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Jede Menge echte und unechte Sachsen in Rio

Olympische Spiele Jede Menge echte und unechte Sachsen in Rio

Genau 31 sächsische Rio-Teilnehmer zählt der Landessportbund Sachsen, für den das Startrecht für einen Verein im Freistaat das entscheidende Kriterium ist. Aber sächsische Wurzeln oder einen direkten Bezug zum Freistaat haben noch wesentlich mehr Athleten im deutschen Olympiateam sowie internationale Starter.

Jenny Elbe

Quelle: imago sportfotodienst

Dresden. Genau 31 sächsische Rio-Teilnehmer zählt der Landessportbund Sachsen, für den das Startrecht für einen Verein im Freistaat das entscheidende Kriterium ist. Aber sächsische Wurzeln oder einen direkten Bezug zum Freistaat haben noch wesentlich mehr Athleten im deutschen Olympiateam sowie internationale Starter. Unser Rio-Reporter Frank Schober kommt auf 48 „echte und unechte“ Sachsen.

Immerhin 18 waschechte Sachsen gehen in Rio für einen Verein aus dem Freistaat an den Start: Martin Wolfram (DSC-Wasserspringer aus Dresden), Tina Punzel (DSC-Wasserspringerin aus Dresden), Stephan Feck (Wasserspringer aus Leipzig), Andreas Bretschneider (Turner aus Chemnitz), Philipp Wende (aus Wurzen stammender DHfK-Ruderer), Tim Grohmann (DHfK-Ruderer aus Dresden), Max Niederlag (Bahnradsprinter aus Chemnitz, stammt aus Heidenau), Cindy Roleder (Hürdensprinterin vom SC DHfK Leipzig – die gebürtige Chemnitzerin trainiert vorrangig in Halle), Rebekka Haase (Sprinterin vom LV 90 Erzgebirge), Christina Schwanitz (Kugelstoßerin vom LV 90 Erzgebirge, geboren in Dresden, lebte einige Jahre in Baden-Württemberg), David Storl (Kugelstoßer vom SC DHfK Leipzig, stammt aus Rochlitz, trainiert in Chemnitz), Max Heß (Dreispringer aus Chemnitz), Kristin Gierisch (Dreispringerin aus Chemnitz), Jenny Elbe (DSC-Dreispringerin aus Dresden), Steffi Kriegerstein (Rennkanutin des WSV Am Blauen Wunder aus Dresden), Tina Dietze (Rennkanutin vom SC DHfK Leipzig), Franz Anton (LKC-Kanuslalomhoffnung, wurde zwar in Wittenberg geboren, fing aber in Meißen an zu paddeln) und Simon Yacoub (Judoka vom JC Leipzig, startet in Rio für Palästina).

Hinzu kommen 13 Rio-Starter, die während ihrer Karriere aus anderen Bundesländern nach Sachsen wechselten: Die Chemnitzer Turnerin Sophie Scheder stammt aus Wolfsburg, ihre Teamkollegin Pauline Schäfer kommt ursprünglich aus Saarbrücken. Der Dresdner Wasserspringer Sascha Klein begann seine Karriere bei Neptun Aachen. DHfK-Ruderin Annekatrin Thiele wurde in Sangerhausen geboren und trainierte vor ihrem Wechsel nach Leipzig daheim in Thüringen. Der Chemnitzer Bahnradsprinter Joachim Eilers stammt aus Köln, das Leipziger Straßenrad-Ass Romy Kasper aus Forst in Brandenburg. DHfK-Kugelstoßerin Sara Gambetta kommt aus der Nähe von Fulda und trainiert seit Jahren in Halle. Hürdensprinter Alexander John ist aus Zeulenroda, Staffelsprinter Robert Hering stammt aus Hermsdorf – mit dem Dritten im Bunde, Herings Staffelkollegen Roy Schmidt, haben beide gemeinsam, dass sie aus Jena an die Pleiße zum SC DHfK kamen. Der LKC-Slalomkanute Jan Benzien ist in Leipzig längst eingemeindet, der Familienvater stammt aber aus der Nähe von Gießen und kam als Teenie nach Sachsen. Nicht zuletzt sind noch zwei Fußballspieler zu erwähnen: RB-Verteidiger Lukas Klostermann war zunächst Leichtathlet in Gevelsberg, spielte dann jahrelang für den VfL Bochum. RB-Sturmkollege Davie Selke stammt aus dem schwäbischen Schorndorf. Er wechselte 2015 von Werder Bremen nach Leipzig.

Acht Rio-Starter begannen ihre Karriere in Sachsen: Stabhochspringer Tobias Scherbarth wechselte wegen der besseren Bedingungen und Trainingspartner als Teenie von Leipzig nach Leverkusen. 100-m-Sprinter Lucas Jakubczyk stammt aus dem Vogtland und trainiert seit vielen Jahren in Berlin. Speerwerfer Johannes Vetter verließ seine Heimatstadt Dresden vor zwei Jahren, seither trainiert er bei Bundestrainer Boris Obergföll in Offenburg. Rückenschwimmerin Lisa Graf stammt aus Schkeuditz, sie wechselte vor knapp vier Jahren von der SSG nach Berlin-Neukölln. Schwimmerin Leonie Kullmann (17) kam mit zwölf Jahren aus den USA nach Dresden und zog zwei Jahre später weiter nach Berlin. Pistolen-Schütze Christian Reitz stammt aus Löbau, wechselte aber vor rund zehn Jahren zur hessischen Landespolizei und lebt nun in Kriftel. Ruderer Karl Schulze wurde 2012 als Dresdner Olympiasieger im Doppelvierer und ging dann nach Berlin. Handball-Torhüter Silvio Heinevetter (Füchse Berlin) wuchs in Zeulenroda auf und reifte als Teenie am Leipziger Sportgymnasium und bei Concordia Delitzsch zum Klasse-Keeper.

Zwei in Rio startende Leichtathleten wohnen in Sachsen, tragen aber national das Trikot anderer Vereine: Siebenkämpferin Jennifer Oeser zog während ihrer Babypause vor zwei Jahren nach Markranstädt, sie startet weiter für Leverkusen und trainiert vorrangig in Halle. Staffelsprinter Sven Knipphals arbeitet seit drei Jahren in Leipzig als Chiropraktor, ist seinem Heimatverein VfL Wolfsburg aber treu geblieben.

Zwei weitere Rio-Starter haben relativ wenig Bezug zu Sachsen: Diskuswerferin Nadine Müller wurde in Leipzig geboren, trainiert aber seit eh und je in Halle, startete 2015 zwölf Monate lang für den SC DHfK, wohnt im Saalkreis zwischen Leipzig und Halle, Trainer René Sack war erfolgreicher Kugelstoßer beim LAZ Leipzig. Fußballer Leonardo Bittencourt wurde 1993 in Leipzig geboren, als sein brasilianischer Vater Franklin mit dem VfB in der Bundesliga spielte, der Sohnemann wuchs in Cottbus auf und spielt derzeit für den 1. FC Köln.

Fünf internationale Judo-Cracks gehör(t)en außerdem zum Bundesliga-Team des JC Leipzig: Die Schweizerin Evelyne Tschopp ist seit Jahren eine feste Größe bei den Powerfrauen, ihr Landsmann Ludovic Chammartin holte jahrelang für den JCL in der 60-kg-Klasse die Kohlen aus dem Feuer, der 155-Kilo-Koloss Daniel Natea aus Rumänien gehört seit diesem Jahr zum Team), der Kubaner Asley Gonzalez hat sich bislang voll auf Rio konzentriert und soll im Herbst in der Endrunde zum Einsatz kommen, auch der Moldawier Valeriu Duminica ist seit diesem Jahr beim JCL.

Von Frank Schober

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