das ganze Feeling.“ Und weil neben Talent und hart erarbeiteten Können auch ein wenig Glück dazu gehören, hängt um ihren Hals stets die Kette mit einem Ring ihrer besten Freundinnen und ein Anhänger mit der „Hand der Fatima“ (soll vor allem Bösen schützen).

Von Astrid Hofmann

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