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Jetzt will Tom Liebscher WM-Gold - Dresdner eilt mit dem Potsdamer Ronald Rauhe den nächsten Coup an

Jetzt will Tom Liebscher WM-Gold - Dresdner eilt mit dem Potsdamer Ronald Rauhe den nächsten Coup an

Kaum war der Jubel am Sonntag nach der Kanu-EM in Brandenburg verklungen, da machte sich der frischgebackene Doppel-Europameister Tom Liebscher auf den Weg nach Hause.

Dresden.

Er wollte noch mit Tausenden von Fans beim Public Viewing am Elbufer das Finale der Fußball-WM erleben. "Es war schon eine grandiose Stimmung", erzählt der 20-Jährige, der sich über den Titelgewinn der Kicker genauso freute wie über seine eigenen Siege. Liebscher weiß schließlich, wie viel harte Arbeit hinter solchen Erfolgen steckt.

Allerdings kann der Modellathlet vom KC Dresden von einer Prämie, wie sie die Fußballer für ihren Titel einstreichen, nur träumen. "Ein paar Hundert Euro gibt es schon von der Sporthilfe", so der Kanute, der schätzt: "Ich müsste wohl mindestens zehn Jahre Welt- und Europameister werden, um auf 300 000 Euro zu kommen." Neid ist dem bescheidenen Muskelpaket aber völlig fremd. Nur eines würde er sich schon wünschen: "Eine größere Lobby für den Sport in Dresden allgemein und etwas mehr Aufmerksamkeit für die olympischen Sportarten Kanu, Rudern oder Wasserspringen, die am ehesten bei Olympia Edelmetall holen können", hält Liebscher nicht hinter dem Berg.

"Das Umfeld in unserem Klub hat sich in den letzten Jahren sehr verbessert, da hat die Stadt viel getan", weiß der ehemalige Eliteschüler des Sportgymnasiums das Engagement zu schätzen. Er nennt dennoch ein Problem, das für ihn eine gewisse Symbolik besitzt: "Wir sind jetzt vier Kaderathleten und unser Verein muss den Raum, in dem wir uns zwischen den Trainingseinheiten mal ausruhen können, von der Stadt anmieten. Er würde sonst leer stehen. Das verstehe ich nicht. Da haben beispielsweise die Potsdamer Kanuten eine viel größere Unterstützung."

Doch Liebscher hofft, dass er in gut drei Wochen noch einmal kräftig die Werbetrommel für sich und seinen Sport rühren und vielleicht auch den einen oder anderen Sponsor begeistern kann. Bei der WM vom 6. bis 10. August in Moskau will der ehrgeizige Student mit seinem Potsdamer Partner Ronald Rauhe auf der 200-m-Strecke zu Gold paddeln. Ausgerechnet auf der Heimstrecke der russischen Olympiasieger und Titelverteidiger Juri Postrigay und Alexander Dyachenko, die vom neuen deutschen Traum-Duo jedoch in dieser Saison bei allen fünf Rennen in die Schranken gewiesen wurden. "Jetzt stehen sie unter Druck. Wir haben in Brandenburg gemerkt, dass man vor heimischem Publikum mehr gefordert ist, mehr erwartet wird. Doch eines ist klar, der WM-Titel geht nur über uns", so die Kampfansage von Liebscher, der dafür sogar auf die Titelverteidigung im Einer über 500 m verzichtet: "Im Hinblick auf die Olympischen Spiele in Rio konzentrieren wir uns jetzt ganz auf die 200 m. Dort wollen wir Gold holen. Weil in Moskau das Finale über 500 m unmittelbar vor dem Endlauf über 200 m liegt, gehen wir kein Risiko ein. Deshalb starte ich auf dieser Strecke nicht."

Zumal der Youngster offenbar mit dem 12 Jahre älteren Rauhe den kongenialen Partner gefunden hat. So bekannte der 13-malige Potsdamer Weltmeister schon vor dem EM-Sieg: "Das mit uns ist ein Glücksfall. Tom bringt unheimlich viel Energie mit." Noch vor zwei Jahren bei Olympia in London hatte Liebscher als Ersatzmann zuschauen müssen, wie die Kollegen regelrecht "absoffen" (zwei achte Plätze für Rauhe im Einer und Zweier mit Jonas Ems). "Dass ich nicht zum Einsatz kam, hat lange an mir genagt. Wirklich abgehakt wird das wohl erst in Rio sein. Trotzdem war es eine Erfahrung, aus der ich viele Schlüsse ziehen konnte. So habe ich auch gemerkt, auf wen ich zählen kann, wenn es darauf ankommt. Bei meiner Familie und im Verein, bei meinem Trainer fand ich immer Rückendeckung. Sie fangen mich auf, wenn es nicht läuft. Das war auch der Knackpunkt, warum ich in Dresden geblieben bin, obwohl es andere Angebote gab", betont Liebscher.

An Ronald Rauhe schätzt er vor allem dessen Ruhe und Gelassenheit und natürlich den großen Erfahrungsschatz. "Wir sind nur eineinhalb Wochen vor dem ersten Weltcup in Mailand gemeinsam ins Boot gestiegen und es harmonierte sehr schnell. Es war sicher richtig, zwei starke Einerfahrer ins Boot zu setzen. ,Ronny' hat seit fünf Jahren keinen Titel mehr gewonnen, ist wohl auch deshalb hochmotiviert. Wir wissen beide, dass wir voneinander profitieren können", ist der Schützling von Trainer Jens Kühn überzeugt, der für den sportlichen Erfolg in diesem Jahr auch im Studium (Verkehrsingenieurwesen) kürzer trat.

"Vergangenes Jahr habe ich schon drei Prüfungen absolviert, im Herbst muss ich wieder ranklotzen", weiß er. Doch jetzt steht erst einmal die WM im Fokus. Nach einer lockeren Woche geht es bereits am Sonntag wieder ins Trainingslager nach Kienbaum, wo er mit Rauhe am Feinschliff für den Saison-Höhepunkt arbeitet. Die gestrige Paddel-Einheit musste er allerdings weglassen. "Früh morgens standen die Doping-Kontrolleure vor meiner Tür. Es lief nicht gleich wie gewünscht und dauerte eineinhalb Stunden, deshalb musste ich auf das Training verzichten", berichtete Liebscher grinsend. Aber schon am Nachmittag ackerte er wieder im Kraftraum, denn vor der WM will er nichts anbrennen lassen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 17.07.2014

Astrid Hofmann

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