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Großer Fußball anno 1934: Als Real Madrid in Dresden gastierte

Großer Fußball anno 1934: Als Real Madrid in Dresden gastierte

Real Madrid ist eine der ersten Adressen im europäischen Clubfußball. Mit neun Titeln in der Champions League beziehungsweise dem vormaligen Europapokal der Landesmeister ist der spanische Hauptstadtverein Rekordsieger in diesem Wettbewerb.

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1934 gastierte das heutige Real Madrid in Dresden.

Quelle: Repro Archiv Sportmuseum Friedrichstadt

Kaum bekannt ist bislang, dass die Madrilenen auch schon mal in Dresden gastierten.

Gastgeber im Juni 1934 war der Dresdner SC, der damals führende Fußballverein in Sachsens Landeshauptstadt. Wenige Monate zuvor hatten die Friedrichstädter die erste Spielzeit der Gauliga Sachsen vor dem punktgleichen VfB Leipzig für sich entschieden. Dadurch qualifizierten sie sich für die Endrunde der deutschen Meisterschaft, scheiterten dort aber im Mai äußerst knapp am späteren Vizemeister 1. FC Nürnberg.

Für die dadurch folgende spielfreie Zeit luden sich die Dresdner einige international renommierte Mannschaften als Testspielgegner ein, darunter AS Rom und Servette Genf. Am 17. Juni 1934 schließlich kam die Elf aus Madrid, schon damals ein Starensemble, ins Stadion im Ostragehege. „Das war der FC Madrid, heute Real. Das Spiel ging für den DSC aber leider mit 3:0 verloren“, erinnert sich der 89-jährige Dresdner Wolfgang Neubert. In den 1930er Jahren war Neubert, von seinem Vater mit dem DSC-Virus angesteckt, Dauergast im Stadion und auch an jenem Tag, kurz vor seinem elften Geburtstag, als Zuschauer dabei.

Madrids damals: noch heute eine Legende

Dort sah er, wie der legendäre Schlussmann Ricardo Zamora seinen Kasten das ganze Spiel über sauber hielt. Zamora galt damals als einer der besten Torhüter der Welt, hütete in 46 Länderspielen das Gehäuse der spanischen Nationalmannschaft. Ihm gegenüber stand DSC-Keeper Willibald Kreß, 16-facher DFB-Auswahl-Torwart, der damals häufig in einem Atemzug mit Zamora genannt wurde.

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Großer Fußball in den 30er Jahren.

Quelle: Repro Archiv Sportmuseum Friedrichstadt

Und auch sonst hatte der DSC eine schlagkräftige, erfahrene Truppe aufs Feld des heutigen Heinz-Steyer-Stadions geschickt: Im Sturm spielte der 25-fache deutsche Nationalstürmer Richard Hofmann neben Helmut Schön, dem damals gerade 18-jährigen späteren Weltmeistertrainer von 1974. Die Madrilenen jedoch konnten auf 89 Länderspiele verweisen, die ihre Spieler insgesamt bestritten hatten – mehr als doppelt so viele wie der DSC und für damalige Verhältnisse ein Weltklasse-Wert.

Die Zeiten damals waren allerdings nicht leicht. Im Deutschen Reich hatten ein Jahr zuvor die Nationalsozialisten die Macht übernommen. Und in Spanien gab es viele Feinde der 1931 ausgerufenen Republik. Die setzte sich zur Wehr und verbot kurzerhand alle Insignien, die an die Monarchie erinnerten. So kam es, dass der Real Madrid Football-Club den erst elf Jahre zuvor vom König verliehenen Titel „Real“ (deutsch: royal, königlich) 1931 wieder ablegen und die Krone aus seinem Vereinsemblem streichen musste.

Und auch der spanische Fußballpokal, den sich die Madrilenen sechs Wochen vorm DSC-Duell durch einen 2:1-Erfolg im Finale gegen den FC Valencia bereits zum sechsten Mal gesichert hatten, hieß nicht etwa wie heute Copa del Rey (Pokal des Königs), sondern Copa del Presidente de la República. Zu der Zeit hatte Madrid 6000 Vereinsmitglieder, war schon damals größter Club der spanischen Hauptstadt. Trainer war Robert Firth aus England, dem Mutterland des Fußballs.

Madrid siegt in Dresden deutlich

Obgleich die Dresdner damals ehrfürchtig zu den Madrilenen aufschauten, wussten sie, dass sie nicht unschlagbar sind. Schließlich hatte kurz zuvor der PSV Chemnitz die Spanier mit 5:2 besiegt. In Dresden zeigten sie jedoch ein anderes Gesicht, kombinierten mustergültig und kamen zu Torerfolgen. Rechtsaußen Lazcano schoss gegen Ende der ersten Halbzeit mit einem wuchtigen und platzierten Nahschuss aus dem Gewühl heraus die Führung, die Hilario nach einer knappen Stunde Spielzeit ausbaute. Den 3:0-Endstand vor 10.000 Zuschauern erzielte erneut Lazcano drei Minuten vor Abpfiff der Partie.

Nach der Niederlage waren die Dresdner Zuschauer und die lokale Presse vorm Hintergrund des Chemnitzer Sieges heillos enttäuscht. Überglücklich dagegen war DSC-Fan Roy Helbig, als er fast acht Jahrzehnte später auf den noch lebenden Zeitzeugen Wolfgang Neubert stieß und die Daten des Spiels für sein Friedrichstädter Sportmuseum aufbereiten konnte. „Ich hätte nie gedacht, noch jemanden zu treffen, der darüber etwas aus eigener Erfahrung erzählen kann“, freut sich Helbig. Einen solchen Zeitzeugen der Vereinsgeschichte der Vorkriegszeit zu haben, sei ein großer Schatz.

Insbesondere der Stellenwert, den der Dresdner SC damals hatte, sei aus heutiger Sicht unvorstellbar. Aktuell kicken die Friedrichstädter in der Bezirksliga, sind von Duellen gegen Real Madrid meilenweit entfernt. Die spielen in Europa noch immer eine ganz große Rolle, treffen an diesem Mittwochabend im Champions-League-Halbfinale auf Borussia Dortmund. DSCer Roy Helbig hofft insgeheim auf einen BVB-Sieg, glaubt aber: „Es wird eng. Ich denke, es wird wohl ein Unentschieden.“

Stefan Schramm

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