Volltextsuche über das Angebot:

14 ° / 8 ° Regenschauer

Navigation:
Google+
Interview mit Sören Glöckner, Präsident der Dresden Monarchs

Interview mit Sören Glöckner, Präsident der Dresden Monarchs

S. Glöckner: Nicht ganz. Wir waren vor der Saison eigentlich hervorragend aufgestellt, die vielen Verletzungsausfälle haben uns dann aller Chancen beraubt.

Frage: Minimalziel Klassenerhalt geschafft, die Playoffs aber klar verpasst - aus Sicht der Dresden Monarchs eine Saison zum Vergessen?

Das zeigt aber auch unser größtes Problem: Wir haben keine Tiefe in der Mannschaft, können Leistungsträger nicht ersetzen. Trotzdem ist unsere Abwehr über die ganze Saison betrachtet die drittbeste der gesamten Liga. Der Angriff leider nicht. Da waren wir wegen der einseitigen Konzentration auf das Laufspiel doch zu ausrechenbar.

Die US-Importe haben diesmal auch nicht richtig gezündet?

Einspruch! Die Spieler haben durchaus Qualität. Bis zum Ende gezeigt hat das freilich nur Larry Croom, der uns als Runningback viele Punkte bescherte. Obwohl alle wussten, dass er läuft, war er nicht zu stoppen. Zu den Problemkindern: Mit Adrian McCovy fiel ein Amerikaner mit einer schweren Schulterverletzung aus, mit Patrick O'Neal wollte der zweite heim in die Staaten zu seiner kranken Mutter. Und Quarterback Tyler Graunke ist beim Klettern an der heimischen Fassade abgestürzt. Bei ihm - das gebe ich zu - haben wir Pech gehabt. Zuhause in Amerika war mit ihm alles in Ordnung, hier ist hier leider ausgeflippt. Wir mussten ihn heim schicken.

Eric Seidel hat die Lücke gut geschlossen...

Ja, er ist ein junges Talent und hat als Quarterback sehr starke Auftritte gehabt.

Von sieben Heimspielen gingen fünf verloren - kostet das Zuschauer?

Natürlich, die Menschen kommen lieber zu einem Erfolgsteam. Doch unsere treuen Fans kommen unabhängig vom Tabellenstand immer wieder, weil sie ein gutes Spektakel zu sehen bekommen. Viel mehr als von den Ergebnissen sind wir - vor allem im Steyer-Stadion - vom Wetter abhängig. Regnet es in Strömen, erscheinen dort nur die Hälfte der Fans; selbst wenn ein Spitzenspiel auf dem Programm steht.

Zwei Partien haben die Monarchs 2011 im Glücksgas-Stadion absolviert. Wie sind die Erfahrungen?

Bestens. Mit den Stadionbetreibern - namentlich Herrn Otto und seinen Kollegen - pflegen wir eine überaus professionelle und freundschaftliche Zusammenarbeit. Wir fühlen uns im Gücksgas-Stadion sehr willkommen. Hier sind wir vom Wetter unabhängig, hier kann ein Footballspiel tatsächlich zu einem tollen Event werden. Aber das hat natürlich auch seinen Preis. Halbwegs rechnen kann sich das Ganze nur, wenn wir einen Spieltagssponsor finden. Ohne dem müssten wir 6000 bis 8000 Zuschauer haben.

Wird es 2012 erneut Monarchs-Spiele im Glücksgas-Stadion geben?

Ich denke schon. Wir wollen dort ein, zwei richtige Höhepunkte setzen. Genau können wir das aber erst planen, wenn wir unseren Spielplan kennen.

Von den sechs Erfolgen in der Saison wurden jeweils zwei gegen die eher zweitklassigen Teams aus Essen und Plattling eingefahren. Der letzte Sieg gelang gegen ein Kieler Reserveteam. Nur gegen Braunschweig konnten sich die Monarchs einmal in einem Duell auf Augenhöhe durchsetzen. Woran liegt das?

Die meisten Spiele haben wir mit einem Touchdown und weniger verloren. Ohne unser Verletzungspech hätten wir zehn Punkte mehr haben können.

Woran muss bis zur neuen Saison gearbeitet werden?

Vornehmlich an unserem Stammkader. Wir müssen vermehrt selbst gute Spieler ausbilden, zudem versuchen, aus dem näheren Umfeld - damit meine ich Berlin, Leipzig, Chemnitz - Jungs zu uns zu locken. Wobei das mit Berlin schwierig wird, nach dem Aufstieg der Rebels gibt es in der Hauptstadt im nächsten Jahr wieder zwei GFL-Teams. Da kommt keiner so leicht nach Dresden.

Auch nicht für Geld?

Wir müssen um jeden Euro kämpfen. Unter diesem Aspekt werden wir unsere Philosophie mit Blick auf nationale Spieler nicht ändern: Bei den Monarchs gibt es definitiv kein Handgeld.

Der Trainer steht nicht zur Debatte?

Nein. Gary Spielbuehler hat Vertrag bis Ende 2013. Da gibt es keinen Handlungsbedarf. Und das ist sehr angenehm.

Wie steht es um die Monarchs-Finanzen? Geht es bergauf oder bergab?

Aus finanzieller Sicht hatten wir unsere beste Zeit in den Jahren 2002 und 2003. Vor allem, weil sich die Brauereien danach vermehrt aus dem Sport zurückgezogen haben, war dieses Niveau nicht zu halten. Bezahlt gemacht haben sich die Investitionen in unser Trainingsgelände und den Kunstrasenplatz. Das macht uns relativ unabhängig, wir müssen nicht anderen Orts teure Plätze anmieten.

Trotzdem stagniert der Etat...

Den regionalen Markt der Sponsoren müssen wir uns mit anderen starken Teams - neben Dynamo sind das die Eislöwen und die DSC-Volleyballerinnen - teilen. Gut, dass die Sparkasse und der Elbepark treu an unserer Seite stehen - ohne die zwei würden wir nicht in der ersten Liga spielen. Traurig stimmt uns, dass sich städtische Unternehmen wie die Drewag überhaupt nicht engagieren.

Welche Ergebnisse hat die Vorstandssitzung am Dienstagabend gebracht?

Wir haben festgestellt, dass wir die Saison mit einer leicht roten Null abschließen konnten, mithin die Mehrausgaben durch die Nachverpflichtung der zwei Amerikaner gut kompensiert haben. Unsere Lizenzierungsunterlagen für die neue Saison werden wir bis Mitte Oktober fertig haben.

Wie sieht es in punkto Mitgliederentwicklung aus?

Wir hatten schon einmal über 400, dann waren es weniger als 300. Jetzt verzeichnen wir wieder ordentliche Zuwächse, bei Footballern, aber vor allem auch im Cheerleading-Bereich. Aktuell haben wir 355 Mitglieder.

2012 ist für die Monarchs das Jahr der Jubiläen - Zeit für große Pläne...

Wir feiern den 20. Geburtstag unseres Vereins, zudem den Erstliga-Aufstieg vor zehn Jahren. In neun GFL-Spielzeiten haben wir sechsmal die Playoffs, zweimal sogar das Halbfinale erreicht. Nur einmal mussten wir in die Abstiegsrelegation. Das Ziel für 2012 ist klar: Wir wollen wieder in die Playoffs, und zwar als Gastgeber. Dafür müssen wir in unserer Staffel mindestens Zweiter werden - ein ehrgeiziges Vorhaben, für dessen Gelingen wir auch viel Glück brauchen werden.

Sie selbst sind seit 1998 Monarchs-Präsident? Werden Sie amtsmüde?

Irgendwann wird der Zeitpunkt kommen, den Staffelstab weiter zu geben. Ich hoffe, ich merke es, wenn es soweit ist. Momentan habe ich noch viel Lust und Spaß. Unser Vorstandsteam funktioniert hervorragend. Es gibt keinen Grund für eine Revolution.

Am Wochenende beginnen in der GFL - ohne die Monarchs - die Playoffs. Wer wird Meister?

Wie im Vorjahr Kiel. Da bin ich mir ziemlich sicher. Die einzige Mannschaft, die vielleicht noch mit den Baltic Hurricans mithalten könnte, ist Schwäbisch Hall.

Interview: Thomas Scholze

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 15.09.2011

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Regionalsport
  • Semperopernball
    Semperopernball

    Alle Infos, alle Highlights, die schönsten Bilder - der Semperopernball in Dresden. mehr

  • 13. Februar

    Ob Gedenken, Täterspuren oder Menschenkette: Alle Infos finden sie in unserem Special zum 13. Februar in Dresden mehr