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Gewalt- oder Medienproblem? - Dynamo-Fanprojekt diskutiert über Fanszene und Gewaltproblematik

Gewalt- oder Medienproblem? - Dynamo-Fanprojekt diskutiert über Fanszene und Gewaltproblematik

Dynamo Dresden hat kein Fanproblem, sondern eins mit der Berichterstattung" - so heißt es sinngemäß in einem aktuellen Lied über den Zweitligisten.

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Rund 100 Fans verfolgten am Dienstag die Diskussionsrunde des Dynamo-Fanprojektes zum Thema Gewalt und deren Wahrnehmung.

Quelle: Stephan Lohse

Und tatsächlich pflegt ein Teil der Fans eine Abneigung gegen die angebliche „Lügenpresse", die angeblich Vorfälle aufbausche, skandalisiere und anheize. Einschätzungen, die das Dynamo-Fanprojekt am Dienstag mit rund 100 Zuhörern im VIP-Bereich des Glücksgas-Stadions genauer hinterfragen wollte.

Einig waren sich die eingeladenen Fans und Medienvertreter jedenfalls bis zum Schluss nicht. So sei die Berichterstattung der Journalisten „ein ganzes Stück weit" schuld am harten Urteil Geisterspiel plus Geldstrafe nach den Ausschreitungen beim Pokalspiel in Dortmund, meint Oliver Ehlert von der „Fangemeinschaft Dynamo".

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Rund 100 Zuhörer waren zu der Veranstaltung gekommen. Zudem stellten sich mehrere Fan-Initiativen den Besuchern vor.

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MDR-Reporter Eik Galley, der als Medienvertreter in der Runde saß, verteidigte hingegen seine Kollegen. Die kritische Sicht der Fans sei oft selbst eine Frage der Wahrnehmung. Zudem berichtete Galley, dass es für die Medien schwer ist, mit den Fans ins Gespräch zu kommen. Tatsächlich bestätigte Ehlert, dass es von Fan-Seite eine klare Ablehnung und keine Gesprächsbereitschaft gibt.

Fanvertreter Dan Untenzu bezeichnete die Gewalt bei Dynamo lediglich als „Randthema", das von außen aufgebauscht werde. Die Selbstregulierung habe bereits viel bewirkt, beispielsweise bei der Organisation der Fanzüge, weist er hin. Lediglich bei Auswärtsspielen gebe es noch Probleme, dies würde aber an „unnötigen" Konflikten liegen, wenn gastgebende Vereine sich nicht an Absprachen hielten. Zudem gebe es die von den Medien oft geforderte Abgrenzung der Fans von Gewalttätern, nur erfolge die intern und nicht nach außen. Dies wäre „Denunziantentum", sagte er.

Man dürfe nicht so tun, als gebe es das Problem nicht, hielt Moderator und Sportjournalist Christoph Ruf den Äußerungen der beiden Fanvertreter entgegen. Dresden habe ein Problem mit einigen gewalttätigen Anhängern, antisemitische Sprüche wie „Juden-..." höre er in Dresden zudem häufiger als in anderen Stadien. Nichtsdestotrotz habe sich in der Dynamo-Szene viel getan.

Auch Dresdens Ordnungsbürgermeister Detlef Sittel erinnerte an die Wandlung der Szene seit den Ausschreitungen vom Sommer 2002, als kurz nach der Jahrhundertflut mehr als tausend Dynamo-Fans beim Derby gegen den Dresdner SC Polizei und Gästefans überrannten. Hingegen könne er sich nicht erinnern, dass in jüngerer Vergangenheit bei Heimspielen Größeres vorgefallen wäre, lobte Sittel.

Polizei-Einsatzleiter Bernd Pätzold fand ebenfalls lobende Worte. Seit dem Dezember 2002 habe es bei Dynamo-Heimspielen keinen Wasserwerfer-Einsatz mehr gegeben. Mussten früher 9000 Polizisten pro Saison ausrücken, reichen inzwischen 6000. Die Zahl der gewalttätigen Fans, auch als „Kategorie C" bezeichnet, sei mit nur 60 bis 80 verschwindend gering im Vergleich zu den mehr als 20.000, die pro Heimspiel ins Stadion strömen. Auch die vielen Familien, Kinder und Frauen, die inzwischen die Spiele der Schwarz-Gelben verfolgten, seien ein Beweis für den Wandel.

Stephan Lohse

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