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Kanu-Ass Tom Liebscher: „Das Händeschütteln hört gar nicht auf“

Olympiasieger Kanu-Ass Tom Liebscher: „Das Händeschütteln hört gar nicht auf“

Tom Liebscher bittet, den Gesprächstermin noch um eine halbe Stunde zu verschieben. Der Kanu-Olympiasieger ist in diesen Tagen ein gefragter Mann. Die Termine sind dicht gedrängt – Ehrungen, Interviews, ein Besuch bei den Schülern seiner ehemaligen Grundschule, Autogrammkarten unterschreiben.

Olympiasieger Tom Liebscher wird in den nächsten Wochen höchstens mal zum Spaß auf der Elbe paddeln, denn nach der Rückkehr aus Rio ist erst einmal Urlaub angesagt. Das Training beginnt erst im Oktober.

Quelle: Soccerfoto

Dresden. Tom Liebscher bittet, den Gesprächstermin noch um eine halbe Stunde zu verschieben. Der Kanu-Olympiasieger ist in diesen Tagen ein gefragter Mann. Die Termine sind dicht gedrängt – Ehrungen, Interviews, ein Besuch bei den Schülern seiner ehemaligen Grundschule, Autogrammkarten unterschreiben. Dann erscheint er gutgelaunt im Schillergarten, bestellt eine Apfelschorle und beantwortet geduldig alle Fragen.

Frage: Wie haben Sie die Tage nach der Ankunft in der Heimat erlebt, schweben Sie noch auf Wolke sieben?

Tom Liebscher: Es ist schon ein tolles Gefühl. Die Ankunft am Flughafen, dann der Empfang der Stadt auf Schloss Albrechtsberg. Das Händeschütteln hört gar nicht auf, selbst als ich in Pirna schwimmen war, kamen Menschen auf mich zu, haben mich beglückwünscht. Es freut mich und macht natürlich Spaß, wenn man merkt, dass sich so viele Leute für unseren Sport interessieren. Deshalb bin ich auch nicht gleich abgetaucht, sondern nehme bewusst alle Termine wahr. Und ich hatte schon immer den Anspruch, nicht nur meinen Sport abzuspulen, sondern auch eine gewisse Verantwortung zu übernehmen und mich zum Beispiel für soziale Projekte zu engagieren.

Zum Beispiel?

Es gibt ein Projekt, bei dem es um die Bewegung der Kinder und auch um gesunde Ernährung geht. Ich engagiere mich speziell in der 30. Grundschule im Hechtviertel, in die ich selbst gegangen bin. Dort habe ich 2004 übrigens erstmals im T-Shirt der Leipziger Olympia-Bewerbung den olympischen Eid gesprochen. Jetzt, zwölf Jahre später, haben die Schüler auf dem Schulhof nach dem Olympiasieg meinen Namen geschrieben.

Randsportarten wie Kanu stehen nur alle vier Jahre im Fokus, Fußballer dagegen jeden Tag. Beneiden Sie diese oder sind Sie froh, wenn sich der Trubel wieder legt?

Also mit Cristiano Ronaldo möchte ich nicht unbedingt tauschen. So viel Öffentlichkeit bringt auch Schattenseiten mit sich. Aber derzeit genieße ich den Trubel schon, hoffe, dass auch noch mehr Menschen und Sponsoren auf unseren Sport aufmerksam werden.

Wie weit würden Sie gehen, um Ihren Sport bekannter zu machen und sich zu vermarkten?

Also Nacktpaddeln braucht keiner (grinst). Model für Unterwäsche könnte ich mir schon vorstellen. Aber so etwas müsste schon zu mir, meinem Engagement in anderen Bereichen und zu meinen sonstigen Sponsoren passen.

Wie halten Sie es mit den sozialen Netzwerken?

Für uns als Randsportart ist das schon wichtig. Ich betreibe die Facebookseite seit 2013 intensiv. In der olympischen Woche hatte ich immerhin eine Reichweite von 140 000 Leuten. Aber in den anderen elfeinhalb Monaten muss man sehen, dass man nicht in Vergessenheit gerät.

Sie haben die letzten beiden Jahre an der Seite Ihres Vorbildes Ronald Rauhe trainiert. Was konnten Sie von ihm lernen?

Fast alles. Zum einen sportlich, sich zu fokussieren, alles für sein Ziel zu tun, die absolute Professionalität und auch ein kritisches Herangehen an das Training, vieles zu hinterfragen. Zum anderen aber auch den Umgang mit den Medien, wann man sich wie äußert.

Die Stadt hat Ihnen und auch Steffi Kriegerstein ein monatliches Stipendium von 1000 Euro für die nächsten zwei Jahre geboten, mit der Bedingung, dass Sie weiter für Dresden an den Start gehen. Es ist bekannt, dass Sie seit zwei Jahren auch von Potsdam umworben werden. Ist Ihre Entscheidung schon gefallen?

Nein. Ich würde natürlich schon gern hierbleiben. Wenn man so einen Empfang bekommt, merkt man, es bewegt sich was. Nach diesem Angebot ist es deutlich schwerer, über andere Offerten nachzudenken. Aber meine Planungen gehen natürlich über vier Jahre bis zu den nächsten olympischen Spielen. Ich brauche also ein Gesamtpaket bis 2020, damit ich abgesichert bin und ich brauche Trainingspartner. Leider hört Karl Weise vom WSV Am Blauen Wunder jetzt auf. Er hat extra wegen mir noch dieses Jahr weitergemacht. In Potsdam wird derzeit eine neue Trainingsgruppe aufgebaut und unser verantwortlicher Bundestrainer siedelt sich auch dort an.

Vom Deutschen Olympischen Sportbund gibt es für den Olympiasieg 20 000 Euro. Was machen Sie damit?

Ich bin da eher konservativ, spare das meiste. Aber natürlich lade ich meine Freundin auch mal zum Essen ein (lacht).

Mussten Sie vor Olympia auf etwas verzichten, was Sie sich jetzt wieder gönnen können?

Ja. Ich hatte seit Anfang des Jahres keinen Schluck Alkohol mehr getrunken. Das war nicht immer einfach, wenn man überall gefragt wird, ob man nicht wenigstens ein Bier mit trinkt. Doch ich habe es absolut durchgehalten. In der Nacht nach dem Sieg war es dann aufgehoben. Jetzt gönne ich mir auch mal wieder einen Cuba libre.

Wo geht´s im Urlaub hin?

Ich fahre mit meiner Freundin mit dem Wohnmobil in Richtung Gardasee.

Wann steht das erste Training wieder auf dem Plan?

Vom 20. Oktober bis 20. Dezember muss ich zum Feldwebellehrgang der Bundeswehr nach Hannover. Danach steige ich wieder voll ein. Auch das Studium geht jetzt im Herbst wieder los.

Von Astrid Hofmann

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